Biopic:Licht und Schatten

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In "Edison" wollen Benedict Cumberbatch und Michael Shannon Amerika elektrifizieren. Der Film wurde bereits 2017 gedreht - warum kommt er jetzt erst ins Kino?

Von Josef Grübl

Es werde Licht: Mit der Erfindung der Glühbirne durch Thomas Alva Edison (Benedict Cumberbatch, rechts) beginnt der Siegeszug der Elektrizität. (Foto: Leonine)

Kindermund tut Wahrheit kund, Corona-gestresste Eltern können ein Lied davon singen. Die lieben Kleinen sprengen Verhandlungen oder Videokonferenzen, doch das ist keine Erfindung des Home-Office-Zeitalters. So etwas in der Art gab es auch schon im 19. Jahrhundert, zumindest im US-Biopic Edison - Ein Leben voller Licht: Da nimmt der titelgebende Erfinder Thomas Alva Edison (Benedict Cumberbatch) seinen Sohn mit zu einem Geschäftsessen. Doch statt still zu sitzen, schlägt der Kleine mit einem Löffel gegen Porzellan. Der Vater lässt ihn gewähren und hofft, dass er nicht noch den Mund aufmacht. Denn Edison Junior gibt Morsezeichen von sich. "Er hat eine Nase wie eine Kirsche", löffelt er gegen den Teller: klopf, klonk, klonk, schepper, schepper. Sein Vater versteht das, er brachte ihm das Morsen ja bei. Er hat ihm auch vom Riesenzinken des Gesprächspartners erzählt. Stellt sich nur noch die Frage, ob dieser das versteht.

In Alfonso Gomez-Rejons Film geht es aber nicht nur um Kirschen, Nasen oder Klopfer. Der Regisseur, der vor fünf Jahren mit der Tragikomödie Ich und Earl und das Mädchen begeisterte, hat sich bei diesem, bereits im Jahr 2017 entstandenen Film ein sehr viel ausschweifenderes Thema vorgenommen. The Current War, so der Originaltitel, erzählt vom sogenannten Stromkrieg, den Edison und George Westinghouse 1890 ausfochten: Der eine setzte bei der elektrischen Versorgung Amerikas auf Gleichstrom, der andere auf Wechselstrom. Historisch gesehen war das bedeutend, filmisch gesehen ist dieser Erfinderstreit aber doch eher für Ingenieure interessant. Also werden noch viele weitere Geschichten angerissen, die Morsenummer etwa, die Kriegserinnerungen von Westinghouse (Michael Shannon), oder die Erfindung des "Elektrischen Stuhls". Auch Nikola Tesla (Nicholas Hoult) taucht auf.

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Man merkt dem letzten von Harvey Weinstein produzierten Film an, dass viel daran geschnitten wurde, nach dem Weinstein-Skandal (der zur "Me Too"-Bewegung führte) ließ man ihn erst einmal liegen. Auch deshalb kommt dieses gar nicht mal so hell strahlende Biopic erst so spät ins Kino.

Edison - Ein Leben voller Licht , Regie: Alfonso Gomez-Rejon

© SZ vom 22.07.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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