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Biergartenrevolution:Wutbürger auf der Straße

München Biergarten-Protest 1995

Tausende München demonstrierten im Mai 1995 für lange Biergartenabende.

(Foto: Ursula Düren/dpa)
  • Da kochte die Volksseele: Als die Öffnungszeiten der Biergärten verkürzt werden sollen, gehen 1995 Tausende auf die Straßen.
  • Die Initatoren der Biergartenrevolution feiern noch heute ihren Triumph.
  • Biergärten wurden modernisiert - und mit Spielplätzen zu Ausflugszielen für die ganze Familie.

Da steht sie nun beim Interview, die "Heilige Johanna der Biergärten" - und genießt ihren Triumph. Noch immer freut sie sich über den wohlmeinend-ironischen Ehrentitel, den ihr seinerzeit ein Autor der Süddeutschen Zeitung verpasste.

Vor genau 20 Jahren haben Ursula Seeböck-Forster und ihre Mitstreiter vom "Verein zur Erhaltung der Biergartentradition", kurz Biergartenverein, allzu rigide Sperrzeiten in Biergärten verhindert.

25 000 Menschen protestierten am 12. Mai 1995 auf dem Münchner Marienplatz und dem Odeonsplatz gegen ein Gerichtsurteil, das womöglich das Aus für die Waldwirtschaft in Großhesselohe bedeutet hätte.

An der "WaWi" entzündete sich der Streit

Und das auch anderen Biergärten schwer hätte zusetzen können. Zum Protest versammelten sich Menschen, die sich von der Bürokratie gegängelt fühlten und Menschen, die um die bayerische Tradition bangten. Seine Brauerei habe eigens die Mitarbeiter dazu angehalten, bei dem Protestzug mitzumarschieren, erzählt Bernhard Klier, Verkaufschef der Spaten-Löwenbräu-Gruppe.

Zwei Jahre vorher hatten Anwohner wegen Lärmbelästigung geklagt und das Verwaltungsgericht München hatte entschieden, dass die "WaWi" von Wirt Sepp Krätz bereits um 21.30 Uhr schließen und darüberhinaus jeden zweiten Sonntag gar nicht erst aufsperren sollte - ein Urteil, das zunächst auf Eis gelegt, aber zwei Jahre später vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof bestätigt wurde.

Der Biergartenverein um Seeböck-Forster und Manfred Schauer - der Wiesn-Schichtl, dem auch der Begriff Biergartenrevolution einfiel - rief daraufhin zur Demonstration auf, die von den Brauereien und den Medien unterstützt wurde.

Der Massenandrang an jenem Freitagnachmittag im Mai bewegte die bayerische Staatsregierung in der Woche darauf, die sogenannte Bayerische Biergartenverordnung zu erlassen. Nach der sollten traditionelle Biergärten bis 23 Uhr geöffnet bleiben dürfen.

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