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Billigflieger:Ryanair will expandieren

Konkrete Zielvorgaben für München nennt die irische Fluglinie nicht.

Kenny Jacobs ist ein gut beschäftigter Mann. Und dem Marketingchef der Airline Ryanair wird die Arbeit vermutlich so schnell nicht ausgehen, denn die irische Fluglinie drückt bei ihrer Expansion weiter aufs Gas. Seit diesem Dienstag hat Ryanair eine neue Basis am Flughafen Memmingen, der auch als "München West" vermarktet wird. Von dort bietet Ryanair 50 Flüge die Woche an, zu 19 verschiedenen Zielen. In München, sagt Jacobs, werde man es zunächst gemäßigt angehen. Wie die Airline vergangene Woche bekanntgegeben hat, wird von November an zweimal täglich ein Flieger nach Dublin abheben. Zum Vergleich: Von Frankfurt aus, wo die Airline im März dieses Jahres eine Basis mit zwei Maschinen eröffnet hat, sollen mit dem kommenden Winterflugplan bereits 20 verschiedene Ziele angeflogen werden.

Geht es nach Jacobs, wird Ryanair aber auch in München weiter expandieren. Doch konkrete Zielvorgaben, die sich in Zahlen ausdrücken lassen, will der Manager nicht nennen. "Wir wachsen schnell, so viel kann ich sagen." Ein Wachstum in München hänge von den geschäftlichen Rahmenbedingungen ab, also vor allem davon, ob es genügend gute Slots gebe. Gerade in den für Geschäftsreisende wichtigen Tageszeiten, also morgens und abends, sind diese in München eher knapp. Und Geschäftsreisende würden auch für Ryanair immer wichtiger. "Wir werden nicht wachsen, nur weil es München ist", sagt Jacobs.

München ist der 14. deutsche Flughafen, von dem aus Ryanair startet. Und wie es sich für den Marketingchef einer Billigfluglinie nun einmal gehört, sieht Jacobs natürlich die Nachfrage nach günstigen Flügen zunehmend gegeben - sowohl bei Geschäftsfliegern als auch bei Urlaubsreisenden. Ryanair habe aber alle deutschen Flughäfen im Blick und prüfe die jeweiligen Konditionen. Zu den Gebühren, die Ryanair in München zahlen muss, äußert sich Jacobs nicht konkret, nur so viel: "Wir sind Ryanair, alle Gebühren sind uns zu hoch."

Bald auch von München zu starten, passe aber zum Expansionskurs in Deutschland, wo Ryanair seinen Marktanteil in den vergangenen drei Jahren verdoppelt habe. Nicht zuletzt wegen der Air-Berlin-Pleite wird Ryanair laut Jacobs zum Ende des Jahres die Nummer zwei im deutschen Fluggeschäft sein, nach der Lufthansa. Angestrebt ist ein Marktanteil von 20 Prozent.

Natürlich beobachtet Ryanair auch die Startbahn-Debatte in München. Man unterstütze generell jegliches Wachstum eines Flughafens. Eine dritte Startbahn in München wäre seiner Einschätzung nach nicht nur gut für den Flughafen, sondern auch für die gesamte Region. Das sehen freilich die Gegner einer dritten Start- und Landebahn anders. Unter anderem kritisierte der Freisinger Landratsabgeordnete Benno Zierer (Freie Wähler), mit einem größeren Angebot an Billigfliegern wolle der Flughafen die Zahl der Flugbewegungen weiter künstlich nach oben treiben und eine dritte Startbahn dadurch quasi erzwingen.

© SZ vom 06.09.2017
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