BND-Zentrale in Pullach Jetzt spitzeln wir mal

Was essen Agenten zum Frühstück? Welche Zeitungen liest der Geheimdienstchef? Eigentlich ist das Gelände der BND-Zentrale in Pullach streng geheim. Doch bevor der Bundesnachrichtendienst nach Berlin umzieht, erlaubt er doch noch einen exklusiven Einblick - und offenbart überraschende Gegensätze.

Von Frederik Obermaier und und Tanjev Schultz

Waldhaus: Das klingt nach einem romantischen Ort, nach Ruhe und Frieden und dem Duft der Natur. Doch das "Waldhaus" ist eine muffige Holzbaracke des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Pullach. Früher saßen junge Geheimdienstler hier in den alten Hörsaalsitzen und wurden geschult. Es war eine Einführung in Feindbilder, West gegen Ost, BND gegen KGB, Gut gegen Böse. Die Russen sind in der Welt der Spionage noch immer keine Freunde, aber heute kämpft Deutschlands Auslandsgeheimdienst vor allem gegen Terroristen und Wirtschaftsspione.

Und immer wieder kämpft er auch um seinen Ruf. Seitdem Edward Snowden die Abhörexzesse der Amerikaner öffentlich gemacht hat, fragen sich die Deutschen: Was wusste eigentlich unser BND? Dass Dienste kooperieren, ist kein Geheimnis. Wo und wie, schon.

Der BND verrät nur ungern etwas über seine Arbeit. Transparenz ist von den professionellen Geheimniskrämern nicht zu erwarten. Nur äußerst selten dürfen Journalisten das Hauptquartier besichtigen; doch da der Dienst ohnehin bald nach Berlin umzieht, ist ausnahmsweise eine Tour möglich. Einige Räume bleiben allerdings verschlossen: In einem großen Quader steckt ein neues Rechenzentrum. Die futuristische Fassade im Wabenmuster passt zur Hochtechnologie im Inneren. Systematisch scannt der BND hier internationale Datenströme. Die Tricks der Technik behält er für sich. Sogar Fotos von außen sind tabu. Doch auch das, was nicht ganz so geheim ist, lässt tief blicken.

Fotos aus der BND-Zentrale

"Hallo, hier Pullach"

Zu bestaunen ist vor allem das Museale und Morbide, das sich auf dem 68 Hektar großen Gelände angesammelt hat, das einst die Nazis als Siedlung für ihre Parteikader anlegten. Da ist zum Beispiel der Präsidenten-Bungalow, in dem BND-Chef Gerhard Schindler übernachten kann, wenn er mal nicht in Berlin, sondern in Pullach arbeitet. Allzu geräumig ist der Bungalow nicht, Stühle und Sofas in biederem Beige verstellen den Platz. Immerhin gibt es einen Kamin und einen Fernseher - ein Röhrenmodell. An der Wand hängen alte Schinken: Bismarck und Friedrich II., zwei vordemokratische Preußen mitten in Bayern.

Neben einer Tür ist ordnungsgemäß ein Schild angebracht, wie man es aus Amtsfluren kennt. Darauf steht: "Küche". Vielleicht wär' man selbst darauf gekommen in Anbetracht des Herdes (sechs Platten), eines Eierkochers und einer Kiste Weißbier. An einer Wand hängt das Menü vom "Wienerwald", der offenbar bis nach Pullach liefert.