BogenhausenEin Tritt fürs Tretlager

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Das Bild zeigt den Dirtpark vom Verein Tretlager im Fideliopark am Salzsenderweg in Bogenhausen-Johanniskirchen. In Vaterstetten wird eine solche Sportstätte wohl mangels Grundstück nicht umgesetzt.
Das Bild zeigt den Dirtpark vom Verein Tretlager im Fideliopark am Salzsenderweg in Bogenhausen-Johanniskirchen. In Vaterstetten wird eine solche Sportstätte wohl mangels Grundstück nicht umgesetzt. Alessandra Schellnegger

Mit dem Bau des neuen Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums im Bogenhauser Klimapark könnte der Radsportverein sein Übungsgelände verlieren. Eine Machbarkeitsstudie soll nun Lösungen aufzeigen

Von Renate Winkler-Schlang, Bogenhausen

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Die Stadt soll das neue Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium im Klimapark am Salzsenderweg so konzipieren, dass der Radsportverein "Tretlager" sein Übungsgelände behalten kann. Diese Forderung stellte der Bogenhauser Bezirksausschuss in seiner jüngsten Sitzung auf. Gegen diese Maximalforderung stimmte allerdings die Vorsitzende des Gremiums, Angelika Pilz-Strasser (Grüne). Sie erklärte, den Schulstandort im Klimapark sehe sie nach wie vor als Kröte, die man habe schlucken müssen. Genau deshalb aber sei es wichtig, dass die Schule "sensibel" platziert werde, um die Kaltluftschneise so wenig wie möglich zu minimieren. Allerdings müsse es selbstverständlich sein, dass die Stadt den Radsportlern eine angemessene, langfristig tragbare Alternative anbiete.

Tretlager-Vereinspräsident Andreas Kräftner betonte, dass er gerne mit dem Gymnasium kooperieren würde, die Nachbarschaft wäre ideal, um den Radsport in den Schulunterricht zu integrieren: "Wir könnten unseren Anfängerbereich erweitern." Auch eine Zusammenarbeit mit dem Spiel-und Begegnungszentrum Fideliopark wäre dann denkbar. Plane die Stadt die Schule mehrstöckig, bliebe auch der Baumbestand der Anlage erhalten.

Kräftner verwies auf die Odyssee, die die Münchner BMX- und MTB-Fans hinter sich haben, ihr heutiger Standort sei bereits der Ersatz für einen Ersatz. Angefangen habe alles 1983 mit dem "Bombenkrater" nahe der Grünwalder Brücke, doch der wurde 2009 ohne Vorwarnung eingeebnet. Ein weiteres Gelände an der Leopoldstraße hatten die Radfans bereits 2008 räumen müssen - ebenso wie eine Halle in Emmering im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Ihr heutiges 5500 Quadratmeter großes Gelände hat die Stadt ihnen vor fünf Jahren verpachtet mit einem Zehnjahresvertrag samt Verlängerungsoption. Es stecke viel Mühe in den Tracks und Lines, auf denen die Radler ihre waghalsigen Sprünge machen: jährlich rund 2100 ehrenamtlich geleistete Stunden der mehr als 100 Mitglieder zum Streckenaufbau und zur Streckenpflege. Drei Jahre habe allein der Grundaufbau gedauert, erst 2014 habe der Verein einen geordneten Betrieb aufgenommen. Nach Schätzungen der Schweizer Firma Velosolutions, die solche Parks professionell herstellt, habe der Tretlager-Parcours einen Wert von 125 000 Euro: "Wir können und wir wollen nicht alle fünf Jahre einen neuen Spot aufbauen", sagte Kräftner im BA. Einer seiner zahlreichen Mitstreiter erklärte, die Hügel und Kurven zu formen, sei "aufweniger als der Bau eines Hauses".

Im Gremium fand der Verein viele Sympathien. Eine Stadt müsse "froh und dankbar" sein über so viel sinnvolles ehrenamtliches sportliches Engagement, erklärte Andreas Nagel (David contra Goliath). Stattdessen lasse sie eine Schule verlottern und schaffe so eine Zwangslage, die den Gymnasiums-Neubau erforderlich gemacht habe. "Das alles ist tieftraurig. Man sieht, dass der Standort grottenfalsch ist. Ich hoffe, es kommt noch viel Bürgerprotest." Xaver Finkenzeller (CSU) stieß ins selbe Horn. Sollte eine Verlagerung der Radler aber unumgänglich sein, werde sich doch wohl im Neubaugebiet jenseits der Bahn eine dauerhafte Fläche finden, ergänzte er.

Kräftner sagte, Tretlager wolle "nicht gegen eine Schule kämpfen", brauche aber ein angemessenes Gelände. Ein etwaiger Ersatz müsste spätestens zum Abrisstermin der Anlage betriebsbereit sein: "Außerdem fordern wir dann die Garantie, dass dieses Ersatzgelände eine langfristige Lösung ist." Er lasse sich nicht mehr in einen leicht kündbaren Pachtvertrag drängen.

Christina Warta vom Bildungsreferat, das auch für den Sport zuständig ist, erklärt dazu, zunächst solle eine Machbarkeitsstudie des Baureferats klären, welche Bauvarianten auf dem Grundstück möglich seien. Es stehe aktuell also noch nicht fest, wie der Verein betroffen sein werde. Auch einen Zeitplan habe die Stadt noch nicht. Das Referat sei aber bereits in Kontakt mit Tretlager.

© SZ vom 19.10.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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