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Bogenhausen:"Absolut suboptimal"

Mit maßloser Enttäuschung reagieren die Lokalpolitiker im Viertel auf die Entscheidung der Stadt, das neue Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium ohne eine vierte Turnhalle zu bauen

Von Nicole Graner, Bogenhausen

Eine vierte Turnhalle, die dringend notwendig gewesen wäre, um den erhöhten Raumbedarf eines neunzügigen Gymnasiums abzudecken, wird es für das künftige neue Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Bogenhausen nicht geben. Das hat der Stadtrat in seinem Billigungsbeschluss am Mittwoch entschieden: Auch wenn, wie die Stadt einräumt, "rechnerisch eine vierte Halleneinheit erforderlich gewesen wäre". Durch die sensible Lage im Klimapark müsse die benötigte Fläche für die Schule "so gering wie möglich" gehalten werden, heißt es in der Stellungnahme.

Die Ausgangslage: Weil das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium, die mit 1340 Schülerinnen und Schülern größte Schule der Stadt, aus den Nähten platzt und das Gebäude marode ist, wird nach einer langen und schwierigen Standortsuche am nördlichen Salzsenderweg ein neues Gymnasium gebaut. Ein vier- bis fünfgeschossiger, heller Schulkomplex mit drei kleeblattartigen Bauteilen soll entstehen. Mit Dreifachturnhalle und einem Allwetterplatz auf dem Dach. Doch eines fehlte in der Planung von Anfang an: eine vierte Turnhalle, die den Anforderungen eines neunjährigen Gymnasiums (G 9) entspricht. Da das neue Gebäude im ökologisch wichtigen Klimapark an der Fideliostraße liegt, ist Platz jedoch absolute Mangelware, die Versiegelung von weiteren Flächen nur schwer nachzuvollziehen. Trotzdem hatte der Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen mit Nachdruck die Stadt aufgefordert, die Planung nachzujustieren, auch auf einer abgesteckten Fläche von 5,2 Hektar noch nach baulichen Möglichkeiten für eine dringend benötigte vierte Sporthalle zu suchen. Ein Ausweichen auf andere Sporthallen wie zum Beispiel in der Ruth-Drexel-Schule lehnten die Lokalpolitiker stets ab. Die Begründung: im Schulalltag nicht praktikabel.

Was haben nun Windräder mit dieser Turnhalle zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts. Aber sie sind der Ausdruck der Enttäuschung, die CSU-Fraktionssprecher Xaver Finkenzeller vom Bezirksausschuss Bogenhausen zum Billigungsentwurf der Stadt München folgendermaßen formuliert: "Das Argument der Stadt ist in etwa so wie bei der Diskussion um die Offshore-Windräder in der Nordsee, wo es am Ende darum ging, ob statt 7000 nur 6900 Windräder gebaut werden, um Flächen zu sparen!" Enttäuscht sei er von dieser Entscheidung. Auch BA-Vorsitzender Florian Ring (CSU) kann die Entscheidung der Stadt nicht verstehen. Mit den fehlenden Sportflächen sei es schwierig, den Anforderungen eines G 9 nachzukommen. "Mit diesem Defizit werden wir 50 Jahre leben müssen", sagt Ring und macht deutlich, wie wichtig eine Sporthalle gewesen wäre.

Der erhöhte Sporthallenbedarf für den Neubau des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums könne aber, so glaubt die Stadt, in der nahegelegenen Dreifach-Sporthalle an der Ruth-Drexel-Schule abgedeckt werden. Wie das Referat für Bildung und Sport auf Anfrage mitteilt, benötige die Grundschule für ihren Sportunterricht "rechnerisch eine Einfachsporthalle, sodass an diesem Standort Kapazitäten frei sind". Mit Blick auf die "absehbare Fertigstellung des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums" wolle das Referat außerdem "frühzeitig die verschiedenen Sportnutzungen der Dreifach-Sporthalle Ruth-Drexel-Straße koordinieren".

Auch die Grünen im BA hätten es sehr viel lieber gesehen, dass das neue Gymnasium "autark Sport betreiben kann". Fraktionssprecherin Petra Cockrell kommentiert die Entscheidung der Stadt mit zwei Wörtern: "absolut suboptimal". Und sie kritisiert, dass es schön gewesen wäre, wenn die Stadt die Brisanz des Themas vorher intensiv mit dem BA erläutert hätte. Dass die Stadt ein Gymnasium weiter plant, ohne auf die Anforderungen des G 9 einzugehen - der Freistaat hat die Rückkehr vom G 8 zum G 9 2017 beschlossen - nennt Florian Ring einen "Lapsus" - einen, den, so sehen es die Lokalpolitiker, das Viertel nun ausbaden dürfe. Denn viele Schüler müssten zum Sportunterricht pendeln, vom Salzsenderweg zur Ruth-Drexel-Straße. Die Qualität des Sportunterrichts, so hatte der BA immer argumentiert, leide darunter. Die Sportkapazitäten seien schon jetzt fast ausgeschöpft. "Alles ist einfach auf Kante genäht", sagt Petra Cockrell. Auch was in naher Zukunft letztlich die Kapazitäten an der Ruth-Drexel-Schule betreffe.

Eine gute Nachricht gibt es aber für den BA Bogenhausen. Im Billigungsbeschluss wird noch einmal schwarz auf weiß klargemacht, dass das alte (jetzige) Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium an der Elektrastraße saniert wird und der bisherige Standort "für eine weitere schulische Nutzung vorgesehen ist". Zuletzt hatte sich das Gremium Sorgen gemacht, dass diese Zusage der Stadt in Vergessenheit geraten könnte. Sie war aber eine Grundvoraussetzung für den BA, dem Standort im Klimapark am Salzsenderweg überhaupt zuzustimmen.

© SZ vom 09.10.2020

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