Bildung Aus einer Schule werden zwei

Die "FOS München-West" könnte das bestehende Gebäude an der Bergsonstraße nutzen.

(Foto: Florian Peljak)

Die eine Hälfte der Schüler an der staatlichen FOS und BOS für Technik ist am Ostbahnhof untergebracht, die andere 15 Kilometer weiter im Westen der Stadt. Nun soll die Zweigstelle in Langwied eigenständig werden

Von Jakob Wetzel

Für eine Schulleitung alleine sei seine Schule eigentlich zu groß und kompliziert, sagt Werner Maul. Wenn er zum Beispiel schnell eine Unterschrift von einem Kollegen brauche, dann könne das mit Hin- und Rückweg schon einmal drei Stunden dauern. Und viele Schüler müssen lange Wege in Kauf nehmen - längere, als es unbedingt nötig wäre.

Werner Maul leitet die staatliche Fach- und Berufsoberschule für Technik sowie für Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie. Diese Schule verteilt sich bislang auf zwei Häuser: Etwas mehr als die Hälfte der etwa 1300 Schüler werden an der Orleansstraße neben dem Ostbahnhof unterrichtet, dort hat auch Maul sein Büro. Die anderen Schüler dagegen besuchen eine Zweigstelle an der Bergsonstraße in Langwied, etwa 15 Kilometer weiter westlich. Zu Beginn jedes Schuljahrs werden Schüler und Lehrer verteilt, damit alle beide Standorte ausgelastet sind. Immer wieder schicke er dabei Schüler in den Westen, obwohl die das eigentlich gar nicht wollen, der Ostbahnhof sei ja viel besser erreichbar, sagt Maul, und das sei nur eines der Probleme. Doch jetzt naht womöglich Abhilfe.

Das Kultusministerium denkt darüber nach, die Schule zu teilen und die bisherige Zweigstelle in Langwied zur eigenständigen Fachoberschule zu machen. Am Ostbahnhof bliebe dann alles wie gehabt, an der Bergsonstraße aber könnte schon ab dem kommenden Schuljahr eine staatliche "FOS München-West" für Technik sowie zusätzlich für Wirtschaft und Verwaltung stehen. Ein Neubau wäre dafür nicht nötig, die jetzige Zweigstelle würde reichen.

Festlegen will sich der Freistaat noch nicht; es gebe Vorgespräche, heißt es vom Kultusministerium. Erst werde nun ermittelt, ob es genug Schüler für beide Standorte gebe. Deshalb wird es im regulären Anmeldezeitraum für die FOS von 18. Februar bis 1. März eine Probe-Einschreibung für die beiden geplanten Ausbildungszweige in Langwied geben. Und im Schulgebäude an der Bergsonstraße 109 ist für den 6. Februar von 18 Uhr an ein Informationsabend zur Neugründung vorgesehen.

Werner Maul ist froh um die Pläne. Wäre die Bergsonstraße eigenständig, käme seine Schule mit weniger Verwaltungsaufwand aus. Die Schüler könnten sich gezielt an ihrer Wunschschule anmelden und würden sich die langen Fahrtwege sparen. Und es sei nicht nur das Organisatorische, sagt Maul. Auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl sei bei Schülern und Lehrern schwierig zu bilden und aufrechtzuerhalten, wenn sie im Alltag in zwei Schulgebäuden in zwei weit voneinander entfernten Stadtteilen sitzen. "Es ist einfach besser, wenn eine Schule ein einziges Haus hat und nicht auf zwei Stellen aufgeteilt ist", sagt er. Seit Jahren bemühe er sich deshalb um eine Erweiterung seiner FOS und BOS, damit alle Schüler an der Orleansstraße Platz finden. Tatsächlich ist im Zuge des insgesamt 2,38 Milliarden Euro schweren zweiten Schulbauprogramms der Stadt vorgesehen, einen Erweiterungsbau zu errichten, später soll auch das jetzige Gebäude größer neu entstehen. Die Teilung und Neugründung in Langwied freilich böte raschere Entlastung.

Ob es am Ende wirklich eine neue Schule gegründet wird, hänge von vielen Faktoren ab. Unter anderem müsse die Schule im Endausbau zuverlässig eine Mindestgröße von 400 bis 500 Schülern erreichen, erklärt ein Sprecher des Kultusministeriums. Und durch die Neugründung dürften auch die bereits bestehenden Fachoberschulen nicht gefährdet werden.

Dass es zu wenige Schüler geben könnte, diese Angst hat Schulleiter Werner Maul nicht. München wachse, sagt er. Schon jetzt kämen etwa ein Viertel der Schüler seiner BOS und FOS aus dem Münchner Westen. Weil die geplante FOS auch den Zweig Wirtschaft und Verwaltung anbieten soll, erweitere sich der Kreis der potenziellen Schüler. Und eine Konkurrenz zu anderen Fachoberschulen sei Langwied nicht - auch nicht zu denen, die in der Umgebung noch kommen.

Nicht zu Freiham, wo die Stadt derzeit einen Bildungscampus mit einem Förderzentrum, einer Grund- und einer Realschule sowie einem Gymnasium errichtet; dort sei derzeit keine neue FOS geplant, erklärt das städtische Bildungsreferat. Und auch nicht zu Germering. Dort, etwa neun Kilometer entfernt, hat 2017 eine neue FOS den Betrieb aufgenommen, die bislang Wirtschaft und Verwaltung sowie Soziales unterrichtet, die sich aber um einen Technik-Zweig erweitern möchte. Dort wird es ebenfalls eine Probe-Einschreibung geben. Aber Langwied und Germering wären dennoch keine scharfe Konkurrenz, glaubt Werner Maul. Die beiden Orte lägen ja schon an unterschiedlichen S-Bahn-Linien.