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Bogenhausen:Eine Frage der Prioritäten

Asphaltflächen, Wertstoffcontainer, Taxispuren: Der Herkomerplatz besteht aus vielen Nutz- und Verkehrsflächen und wenig Grün.

(Foto: Robert Haas)

Um die Grünfläche am Herkomerplatz zu vergrößern, müssten 13 Parkplätze gestrichen werden. Die Lokalpolitiker zögern

Der Herkomerplatz soll schöner werden. Das fordern Bogenhauser Lokalpolitiker unterschiedlicher Couleur schon seit zehn Jahren und seit zehn Jahren fordern sie es vergeblich. Im April aber vollzog das Baureferat eine überraschende Wende und verschickte Überlegungen zur Neugestaltung des Platzes, Skizze inklusive. Jetzt allerdings sind es die Stadtviertelvertreter, die zögerlich reagieren. Denn um die Platzfläche vernünftig zu vergrößern, müssten an der Denninger Straße 13 Parkplätze gestrichen werden.

Schon vor acht Jahren, im April 2011, hatte die SPD die Schwächen des Platzes in einem Antrag recht genau beschrieben: "Die Verkehrsinsel mit ihrem schönen alten Baumbestand wirkt eingekeilt zwischen dem überdimensionierten Taxistand, den unansehnlichen Wertstoffcontainern, den Parkplätzen und dem Verkehrsfluss", hieß es da. Die Kritik verpuffte. Sieben Jahre später, im Februar 2018, konstatierte die CSU noch immer, dass der Platz "einen sehr ungeordneten Eindruck" macht.

Alle Vorstöße des Bezirksausschusses, den Platzcharakter dieser Verkehrsdrehscheibe herauszuarbeiten und mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen, scheiterten am Widerstand des Baureferats. "Mangels Möglichkeiten" könnten die Verkehrsflächen, also Straßen, Gehwege und Haltestellen, nicht neu geordnet werden, hieß es noch im Sommer 2018. Selbst die Bereitschaft der Taxi München eG, auf eine von zwei Wartespuren zu verzichten, änderte nichts an dieser Einschätzung. Die Erweiterung der Grünfläche um die eine "entbehrliche Taxispur" sei "nicht zielführend".

Nach einigem schriftlichen Hin und Her und einem Ortstermin vergangenen November sahen sich verschiedene Referate die Sache aber noch einmal genauer an und änderten ihre Meinung. Wichtigster Punkt: Das Planungsreferat stellte fest, dass der südwestliche Ast der Denninger Straße bis zur Einmündung der Scheinerstraße "nicht als Fahrbahn notwendig ist". Sprich: Man könnte diesen Straßenabschnitt entsiegeln und der Platzfläche zuschlagen. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) allerdings kann auf den Straßenast nicht so ohne Weiteres verzichten. Dort liegt die Haltestelle der Busse 54, 58, 187, 188, 189 und N43 auf ihrer Route stadtauswärts. Sie zu verlegen würde die MVG vor große technische Probleme stellen und die Fahrzeiten verlängern. Also entwickelten die Referate die Idee, den Straßenast nur für Autos zu sperren, aber die Haltestelle und einen 3,5 Meter breiten Asphaltstreifen für Bus, Lieferwagen und Radfahrer beizubehalten. Die Verkehrsführung müsste dann so geändert werden, dass Autos den östlichen Ast der Denninger Straße - heute eine Einbahnstraße - in beide Richtungen befahren könnten. Dafür würde eine der jetzigen Taxispuren der Fahrbahn zugeschlagen.

Der große Haken an der Sache: All diese Veränderungen kosten Parkplätze. 13 Stück würden infolge der Sperrung gestrichen. Das wiederum bringt den Bezirksausschuss (BA) ins Grübeln, zunächst soll sich jetzt der Unterausschuss Verkehr Gedanken machen. Dessen Vorsitzender Martin Tscheu (SPD) nannte den Wegfall der Parkplätze in der jüngsten BA-Sitzung "sehr problematisch". Dabei hatte die Bogenhauser SPD selbst vor acht Jahren die Sperrung exakt dieses Straßenabschnitts vorgeschlagen.