Bluttat in München Arbeitsloser verkaufte Pistole an Münchner Amokläufer

  • Der 31-Jährige aus Marburg soll mit Waffenverkäufen seinen Lebensunterhalt verdient haben.
  • Von Amokläufer David S. verlangte er 4350 Euro für eine Pistole und Hunderte Schuss Munition.
  • Die Freundin des Verdächtigen ist wieder auf freiem Fuß.
Von Susanne Höll, Frankfurt

Der Amokläufer von München soll insgesamt 4350 Euro bezahlt haben, um an die Waffe und die Munition zu kommen, mit der er im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und sich selbst getötet hat. Das haben die Ermittlungen gegen den 31-Jährigen mutmaßlichen Waffenhändler ergeben, der am Dienstag in Marburg festgenommen wurde. Der 18-jährige David S. hatte demnach vor seinem Amoklauf am 22. Juli offenbar gezielt nach einer Pistole des Herstellers Glock gesucht. Im Darknet soll er dann auf den 31-Jährigen gestoßen sein.

Wie Alexander Badle, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Hessen, berichtete, handelt es sich bei dem Mann, den Zollfahnder mit einem Scheinkauf überlistet haben, um einen arbeitslosen Verkäufer. Er habe sich durch den Verkauf illegaler Waffen offenbar seinen Lebensunterhalt verdient, sagte Badle. Bei der Festnahme habe der 31-Jährige auch selbst eine Waffe getragen, jedoch keinen Widerstand geleistet. Die Schrecksekunde des Tatverdächtigen sei länger gewesen als der Zugriff, sagte Badle. Einen Waffenschein besitze der Mann nicht. Gegen ihn wurde ein Haftbefehl erlassen.

David S. soll nach Angaben des mutmaßlichen Waffenhändlers zwei Mal nach Marburg gefahren sein, berichtete Badle. Am 20. Mai habe S. für 4000 Euro die Glock mit Munition gekauft, und am 18. Juli weitere 350 Schuss Munition zum Preis von 350 Euro.

Polizei fasst mutmaßlichen Waffenhändler des Münchner Amokläufers

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Woher die Waffen stammen, die der 31-Jährige verkauft haben soll, ist nach Auskunft der Behörden noch unklar. Das Zollfahndungsamt Frankfurt und die Staatanwaltschaft informierten am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz über den Stand der Ermittlungen. Der Leitende Generalstaatsanwalt Günter Wittig sagte, der illegale Handel mit scharfen Waffen verlagere sich zunehmend ins Internet. Die Täter glaubten, dort anonym tätig sein zu können. "Der Erfolg am heutigen Tag zeigt jedoch, dass es nicht so ist", so Wittig.

Ermittler stießen in Köln auf weitere Waffen aus dem Besitz des 31-Jährigen: eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen sowie Munition. Die Gegenstände befanden sich den Angaben zufolge in einer Kiste, die auf einer Verkehrsinsel vergraben war. Der 31-Jährige hatte den Fundort in einer ersten Vernehmung genannt.

Die am Dienstag ebenfalls festgenommene 31-jährige Lebensgefährtin des Verdächtigen wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Freundin habe bei dem fingierten Waffengeschäft als Botin fungiert, am vereinbarten Treffpunkt einen Gitarrenkoffer mit Waffen abgestellt und dafür einen leeren Gitarrenkoffer mitgenommen. Es habe aber keine Hinweise gegeben, dass sie in das vom Zollfahndungsamt fingierte Waffengeschäft verwickelt war, sagte Justizsprecher Badle.

Das Zollfahndungsamt Frankfurt hat nach eigenen Angaben seit Ende 2014 insgesamt mehr als 30 Waffengeschäfte im sogenannten Darknet enthüllt, einem Bereich des Internets, den man nur mit speziellem Browser erreicht. Es seien 29 Beschuldigte identifiziert worden, sieben davon seien in Untersuchungshaft genommen worden. Wie Behördenchef Markus Tönsgerlemann sagte, wurden bei den 33 Ermittlungsverfahren 19 Pistolen, zehn Revolver, fünf Gewehre und zwei Maschinenpistolen sichergestellt. Zudem hätten die Fahnder 3378 Schuss Munition gefunden.

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