Der Gelehrte: Heinrich v.Treitschke

"Die Juden sind unser Unglück!" Dieser Schlachtruf der Nationalsozialisten geht auf den Berliner Historiker Heinrich von Treitschke (1834 - 1896) zurück, einen der einflussreichsten Gelehrten der Kaiserzeit. Treitschke prägte Generationen von Akademikern mit seinen Tiraden über den angeblich übergroßen Einfluss der Juden, 1879 löste er damit den Berliner Antisemitismusstreit aus. In dessen Folge wurden die Universitäten noch anfälliger für antijüdische Ressentiments. Treitschkes Vorlesungen an der Berliner Universität waren beliebt, auch weil er seine Lehren mit mächtiger Stimme, ja mitunter schreiend verbreitete. Dies lag aber an seiner ausgeprägten Schwerhörigkeit, mit der liberale Spötter seine Verbohrtheit erklärten: Schließlich könne der Professor anderslautende Meinungen gar nicht mehr hören. Treitschke selbst sah als Lösung der von ihm ausgemachten "Judenfrage" die völlige Assimilation. Sein Verhältnis zu den Juden war freilich janusköpfig: Er lobte den Einsatz jüdischer Soldaten fürs Vaterland, zu seinen Freunden zählte der Forscher Alphons Oppenheim; und Golo Mann schrieb über Treitschke: ,,Dieser große Schriftsteller gilt gemeinhin als Antisemit, und das war er auch; dennoch hätten etwa die Nazis mit seinem Antisemitismus nichts anfangen können." Aber Treitschke, Verfasser der wortgewaltigen "Deutschen Geschichte im 19.Jahrhundert" hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Antisemitismus zugleich radikaler und hoffähiger wurde. Nach Treitschke ist eine Straße in Moosach benannt.

Foto: dpa

20. Juli 2007, 11:512007-07-20 11:51:00 ©