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Bieterschlacht:Drei Millionen für Pin

Die Benefizauktion der Freunde der Pinakothek der Moderne schlägt im Corona-Jahr digital alle Rekorde

Von Evelyn Vogel

So viel wie noch nie, nämlich knapp drei Millionen Euro, kamen bei der diesjährigen Benefizauktion der Freunde der Pinakothek der Moderne zusammen. Allein die 37 Lose der Live-Auktion, die am Samstagabend per Stream zu erleben war, erbrachten mehr als 2,2 Millionen Euro - und übertrafen damit bereits alle Gesamtergebnisse der Vorjahre. Hinzu kamen noch knapp 800 000 Euro aus der Online-Only-Versteigerung, bei der man bis Sonntagnachmittag noch parallel im Internet mitbieten konnte.

Teuerstes Werk der Live-Auktion war wie erwartet das kleinformatige Ölgemälde "Anpassung" von Neo Rauch, das für 300 000 Euro zugeschlagen wurde. Allen Erwartungen gerecht wurde auch Georg Baselitz, dessen großformatige Papierarbeit "Salzburger Grün" mit einem Erlös von 235 000 Euro für das zweitbeste Ergebnis sorgte. Raymond Hains' frühes Wandobjekt "Saffa" aus der berühmten Streichhölzer-Serie übertraf die Erwartungen sogar und bekam bei 145 000 Euro den Zuschlag. Noch besser performte K. H. Hödickes Leinwandarbeit "Kahn", die von 40 000 Euro recht schnell auf 115 000 Euro stieg, womit sie auch deutlich den Galeriepreis von 80 000 Euro übertraf.

"Es ist ein großes Glück", freut sich Pin-Vorsitzende Dorothée Wahl, "wir sind super dankbar, dass die Sammler uns auch in dieser schwierigen Zeit treu geblieben sind". Geschlossene Museen, keine Party, kein Champagner, der die Bieterlaune heben konnte - es war eine große Unwägbarkeit für die Pin-Freunde, die mit der alljährlichen Benefizauktion Geld für die Pinakothek der Moderne und das Museum Brandhorst sammeln. Damit werden Ankäufe finanziert, aber auch Ausstellungen und Vermittlungsarbeit unterstützt. Der noch immer hohe Adrenalinspiegel ist Wahl auch am Sonntag noch anzuhören: "Kein Mensch wusste ja, was passieren würde. Das war für uns ganz neues Terrain." Aber eines, das mit Bravour gemeistert wurde und laut Wahl auch in Zukunft bedacht werden soll. Das Münchner Auktionshaus Ketterer Kunst hatte alle unerwarteten Volten bei der Planung seit Beginn der Corona-Pandemie - mit oder ohne Publikum, im Museum oder an verschiedene Satellitenstationen, bis hin zur nun rein digitalen Variante - mitgemacht. Auktionator Robert Ketterer ist ebenfalls zufrieden: "Natürlich hätte ich mir einen vollen Saal gewünscht, aber ich denke es ist uns gelungen, die persönliche Atmosphäre dieser großartigen Veranstaltung auch über die diversen Livestreams in die Welt zu tragen."

Mehr als 230 Bieter waren online mit dabei, die für ein gehöriges Tempo bei der Versteigerung sorgten. Die etwa 50 Interessenten, die per Telefon mit den Mitarbeitern des Auktionshauses im Saal verbunden waren, trieben die Preise für manche Lose ebenfalls im Sekundentakt nach oben. Einige Sammler aus dem Kreis der Pin-Freunde taten das ihrige, um für ein gutes Ergebnis zu sorgen. Das Internetformat garantierte auch internationale Beteiligung: So ging die Leinwandarbeit "Crying (III Outwards)" von Grace Weaver nach einem munteren Hin und Her für 54 000 Euro an einen Telefonbieter aus Singapur. Auch andere Werke wie die von Julian Rosefeldt und Gregor Hildebrandt schossen geradezu nach oben und erbrachten jeweils das Vielfache ihres Aufrufpreises. Auf Youtube, Instagram und der Ketterer-Website verfolgten zudem hunderte Neugierige die Versteigerung am Samstagabend.

Pin Auktion

Die Papierarbeit „Salzburger Grün“ von Georg Baselitz kam auf 235 000 Euro.

(Foto: Jochen Littkemann; Georg Baselitz 2020)

Bei der parallel laufenden Online-Only-Auktion hatten sich um einige Lose ebenfalls wahre Bieterschlachten entwickelt. Ganz besonders gefragt war das Werk "Ultima Scena" von Nicola Samorì: 76 Gebote hatten den Preis des Bildes bis Samstagabend von gut 16 000 Euro auf 89 000 Euro gesteigert. Für diesen Preis ging es am Sonntag dann als teuerstes auch weg.

In diesem Corona-Jahr beteiligen die Pin-Freunde erstmals auch die Künstler direkt. Etliche von diesen spenden ihre Anteile jedoch, so wie Baselitz und Hildebrandt an die Museen; andere unterstützen Organisationen, so Rosa Loy und Neo Rauch das Kinderhospiz Bärenherz (SZ vom 21. November), Samson Young die Hong Kong Free Press, Yan Kuck die WHO, und Ingvild Goetz, die zwei Arbeiten eingereicht hat, das Familien-Projekt "Lebensräume".

© SZ vom 23.11.2020
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