bedeckt München 25°

Bilanz nach der Bombensprengung in Schwabing:Wem die Scherben Glück bringen

Verschmort, verbrannt, verrußt: Zwei Wochen nach der Schwabinger Bombensprengung werden nun die Schäden berechnet und repariert. Für Handwerker bedeutet das gute Geschäfte. Und so mancher Politiker und Versicherer erhofft sich einen Imagegewinn.

Kann schon auch Zufall sein - aber es sind sehr viele Handwerker-Autos unterwegs im Karree zwischen Münchner Freiheit, Feilitzsch-, Markt- und Haimhauser Straße. Altbausanierer, Maler, Heizungsbauer laden ihre Werkzeuge aus an diesem Vormittag, am Wedekindplatz fluchen zwei Glaser, weil sie den Rahmen des Schaufensters nicht aus der Mauer bekommen, das sie austauschen sollen. "Für die Glaser ist das ein Bombengeschäft", sagt Günter Selentin.

Muenchen nach der Sprengung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg

Der Ort der Sprengung wirkt zwei Wochen nach den aufregenden Tagen in Schwabing wenig bedrohlich. Das Grundstück hinter dem Zaun könnte auch eine der vielen anderen Baustellen in der Stadt sein.

(Foto: dapd)

Das ist nur ein bisschen geschmacklos, denn natürlich kommt die Konjunktur im Glasgewerbe von ihr, von der Bombe, die vor zwei Wochen gefunden wurde in der Baugrube an der Feilitzschstraße und die vorvergangenen Dienstag kontrolliert gesprengt wurde, so kontrolliert, dass die Häuser rund herum großflächig entglast wurden, ein Laden gleich komplett ausbrannte. Der Schaden? Unklar. Die Versicherungskammer Bayern (VKB), die im Freistaat rund 75 Prozent aller Häuser versichert hat, rechnet mit einer Summe von etwa vier Millionen Euro, die sie an ihre etwa 25 Kunden im beschädigten Viertel auszahlen wird müssen.

Günter Selentin, bei der VKB Hauptabteilungsleiter Sachschaden, sieht nicht so aus, als bereite ihm das schlaflose Nächte: "Wir werden's überleben", sagt er trocken und wirkt dabei so, als wäre ihm schon auch klar, dass die Explosion der Bombe für das Marketing seines Unternehmens ein Volltreffer ist. Deshalb auch hat die VKB sich beeilt zu erklären, dass sie selbstverständlich alle bei ihr versicherten Schäden erst einmal regulieren wird. Denn noch ist völlig unklar, ob jemand - und, wenn ja, wer - haftbar gemacht werden kann. Die Stadt? Der Freistaat? Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat am Montag noch einmal erklärt, dass Bayern helfen werde, allerdings muss erst noch der Landtag gefragt werden.

Und Ludwig Spaenle hat sogar, so erzählt er's, persönlich im Finanzministerium angerufen, um zu fragen, ob die Leute ihren Schaden denn von der Steuer absetzen können. Das gehört zwar eigentlich nicht zu den Aufgaben eines Schulministers, aber Spaenle ist ja nebenbei auch noch CSU-Chef in Schwabing. Und Günter Selentin sagt, man werde schon prüfen, ob jemand in Regress genommen werden könne - wichtiger sei aber nun erst einmal die Regulierung, und die könne dann doch, bis die letzte Rechnung bezahlt ist, zwei Jahre dauern.

Zuerst aber muss natürlich geklärt werden, was denn alles kaputtgegangen ist. Bei der VKB ist dafür unter anderem Günter Weiß zuständig, Bauingenieur und von der "Qualitätssicherung Schaden Sach". Er zeigt nun zum Beispiel auf die Steinplatten an der Fassade des Hauses Feilitzschstraße 8. Und tatsächlich: Wenn der Handwerker, der die Platten anbrachte, das so gewollt hätte, dann hätte ihn die Bayerische Hausbau, der das Haus gehört, wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit verklagt. Manche Platten stoßen eng aneinander, bei anderen sind Fugen von ein, zwei Zentimetern zu sehen. Weiß vermutet, dass die Druckwelle die Platten verschoben hat. Was das aber bedeutet, welche Folgeschäden daraus entstehen können - das muss er sich noch einmal genauer anschauen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite