Der Kardinal: Michael von Faulhaber

"Nach dem Tode Christi", so predigte Michael von Faulhaber im Advent 1933, "wurde Israel aus dem Dienst der Offenbarung entlassen. Sie hatten die Stunde der Heimsuchung nicht erkannt." Judenfreundlich ist das nicht, es klingt die These von den Gottesmördern durch, die damals gängige katholische Auffassung war. Aber der Münchner Kardinal war trotzdem kein Antisemit. Die drei Adventspredigten Faulhabers richteten sich gegen Versuche, ein vom Judentum "gereinigtes" Christentum ohne das Alte Testament zu propagieren, sie priesen Moses und die anderen Väter der jüdischen Schriften als Vorbilder und "Führer"; in der dritten Predigt wagte er den Satz: "Die Wiege der Humanität stand in Palästina." Faulhaber war Mitglied im Verein "Amici Israel" (Freunde Israels). 1928, zwei Jahre nach der antisemitischen Kampfschrift Meisers, weist Faulhaber seine Priester an: "Man vermeide in der christlichen Predigt alles, was antisemitischen Klang hat!"

Ein Mann des Widerstands war Kardinal Faulhaber dennoch nicht in dem Maß, wie ihn der Katholizismus der Nachkriegszeit stilisierte. Adolf Hitler war ihm sympathisch, das Führerprinzip sowieso, Zeit seines Lebens blieb er im Herzen ein Monarchist, der mit der Demokratie seine Schwierigkeiten hatte. "Auch Faulhaber ist eine Person, nach der man heute keine Straße mehr benennen würde", sagt Siegfried Benker, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat. Im Jahr 2000 hatten die Grünen - wie zuvor bei Meiser - beantragt, die Kardinal-Faulhaber-Straße umzubenennen. Dort ist seit 1821 das Holnstein-Palais Wohnung und Amtssitz der Erzbischöfe. Den Antrag würde Benker heute allerdings nicht erneuern. Die neuesten Forschungen zeigten, "dass es Unterschiede gibt zwischen Meiser und Faulhaber, und zwar nicht nur in Nuancen".

Foto: Archiv/Scherl

20. Juli 2007, 11:512007-07-20 11:51:00 ©