Bluttat in München Wie eine Hinrichtung

Opfer und Täter hatten ein Verhältnis, Todesschütze Servat S. wollte das Ende der Beziehung nicht akzeptieren.

Von Susi Wimmer

Das fünfjährige Mädchen, das bei der Bluttat Montagfrüh im Westend einen Brustdurchschuss erlitten hat, befindet sich auf dem Weg der Besserung. Zwischenzeitlich fand die Polizei heraus, dass das Opfer, eine 24-jährige Türkin, ein jahrelanges Verhältnis mit dem späteren Täter, dem 45-jährigen Onkel ihres Ehemanns, gehabt hatte. Weil die 24-Jährige nichts mehr von ihm wissen wollte, lauerte er ihr auf der Straße auf, richtete sie regelrecht hin, schoss auf das Kind und tötete sich selbst.

Sechs Schuss waren in dem Revolver, den der 45-jährige Servet S. am Montag um kurz vor acht auf Emine S. richtete. Nach Angaben der Polizei drehte sich die 24-Jährige ab, wohl um zu flüchten, da traf sie die erste Kugel in den Rücken, die zweite ebenso, dann sackte sie auf dem Gehsteig zusammen. Als sie auf dem Rücken lag, beugte sich der 45-Jährige über sie und schoss ihr eine dritte Kugel in den Kopf - "wie bei einer Hinrichtung", sagt Polizeisprecher Peter Reichl. "Die vierte Kugel durchdrang den Brustkorb des Kindes, als er ein zweites Mal auf das Mädchen zielte, schoss er wohl daneben", so Reichl. Am Ende setzte er sich selbst den Revolver an den Kopf.

Emine S. starb noch an der Straßenecke, Servet S. erlag etwa eine Stunde später im Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzungen. Die fünfjährige Tochter von Emine S. überlebte schwer verletzt. Sie wurde notoperiert und befand sich am gestrigen Mittwoch noch auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Laut Polizei hat Emine S. Verwandte in München, die sich um das Kind kümmern können. Außerdem gebe es noch den Vater des Mädchens in Wuppertal.

Am Tag nach dem Drama hat die Polizei die Familienverhältnisse von Opfer und Täter durchleuchtet und dabei einiges Neues herausgefunden: Emine S. war 2001 bis 2005 mit einem heute 27-jährigen türkischen Landsmann verheiratet. Bereits während dieser Zeit unterhielt sie ein Verhältnis mit dem Onkel ihres Ehemanns - also mit dem Mann, der am Dienstag mitten auf der belebten Schwanthalerstraße die tödlichen Schüsse auf sie abfeuerte. Als ihr Mann hinter die Beziehung mit dem Onkel kam, reichte er die Scheidung ein. Drei Monate später trennte sich Emine S. dann aber auch von Servat S.

Das konnte der offenbar nicht akzeptieren. Er stellte Emine S. nach, sie zog schließlich Anfang 2007 nach München. Hier lernte sie einen neuen Mann kennen, wollte erneut heiraten. Das hatte Servat S. erfahren. Aus Eifersucht und wohl auch aus verletztem Stolz beschaffte er sich eine Waffe, fuhr nach München und brachte Emine S. um. Ob das Mädchen eventuell die Tochter von Servat S. ist, bleibt ungeklärt. Die Polizei jedenfalls wird, anders als zunächst angekündigt, keinen Vaterschaftstest veranlassen. Dies sei für die Ermittlungen nicht mehr relevant - und ist somit eine Privatangelegenheit der Familie.