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BMW-Welt:Plexiglas für Strietzel

Durchsichtige Trophäe: Leopold Prinz von Bayern sowie die Rennfahrer Markus Wasmeier (Ski) und Hans-Joachim "Strietzel" Stuck (Auto).

(Foto: Robert Haas)

Bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises wird der Rennfahrer Hans-Joachim Stuck für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Ach, das Glück! Es offenbart sich in diesen Sommertagen auf so mannigfaltige Weise: Beim Prosit der Gemütlichkeit im Biergarten, beim Baden in der Isar oder auf dem heimischen Balkon, wenn man den letzten Sonnenstrahlen hinterherblinzelt. Das Glück begegnet einem auch in der BMW-Welt, wo am Samstagabend der Bayerische Sportpreis verliehen wird. Dort sieht man schon im Vorfeld viele glückliche Gesichter, schließlich wurden alle Preisträger vorab informiert. Das macht die Sache für sie entspannter, für die Zuschauer leider langweiliger. "Es ist hier sommerlich-still gechillt", dämpft Moderator Markus Othmer die Erwartungen.

Da sitzen die Gäste schon mit hochroten Köpfen und weißblauen Fächern in der Hand da. Zumindest farblich harmonieren sie mit den ersten Preisträgern des Abends: Die Herren- und Frauenfußballmannschaften des FC Bayern bekommen den Sonderpreis der Jury, auf der Bühne geht's dann aber erstmal um Bastian Schweinsteiger. "Wir konnten ihm diesen Wunsch nicht verwehren", rechtfertigt Karl-Heinz Rummenigge den Wechsel seines Stars zu Manchester United. Holger Badstuber und Dante nicken verständnisvoll, für die Damen interessiert sich in diesem Moment niemand. Als sie drankommen, geht es um eher vordergründige Themen: "Geiler Name", attestiert Othmer der Abwehrspielerin Gina Lewandowski, während Rummenigge die Meisterfeier im Münchner Rathaus kommentiert: "Die Frauen haben den Balkon verschönert. Die Männer haben das getan, was man von ihnen erwartet." Weniger chauvinistisch gerät die Ehrung für die Triathletin Sophia Saller: Die 21-Jährige wird als "herausragende Nachwuchssportlerin" ausgezeichnet, nebenbei studiert sie Mathematik in Oxford. "Ich setze mich nach dem Training lieber hin und lerne Mathe als in der Stadt zu shoppen", sagt sie. Das verschafft ihr bei den versammelten Männerbünden Respekt. Eine Respektsperson ist auch Rennfahrer Hans-Joachim Stuck, der die Plexiglastrophäe für sein sportliches Lebenswerk aus den Händen von Leopold Prinz von Bayern erhält.

Eine bekennende Nichtsportlerin übergibt dagegen den Preis für eine "Herausragende Präsentation des Sports": Iris Berben hält die Laudatio auf den Regisseur Hans Steinbichler, der mit "Landauer - Der Präsident" dem früheren Vereinspräsidenten des FC Bayern ein filmisches Denkmal gesetzt hat. "Dieser Film war überfällig", sagt Berben nach der Verleihung. Steinbichler dreht gerade einen Film über Anne Frank, er ist der einzige Preisträger, der nicht persönlich anwesend ist. Damit befindet er sich aber in bester Gesellschaft: Auch die "Persönlichen Preise des Bayerischen Ministerpräsidenten" müssen ohne eben jenen auskommen, Horst Seehofer lässt sich vertreten durch Joachim Herrmann. Dieser ehrt den Skispringer Severin Freund und den FC Ingolstadt. Die Fußballer sehen in ihren über den Lederhosen getragenen Karohemden aus, als ob es gleich noch zu einer Hüttengaudi gingen, das heimliche Motto des Abends erfüllen aber auch sie. "Es ist ein Glück, in Bayern zu leben", verkündet ein Plakat im Foyer, der Name darunter duldet keine Widerworte: Horst Seehofer.