Nachruf auf Bob ArnoldSeine Kameras haben die Filmgeschichte verändert

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Bob Arnold stieg 1977 in die Arri-Geschäftsleitung auf, 2000 zog er sich zurück. Zwölf Jahre später verkaufte er seine Anteile an Arri. Das Foto stammt aus dem Jahr 2003.
Bob Arnold stieg 1977 in die Arri-Geschäftsleitung auf, 2000 zog er sich zurück. Zwölf Jahre später verkaufte er seine Anteile an Arri. Das Foto stammt aus dem Jahr 2003.
imago/Lackovic

Er war der Sohn von August Arnold, der 1917 mit Robert Richter die Firma Arri gegründet hat. Lange stand Bob Arnold selbst an der Spitze des Weltunternehmens aus München. Kurz vor seinem 82. Geburtstag ist der Technikpionier gestorben.

Von Philipp Bovermann

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Die Geschichte des Kinos ist, wie sollte es anders sein, auch die Geschichte der Geräte, auf denen es entsteht. Wobei das Wort Geräte es nicht recht trifft, bis tief ins 20. Jahrhundert wäre wohl eher von Maschinen zu sprechen, so groß, so laut und unhandlich waren Filmkameras. Einen wesentlichen Beitrag dafür, aus diesen Ungetümen etwas zu formen, womit Menschen einigermaßen frei arbeiten konnten, hatte die Münchner Firma Arri, gegründet 1917 in der Türkenstraße von August Arnold und Robert Richter.

Der Sohn von August Arnold, Robert, genannt Bob, stieg 1977 in die Geschäftsleitung auf, 2000 zog er sich zurück. Zwölf Jahre später verkaufte er seine 50-Prozent-Anteile an Arri. Wie nun bekannt wurde, ist er am Dienstag kurz vor seinem 82. Geburtstag gestorben.

Als Arnold in die Fußstapfen des Vaters trat, war Arri bereits auf dem Weg zu dem heimlichen Weltunternehmen, das es heute ist. Die beiden Gründer arbeiteten selbst als Kameraleute, dafür bauten sie ihr eigenes Equipment, sie machten Kameras handlicher, um heute längst vergessene „Isar-Western“ auf den Wiesen rund um München zu drehen. Künstliche Beleuchtung gab es nur eingeschränkt. Die Sonne über Bayern musste reichen. Arnold und Richter bauten aber auch Scheinwerfer, außerdem Kopiermaschinen für Filmmaterial. 1937 brachten sie die Arriflex 35 auf den Markt, die erste Spiegelreflex-Filmkamera, durch deren Sucher die Kameraleute ohne optische Verzerrungen sehen konnten, was sie gerade filmten – schwer vorstellbar, aber Filme entstanden davor nahezu im Blindflug.

Auffallend blind wirkte die Firma später auch bei der Frage, wie sich die Gründer während der NS-Zeit zum Regime stellten. Arnold soll 1933 an einen Minister der Bayerischen Staatsregierung geschrieben haben, dass Arri sich „als erste Filmfirma Deutschlands […] restlos hinter den Führer gestellt“ habe.

Ab 1952 verkaufte Arri 16-Millimeter-Kameras, die zu Standardgeräten für TV-Produktionen wurden. Bei den 35-Millimeter-Kameras blieb Arri High End. Als ab den Sechzigerjahren der Autorenfilm aufkam, hatte das auch damit zu tun, dass Filme herzustellen einfacher wurde, das Medium emanzipierte sich von seinen zuvor notwendigerweise industriellen Herstellungsprozessen. Filmkameras wurden so leicht, dass man sie sich auf die Schulter laden und einfach loslegen konnte. Als besonders handlich und zudem unverwüstlich galt die Arriflex. Stanley Kubrick etwa drehte dynamische Einstellungen mit ihr, die Kamera war dabei in der Wüste von New Mexico bei „Easy Rider“, im Dschungel bei „Apocalypse Now“ und „Fitzcarraldo“, 1989 und 1990 war sie sogar bei zwei NASA-Missionen mit im Weltraum.

Die Zeit der Geschäftsführung von Bob Arnold war geprägt durch die internationale Expansion des Unternehmens. 1977, im Jahr seines Aufstiegs in die Geschäftsleitung, wird die Arriflex Corporation in den USA gegründet. 1982 öffnet Arri in London eine Dependance, 1985 eine in Italien, im Jahr darauf eine in Wien, 1994 baut Arri ein Werk in Kanada auf. Es ging dabei nicht mehr nur um den Bau von Kameras. Arri verlieh unter anderem auch Filmequipment und verkaufte Lichttechnik. Für die technischen Innovationen des Unternehmens erhielten seine Ingenieure immer wieder die höchste Auszeichnung der Branche, den Technik-Oscar. Die bislang letzte Statuette kam erst vor wenigen Wochen im April hinzu, für ein Kamerastabilisationssystem, sie steht neben 19 weiteren in der Unternehmenszentrale in Parkstadt Schwabing.

Bob Arnold erlebte das gerade noch mit, er war da aber schon schwer krank und hatte sich durch den Verkauf der Anteile auch von Arri gelöst. Der tz zufolge pflegte ihn seine Tochter Laura in Bogenhausen. Der Kamerapionier wäre am Montag 82 geworden.

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