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Blick aus Tel Aviv:Wo die Flügel wachsen

Für junge Unternehmer ist die Förderung in Israel paradiesisch

Von Peter Münch

Jung müsste man sein, eine Idee müsste man haben, und natürlich sollte man in Tel Aviv leben. Denn dann ist der Weg zur ersten Million nicht weit, und obendrein kann er mit Blick aufs blau funkelnde Meer beschritten werden. So ungefähr jedenfalls planen das all jene, die im siebten Stock des "Shalom Tower" bei grandioser Aussicht ihre Köpfe zusammenstecken, auf die Bildschirme schauen und in die Tastaturen hacken. Junge Unternehmer sind sie allesamt, die hier in einem schicken Co-Working-Space zusammensitzen und ihre Ideen ausbrüten. Praktisch mietfrei, von der Stadt gefördert.

Tel Aviv rühmt sich gern als Startup-City, und wie in vielem anderen auch - in der Kneipen- und Cafedichte per Einwohner zum Beispiel - sieht man sich in der israelischen Mittelmeer-Metropole auch beim innovativen Arbeiten weltweit an der Spitze. Ein paar Zahlen dazu von Mira Marcus, der Sprecherin der Stadtverwaltung: "Es gibt bei uns 1450 Startup-Unternehmen", erklärt sie, "das sind 28 pro Quadratkilometer, es ist ein Startup pro 290 Einwohner." Das bedeutet: "Weltrekord!" Zumindest im Vergleich mit Europa ganz vorn ist Tel Aviv auch bei der Zahl der Co-Working-Orte: 84 gibt es hier bei 420 000 Einwohnern, das weit größere London zum Beispiel verzeichnet nur 65 und Berlin lediglich 24 solcher Bürogemeinschaften.

Die Stadtverwaltung hat das schon früh gefördert. Seit fast fünf Jahren schon gibt es die sogenannte Library im Shalom Tower, untergebracht in einer früheren Kinderbibliothek. 2014 kam ein städtischer Co-Working-Platz namens "Zukunft 7" für fortgeschrittene Startups dazu, 2015 ein Platz nur für weibliche Jungunternehmer. Alle sechs Monate werden jeweils zehn bis 15 Startups ausgewählt, für eine symbolische Monatsmiete von umgerechnet knapp 70 Euro. Drei Kriterien müssen sie dabei erfüllen: Sie brauchen eine Idee und einen Businessplan, dürfen nicht mehr als vier Leute sein und müssen alle in Vollzeit am Projekt arbeiten.

"Nach Ablauf von sechs Monaten", sagt Mira Marcus, "müssen sie ihre Flügel ausbreiten und fliegen". Gewiss wachsen die Flügel nicht jedem in dieser Zeit, Bruchlandungen gibt es auch. Aber manchen sind schon schöne Erfolge gelungen. Die haben dann Büros aufgemacht auf dem benachbarten Rothschild Boulevard, der teuersten Meile Israels, oder in Berlin, New York und im Silicon Valley. Und für Zweifler steht das mediterrane Erfolgsmotto auf der Wand der Lounge, die in keinem Startup fehlen darf: "Wenn das Leben dir nur Zitronen beschert", heißt es da, "dann mach halt Limonade daraus."

© SZ vom 18.11.2016
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