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Biostadt München:Bewusstsein am Standl

Johanna Koch, Simon Steiner und Boris Lebedev von "rehab republic" setzen sich am neuen Biostadt-Standl für Einkäufe ohne Verpackung ein.

(Foto: Robert Haas)

Die Stadt wirbt auf dem Viktualienmarkt für biologische Lebensmittel aus der Region

So also sieht also ein "House of Food" aus: wie ein Standl auf dem Viktualienmarkt vor der Generalsanierung. Die Stadtrats-Grünen hatten ein "House of Food" nach Kopenhagener Vorbild beantragt. Es sollte wie in Dänemark Ernährungsberatung im großen Stil und beständig betreiben und auch Großküchen aller Art betreuen. In Kopenhagen ist das eine Erfolgsgeschichte, die Einrichtung ist mittlerweile seit 13 Jahren aktiv und landesweit tätig.

In München ist die Sache, nun ja: deutlich kleiner ausgefallen. Schon im November, als der Antrag im Stadtrat behandelt worden war, hatte Umwelt- und Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs auf die vielfältigen anderen Aktivitäten der Stadt in diesem Bereich verwiesen, die schon allerlei abdeckten, und statt eines "House of Food" ein Versuchsobjekt ins Spiel gebracht, ebenfalls in modischem Englisch als "Pop-up Store" tituliert.

Am Dienstag nun wurde dieser Pop-up Store in Sachen Ernährung der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich um eine Zwischennutzung, die auf drei Monate begrenzt ist. Danach wird das Standl rundum renoviert, übergangsweise wurde es "pinselsaniert", wie von der Behörde verlautet, also drinnen frisch gestrichen.

Wäre man ein bisschen boshaft, dann könnte man in diesem Fall also von einer "Hundehütte of Food" sprechen. Aber Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU), der zur Eröffnung gekommen war, stellte natürlich viel lieber das Positive heraus (Gesundheits- und Umweltreferentin Jacobs war wegen des tagenden Corona-Krisenstabs verhindert). Denn das Biostadt-Standl ermöglicht es nicht nur städtischen Einrichtungen, sich und ihre Aktivitäten mitten im Herzen der Stadt zu präsentieren, sondern auch zahlreichen Initiativen, die sich mit biologisch erzeugten Lebensmitteln beschäftigen. "Essen bio und regional ist in aller Munde", so Pretzl, "das Bewusstsein dafür ist sehr, sehr stark gewachsen." Die Stadt trage dem Rechnung, so mache der Bio-Anteil bei der Verpflegung in den städtischen Kindertagesstätten mittlerweile 50 Prozent aus, und von den zehn städtischen Gütern arbeiteten acht bereits ökologisch. Im Standl auf dem Markt könne man sich nun drei Monate lang "über alles informieren, was biologisch, regional und fair erzeugt möglich ist".

Der "Pop-up-Store-Manager" Jens Gerhardt, eigentlich Abteilungsleiter im städtischen Referat für Gesundheit und Umwelt, zeigte sich sehr erfreut, wie das Angebot von den Initiativen angenommen wird: "Wir haben ein sehr umfangreiches Programm, beinahe jeden Tag gibt es ein anderes Angebot." Man könne es auf der städtischen Homepage unter der Adresse www.muenchen.de/biostadt abrufen oder auf Instagram unter biostadt.muenchen.

Am Eröffnungstag waren bereits die Müllvermeider von "rehab.republic" im Standl gegenüber dem Liesl-Karlstadt-Brunnen am Viktualienmarkt-Biergarten da (noch einmal am Freitag, 14 bis 18 Uhr). Am Mittwoch, 11 bis 16 Uhr, kann man sich von Ernährungsberaterin Tina Mannhardt Tipps holen. Ansonsten ist im Biostadt-Standl jede Menge Infomaterial zu den vielfältigsten Öko-Themen erhältlich, bis hin zu einer Broschüre mit dem Titel "Wanzen in München". Hat aber wohl nichts mit Ernährung zu tun.

© SZ vom 11.03.2020

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