Der Kämpfer: Turnvater Jahn

Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852), wesentlich bekannter als Turnvater Jahn, gehörte zu den Patrioten, die nach der Niederlage Preußens 1806 das Volk gegen die französische Fremdherrschaft mobilisierten. In ihm vermischten sich frühliberale Ideen und der Wunsch nach Volksherrschaft mit einem eifernden Nationalismus. Jahn schrieb: ,,Wer seinen Kindern die französische Sprache lehren lässt, ist ein Irrender, wer darin beharrt, sündigt gegen den heiligen Geist. Wenn er aber seinen Töchtern französisch lehren lässt, ist das ebenso gut, als wenn er ihnen Hurerei lehren lässt. Polen, Franzosen, Pfaffen, Junker und Juden sind Deutschlands Unglück."

Jahn begründete zur ,,Stärkung des Volksthums'' und gegen dessen ,,Verweichlichung'' das Turnwesen, das bald zur Massenbewegung wurde. Aus den Turnvereinen gingen während der Freiheitskriege 1813 - 1815 bewaffnete Freikorps hervor. 1815 war er Mitbegründer der ,,Urburschenschaft''. Jahn forderte auch im Zeitalter der Restauration nach 1815 Demokratie und wurde deshalb eingesperrt. Noch an der Revolution 1848 war er als Abgeordneter in der Paulskirche beteiligt.

Gegen die Juden wetterte der Turnvater mit geradezu pathologischem Hass. Schon in seinem "Deutschen Bund", der ab 1810 gegen die französischen Besatzer agitierte, waren Juden nicht zugelassen - nicht einmal, wenn sie getauft waren. Jahns Antisemitismus ging damit bereits über den verbreiteten religiösen Antijudaismus hinaus und hatte schon eine deutlich rassistische Note. "Wenn er heute lebte, wäre er wahrscheinlich Nationalsozialist", schrieb die Arbeiter-Turnzeitung bereits 1928. Nach ihm ist die Jahnstraße im Glockenbachviertel benannt.

Foto: dpa

20. Juli 2007, 11:512007-07-20 11:51:00 ©