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Bildung:Plötzlich im Distanzunterricht

Schulinbetriebnahme, Artur-Kutscher-Realschule / Regina Lotterschmid

Trotz alle Schwierigkeiten in diesem Jahr habe sie auch viel Positives erlebt, sagt Regina Lotterschmid, die Direktorin der städtischen Artur Kutscher-Realschule.

(Foto: LHM RBS)

Für Schüler wie für Lehrkräfte war das Corona-Jahr herausfordernd

Von Jakob Wetzel

Sie habe in diesem Jahr auch Positives erlebt, sagt Regina Lotterschmid, die Direktorin der städtischen Artur-Kutscher-Realschule in Moosach. Sie denkt zum Beispiel an ihre Lehrerinnen und Lehrer: Wie aufgeschlossen die sich auf Distanzunterricht eingestellt hätten, mache sie stolz, sagt sie: "Die sind auf Zack." Wenn das Wlan einmal nicht gut funktioniere, nehme einer eben sein Handy als Hotspot. Als die Klassen geteilt wurden, hätten Lehrer ihren Unterricht in ein zweites Klassenzimmer übertragen. Und als Schülerinnen und Schüler daheim saßen, hockten Lehrkräfte im Lehrer-Café der Schule und gaben digitalen Fernunterricht, da sei auch das Netz gut.

Lotterschmid weiß, dass es nicht überall so gelaufen ist. Ihre Realschule sei gut ausgestattet und eine der Schulen mit dem jüngsten Kollegium in München. Da sei es vielen leichter gefallen, digitale Methoden zu versuchen. Doch zu Beginn hat die Corona-Krise auch die Artur-Kutscher-Realschule kalt erwischt. Lotterschmid weiß noch genau, wie es angefangen hat: Am 13. März hätten die Lehrer im Multifunktionsraum gemeinsam die Übertragung verfolgt, wie Markus Söder die Schließung aller Schulen verkündete. "Ich dachte mir: Das darf doch nicht wahr sein", sagt Lotterschmid. Das Coronavirus war weit weg, einen Fall hatte es an der Schule keinen gegeben, anders als jetzt: Seit September waren schon sieben Klassen in Quarantäne. Später wurde aber klar: Schon im Frühjahr hatte sich Lotterschmid selbst infiziert. Womöglich habe sie sich bei einer Kollegin angesteckt, erzählt sie. Heute gehe es ihr gut.

In den folgenden Monaten hat sich die Schule immer wieder neu organisiert: Mal waren gar keine Schüler da, mal einzelne Klassen, mal alle, aber dafür jeweils nur zum Teil. Vieles fiel weg, auch eine zwei Jahre lang vorbereitete Fahrt zur Partnerschule nach Nepal. Die Kinder hätten aber guten Unterricht erhalten, sagt Lotterschmid. Es fielen zwar recht viele Prüfungen schlecht aus; die Vorbereitung der Lehrer und die Hefteinträge aber seien gut. Manchmal habe sie den Verdacht, es liege an der Motivation der Schüler. Das wäre die Kehrseite dessen, wenn alle großzügig durchgewunken werden.

Für Januar ist die Artur-Kutscher-Realschule auf Distanzunterricht eingestellt. Wenn der nicht nötig sei, umso besser, sagt Lotterschmid. Und sie habe noch etwas Gutes erlebt: Vielen sei klar geworden, dass an Schulen nicht nur Wissen vermittelt werde, sondern dass sie auch Beziehungen pflegten und speziell für die Jüngeren sichere Häfen der Betreuung seien. 2020 sei das weggefallen und schmerzlich vermisst worden. Das Bild der Schulen habe sich dadurch verbessert, sagt sie: "Ich hoffe, dass das bleibt."

© SZ vom 29.12.2020
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