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Bilanz nach der Bombensprengung in Schwabing:Wie nach einem Waldbrand

Nichts zu interpretieren gibt es hingegen am Haus Feilitzschstraße 11 - hier rechnet die Versicherung mit einem Schaden von bis zu einer Million Euro. Ein Modegeschäft ist komplett ausgebrannt, und wie das geschehen konnte, zeigt Günter Weiß auf der Rückseite des Hauses. Dort findet sich ein kleiner Hinterhof, von drei Seiten bebaut - direkt an der offenen Seite lag die Bombe. Das Feuer und die Druckwelle fuhren also in den Hinterhof hinein wie in ein zu enges Gehege und taten ihr Zerstörungswerk.

Ein Baum steht noch da und schaut aus, als sei er von einem spanischen Waldbrand hierher versetzt worden: die Blätter verbrannt, die Rinde rußgeschwärzt. Weiß vermutet, dass brennendes Stroh, zur Abschirmung der Explosion eingesetzt, in den Hinterhof flog, dort Mülltonnen in Brand setzte, und dass sich das Feuer dann in das Modegeschäft fraß. Balkone, Fensterrahmen, Taubenvergrämer, Kunststoffbeschichtungen an Stahlbetonträgern - alles verschmort, verbrannt, verrußt. Ein paar Fahrräder stehen im Hinterhof, auch sie sind der Feuerwalze zum Opfer gefallen. Immerhin: Das Haus kann gerettet werden, wie überhaupt kein Gebäude so stark beschädigt ist, dass es abgerissen werden müsste.

In der Haimhauser Straße sind Kollegen von Günter Weiß gerade damit beschäftigt, die Schäden an einem Haus aufzunehmen. Ein Chemiker misst, ob nicht durch die Explosion irgendwelche Giftstoffe freigesetzt wurden - bis auf den immer noch in der Luft hängenden Brandgeruch hat er aber bislang noch nichts gefunden. Der größte Verlust in diesem Gründerzeit-Haus sind jedoch die historischen Bleiglas-Fenster im Treppenhaus, die die Druckwelle nicht überlebt haben.

"Das wird teuer", murmelt Günter Selentin. Weder Hausverwalter noch Bewohner haben Zeit und Lust zum Reden: Zu sehr wurden sie in den Tagen nach der Detonation von Kamerateams, Fotografen und aufdringlichen Reportern belästigt, die ohne zu fragen bis in die Schlafzimmer vordrangen.

An Schaufenstern steht: "Vielen Dank an Polizei und Feuerwehr für den Einsatz", an einer anderen zersplitterten Scheibe: "Kein guter Platz, um sich anzulehnen". Brandgeruch hängt in der Luft, Handwerker-Autos stehen dicht gedrängt, die Glaser am Wedekindplatz fluchen immer noch. Ansonsten scheint langsam wieder Normalität einzukehren rund um den Bombenkrater. Eine Normalität, zu der eine 92-jährige Dame aus der Haimhauser Straße ihren aufgeregten Nachbarn schon vor zwei Wochen riet: "Regt euch nicht auf", soll sie gesagt haben, "im Krieg war's viel schlimmer."

© SZ vom 11.09.2012/dayk/bavo

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