Schwarzarbeit Zoll und Polizei kontrollierten Hunderte Arbeiter auf BMW-Baustelle

Auf dem 22 Fußballfelder großen Gelände entstehen derzeit zahlreiche neue Gebäude für das FIZ.

(Foto: Thomas Anlauf)
  • Bei einem Großeinsatz haben am Dienstagmorgen Zollfahnder unterstützt von einem starkem Polizeiaufgebot Hunderte Arbeiter auf der Baustelle des BMW-Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) im Münchner Norden kontrolliert.
  • Nach SZ-Informationen arbeiteten in den vergangenen Monaten zudem mehr als ein Dutzend Männer auf zwei verschiedenen Baustellen auf dem BMW-Gelände, die von einer Firma monatelang keinen Lohn erhalten haben sollen.
  • Die Fahnder werten den Einsatz als vollen Erfolg. Gegen 22 Arbeiter wird nun nach Angaben des Hauptzollamts Rosenheim wegen illegalen Aufenthalts ermittelt.
Von Thomas Anlauf

Bei einem Großeinsatz haben am Dienstagmorgen Zollfahnder unterstützt von einem starkem Polizeiaufgebot Hunderte Arbeiter auf der Baustelle des BMW-Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ) im Münchner Norden kontrolliert. Die Beamten überprüften von 5.30 Uhr an die Arbeitspapiere von etwa 400 Bauarbeitern. Bei der fünfstündigen Kontrolle auf dem BMW-Gelände entdeckten die Fahnder 22 illegal Beschäftigte, wie eine Sprecherin des Hauptzollamts Rosenheim mitteilte. Nach SZ-Informationen arbeiteten in den vergangenen Monaten zudem mehr als ein Dutzend Männer auf zwei verschiedenen Baustellen auf dem BMW-Gelände, die von einer Firma monatelang keinen Lohn erhalten haben sollen.

Die Hauptzufahrt zur Großbaustelle an der Schleißheimer Straße wurde noch vor Schichtbeginn am Dienstag von Polizisten gesichert, jeder wurde kontrolliert. Am Eingang bildeten sich in der Dunkelheit Schlangen von ankommenden Arbeitern, die einzeln ihre Papiere vorlegen mussten. Unterdessen durchkämmten Polizisten das weitläufige und unübersichtliche Gelände nach möglichen flüchtigen Schwarzarbeitern. Auch über andere offene Seiteneingänge betraten Arbeiter das 22 Fußballfelder große Baustellenareal.

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Die Fahnder werten den Einsatz als Erfolg. Gegen 22 Arbeiter wird nun nach Angaben des Hauptzollamts Rosenheim wegen illegalen Aufenthalts und gefälschter Pässe ermittelt, insgesamt wurden mehr als 300 ausländische und knapp 100 deutsche Arbeiter auf der Baustelle kontrolliert. Jeder fünfzehnte ausländische Arbeiter hätte demnach überhaupt nicht beschäftigt werden dürfen. Sie werden wohl zum Teil dem Haftrichter vorgeführt und müssen eventuell Sicherheitsleistungen hinterlegen, sagte Hauptzollamtssprecherin Patrizia Kaiser. Zwar war der Einsatz an der Schleißheimer Straße gegen 10.30 Uhr offiziell beendet. Doch die Arbeit der Ermittler geht weiter. Die betroffenen Arbeiter "werden sicherlich nach ihren Stundenlöhnen gefragt", so Kaiser.

Auf der Großbaustelle des FIZ waren am Dienstagfrüh mehr als einhundert Beamte im Einsatz. Neben Zollfahndern aus Rosenheim und München leistete das Münchner Polizeipräsidium Amtshilfe mit 80 Einsatzkräften: Dokumentenprüfern, zwei Zügen einer Einsatzhundertschaft mit 60 Polizisten sowie Kriminalbeamten des Dezernats K66, das für ausländerrechtliche Delikte zuständig ist. Diese kontrollierten vor allem die Pässe der Arbeiter, um zu sehen, ob diese gefälscht sind. Der Einsatz auf dem FIZ-Gelände von BMW "wird wohl nicht der letzte gewesen sein", sagt Kaiser. Schließlich wisse man, dass dort viele Arbeiter und viele ausländische Arbeiter beschäftigt seien. Bereits im vergangenen Jahr hatten Münchner Fahnder einen Einsatz auf dem Gelände. Auch damals hatten nach SZ-Informationen Arbeiter gefälschte Ausweise bei sich. Kontrollen dieser Art dienten auch dem Schutz der regulär beschäftigten Bauarbeiter, so Kaiser.

Dass auf Großbaustellen immer wieder illegal Beschäftigte entdeckt werden, ist für die Fahnder fast schon Routine. Der Deutsche Gewerkschaftsbund betreut jedoch seit einem Monat 16 Maler aus Rumänien, die um ihren Lohn geprellt worden sind und die offenbar auch auf zwei BMW-Baustellen im Münchner Norden gearbeitet hatten. "Sie haben im November und Dezember keinen Lohn bekommen, nur Taschengeld fürs Essen", sagt Sevghin Mayr, die bei der Beratungsstelle Faire Mobilität beim DGB in München arbeitet. Die Männer seien von einer deutschen Firma vor allem über soziale Medien in ihrer Heimat angeheuert worden und lebten in einem von dem Unternehmen zur Verfügung gestellten Haus bei Freising. Für ihren Schlafplatz zahlten sie laut Mayr 200 Euro monatlich, doch für ihre Arbeit hatten sie laut der Beraterin zuletzt kein Geld mehr erhalten. Die Männer, die nun über den DGB von einem Anwalt vertreten werden, haben Lohnforderungen von etwa 100 000 Euro.

Bei BMW begrüßt man die Polizeieinsätze auf den Baustellen. "Das ist ja gut so, dass Kontrollen stattfinden", sagt Andreas Metzner, Sprecher des FIZ-Verbunds der BMW Group. Schließlich beauftrage BMW nur die Baufirmen, das Unternehmen baue nicht selbst an dem riesigen Forschungszentrum.

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