Bogenhausen Gezerre um ein Stück Wiese

Teure Verwandlung: Circa 350 000 Euro würde es kosten, die Skulptur von Roland Friederichsen vor dem Cosimabad wieder zum Brunnen zu machen.

(Foto: Robert Haas)

Bogenhausens Lokalpolitiker würden die Grünfläche vor dem Cosimabad gerne aufwerten und mit neuen Nutzungen attraktiver machen. Allerdings weckt das Areal auch die Begehrlichkeiten weiterer Interessenten

Von Ulrike Steinbacher, Bogenhausen

Ende des 19. Jahrhunderts lag Münchens nordöstliche Stadtgrenze dort, wo die Englschalkinger Straße damals anfing. Der Pflasterzollaufseher, der von den Kutschern der schweren Ziegelfuhrwerke aus Oberföhring und Daglfing den Pflasterzoll eintrieb, hatte an dieser Ecke seine Amtsstube. Der Verein Nordostkultur hat sogar ein Foto davon auf seiner Website: Zollstation Nummer sieben war ein schmuckes Gebäude mit Erker und Mansardendach, das auch noch Bewohner hatte, als der Pflasterzoll längst abgeschafft war. Erst 1964 wurde das Häuschen abgerissen, in einem Jahrzehnt, als die Großstadt München endgültig aufs Isar-Ostufer hinaufwucherte: Die Englschalkinger Straße, die schon nach dem Krieg Richtung Westen bis zur Effnerstraße verlängert worden war, bekam jetzt sechs Spuren verpasst, südlich von ihr entstand seit 1965 der Arabellapark, und von 1970 an ratterten zwei Trambahnlinien dorthin, wo das Zollhäuschen verschwunden war, zur Endhaltestelle "Cosimapark".

In den Achtzigerjahren nahmen sich die Bauarbeiter dann die Nordseite der Englschalkinger Straße vor: Klinikum, Wellenbad und U-Bahn-Anschluss entstanden, aus dem jetzt überflüssigen Trambahnwartehäuschen wurde ein Jugendtreff, und aus der ehemaligen Trambahn-Wendeschleife eine Grünfläche. Kurzum: Die Ecke Englschalkinger und Cosimastraße begann allmählich so auszusehen, wie man sie heute kennt. Und wo früher die Zollstation gestanden hatte, auf der Wiese vor dem Cosimabad, ragt seit den Neunzigerjahren die gut drei Meter hohe bronzene Baum-Skulptur des Bildhauers Roland Friederichsen auf.

Die Grünfläche ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen im Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen. Zur Sitzung am Dienstag, 10. April, bringt die SPD einen Antrag ein, dem Areal endlich einen Namen zu geben. Inoffiziell heißt die Fläche "Cosimaplatz" wie die einstige Tram-Endstation. Die Sozialdemokraten schlagen stattdessen "Prieleck" vor, nach dem wenig bekannten Bogenhauser Ortsteil, der sich von dort zwischen Effner- und Cosimastraße nach Norden erstreckt.

Die BA-Mitglieder möchten die Fläche aber auch aufwerten, suchen nach sinnvollen Nutzungsmöglichkeiten. Ganz und gar nicht einverstanden sind sie mit den meisten Nutzungsanfragen, die ihnen das Kommunalreferat so vorlegt. Jüngst waren das ein Korbwarenverkäufer, der sein Flechtwerk anbieten wollte, und eine Bettfedernreinigung, die dort ihren Lastwagen abstellen wollte. Gnade vor den Augen der BA-Mitglieder findet dagegen der Weihnachtsmarkt, der vom Arabellapark auf den Platz vor dem Schwimmbad umgezogen ist und vergangenen Dezember dort zum zweiten Mal stattgefunden hat.

Die Lokalpolitiker wollen jetzt Ideen für die Nutzung der Grünfläche auch jenseits der Adventszeit sammeln. Holger Machatschek (Grüne) hat vorab schon einmal erste Anstöße für die Debatte gegeben: Events unterschiedlicher Art könnte er sich vorstellen, Sportveranstaltungen, aber auch ein Café, einen öffentlichen Gemüsegarten oder einen Boule-Platz. Das Thema soll in der BA-Sitzung am Dienstag, 10. April, diskutiert werden.

Bisher hat der BA mit seinen Vorschlägen für die Grünfläche aber wenig Glück gehabt. 2014 war er mit seinem Antrag gescheitert, Friederichsens Bronze-Baum wieder in den Brunnen zu verwandeln, der er ursprünglich einmal gewesen war. Das Baureferat rechnete damals vor, dass die nötige Nachrüstung 350 000 Euro kosten würde, überdies reklamierten die Stadtwerke die Fläche für sich. Sie müsse für eine Trambahnwendeanlage in Reserve gehalten werden - ein Argument, das im BA Verwirrung auslöste, denn die nächste Wendeschleife liegt keine zwei Kilometer entfernt am Effnerplatz.

Inzwischen kommt noch eine neue Unwägbarkeit hinzu: Weil der Kohleblock des Heizkraftwerks in Unterföhring nach einem Bürgerentscheid Ende 2022 stillgelegt werden soll, suchen die Stadtwerke jetzt nach Alternativstandorten für dezentrale Gas-Heizwerke. Im Gespräch ist unter anderem der Parkplatz nördlich des Cosimabads. Falls aber dort ein Heizwerk entsteht, stellt sich die Frage, wo die Autos künftig parken sollen. Auch das Thema Heizwerk steht auf der Tagesordnung für die April-Sitzung des Bogenhauser Bezirksausschusses.