BMW-Werk:Das erste Elektroauto Münchens ist da

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Die Stunde null ist endlich da: Das erste vollelektrische Auto, das BMW an seinem Stammsitz in München baut, ist am 22. Oktober vom Band gelaufen.

(Foto: www.guenterschmied.com)

Mit dem neuen Modell i4 beginnt der Umbau des Münchner BMW-Standortes. Künftig werden hier nur noch vollelektrische Wagen gebaut.

Von Andreas Schubert

Da stehen sie nun vor der versammelten Presse und strahlen um die Wette: Milan Nedeljković, Produktionsvorstand des Autobauers BMW und Peter Weber, Leiter des Münchner BMW-Werks. Es ist ein wichtiger Tag in der Geschichte der beinahe 100 Jahre alten Produktionsstätte. Im Eingangsbereich der Werkhalle, in der die Pressekonferenz stattfindet, hatte sein Monaten ein Countdown in leuchtend roten Ziffern auf diesen Termin am Nachmittag des 22. Oktober hingewiesen. Jetzt ist er abgelaufen. Die Stunde null, auf die sie hier in Milbertshofen so lange gewartet haben, ist endlich da: Das erste vollelektrische Auto, das BMW an seinem Stammsitz in München baut, ist in der Spätschicht vom Band gelaufen. Der i4, ein mindestens 58300 Euro teures "Gran Coupé, also ein 340 bis 544 PS starkes Sportvehikel mit vier Türen, soll der Anfang einer vollständigen Transformation des Werkes sein.

Nedeljković und Weber tragen beide blaue BMW-Jacken, wie sie auch die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Fertigung tragen, überm weißen Hemd und haben sich vor einer Glasscheibe postiert, hinter der ein Auto nach dem anderen langsam am Band vorbeiläuft. Es sind verschiedene Modelle, die bald bei ihren Abnehmern stehen werden. Mitarbeiter ziehen letzte Schrauben an, öffnen Kofferräume und Türen für einen letzten Kontrollblick. Kurz bevor ein Wagen endgültig vom Band rollt - ab der Glasscheibe sind es noch 15 Meter - gibt es noch vereinzelte Handgriffe zu tun. Aber die Karosserien der Autos sind schon vorzeigbar hochglanzpoliert - ein bisschen Show muss schon sein, wenn man der Welt etwas vorstellen will, auf dem große Zukunftshoffnungen liegen.

Es sind die Zeichen der Zeit: Die Tage von Verbrennungsmotoren sind in München gezählt, der Motorenbau wird bis 2024 an die Standorte Hams Hall in England und Steyr in Österreich verlegt. Von 2023 an soll jeder zweite BMW aus München einen Elektroantrieb haben. Und der i4, dessen Karosserie nahezu identisch mit dem konventionell angetriebenen 4er-Modell ist, soll laut Nedeljković der "Wegbereiter" für die künftige Generation an Elektroautos aus München sein, die "neue Klasse", wie sie bei BMW sagen.

BMW-Werk: 200 Millionen Euro hat BMW investiert, um die Produktion der Elektroautos in der Enge des Milbertshofener Standorts möglich zu machen.

200 Millionen Euro hat BMW investiert, um die Produktion der Elektroautos in der Enge des Milbertshofener Standorts möglich zu machen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der neue Stromer aus dem Stammwerk wird gemeinsam mit der 3er Limousine und dem 3er Touring, die es mit Verbrennungsmotoren und Hybridantrieb gibt, sowie dem M3 auf derselben Linie gefertigt. 200 Millionen Euro hat das Unternehmen investiert, um die Produktion entsprechend anzupassen. In der Enge des Milbertshofener Standorts wurden bei weiterlaufender Produktion existierende Anlagen entfernt, neue Anlagen installiert, und bestehende Anlagen umgebaut. Nun kann der Autobauer 90 Prozent der bestehenden Produktionsanlagen auch für den i4 nutzen. Lediglich für die Fertigung der Bodengruppe und des Hinterbaus mussten einzelne zusätzliche Anlagen eingebaut werden. "Hochkomplex" habe sich dabei die Integration der Montage der Hochvoltbatterie gestaltet, lässt das Unternehmen wissen. In der Fahrzeugfertigung, insbesondere im Karosseriebau und der Fahrzeugmontage, wurden alle Mitarbeiter in den Arbeitsinhalten für den i4 geschult. Im Umgang mit den sogenannten Hochvoltbatterien wurden bisher rund 3500 Mitarbeiter in "Blitzschulungen" weitergebildet.

Wenn dann künftig die Produktion von Verbrennungsmotoren am Standort komplett eingestellt wird, sollen etwa 1400 Mitarbeiter für andere Bereiche ausgebildet sein, manche wechseln freiwillig ins Werk nach Dingolfing, wo auch weiterhin Verbrenner produziert werden. Einen Personalabbau gebe es aber nicht, versichert Nedeljković. Überhaupt will BMW an anderen Standorten an der Produktion von Diesel- und Benzinmotoren festhalten. Einen bestimmten Zeitpunkt, zu dem sich das Unternehmen vollständig von Verbrennern verabschiedet, nennt der Vorstand nicht.

BMW-Werk: Der neue i4 könne als "Wegbereiter" für die künftige Generation an Elektroautos aus München gelten.

Der neue i4 könne als "Wegbereiter" für die künftige Generation an Elektroautos aus München gelten.

(Foto: Stephan Rumpf)

In den nächsten Jahren will BMW weitere 400 Millionen in die Fertigung von Elektroautos in München investieren. Peter Weber hat die Werkleitung erst im September übernommen. Unter seiner Ägide lief in Oxford die Produktion des elektrischen Mini an, jetzt freue er sich auf die Transformation des Münchner Werkes, bei der auch die Digitalisierung in den Abläufen eine noch bedeutendere Rolle spielen wird.

Dabei hat BMW noch größere Pläne. Das Unternehmen will den Münchner Standort für die Bevölkerung öffnen und hat deshalb einen Architekturwettbewerb gestartet. Weber schwebt so etwas wie ein Campus vor, ähnlich der gläsernen Manufaktur des Konkurrenten Volkswagen in Dresden. Freilich werden die Hallen auch weiterhin nicht öffentlich zugänglich sein. Sich aber ganz mit hohen Zäunen von den Nachbarn abzuschotten, soll bald der Vergangenheit angehören.

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