Modernisierung abgeschlossen:Museum wiedereröffnet: Bier und Wiesn für alle Sinne

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Modernisierung abgeschlossen: Museumsleiter Lukas Bulka im Bierdimpflraum.

Museumsleiter Lukas Bulka im Bierdimpflraum.

(Foto: Florian Peljak)

Das neu gestaltete Bier- und Oktoberfestmuseum transportiert einen wichtigen Teil des Münchner Lebensgefühls - nach der Renovierung moderner und besucherfreundlicher. Am Ende wartet eine frisch gezapfte Mass.

Von Thomas Becker

Die Wiesn ist umgezogen. Vom dritten in den zweiten Stock. Dafür geht es dort jetzt noch eine Spur wilder zu als zuvor schon. Wer den Klängen von "Sweet Caroline" folgt, landet mitten im Bierzelt, zumindest gefühlt. Dank einer Video-Installation wankt man durch die Menge, sieht und hört die Wiesnkapelle samt grölender Festzeltbesucher, und dabei dreht sich alles so schön, als hätte man die dritte Mass intus - frei nach Neil Diamond: "Oh, oh, oh!" Und damit willkommen im modernisierten Bier- und Oktoberfestmuseum an der Sterneckerstraße!

Seit 2005 befindet sich im ältesten Bürgerhaus der Stadt - die Holzbalken datieren nachweislich aus dem Jahr 1340 - dieses Kleinod für Freunde des Bieres und des Oktoberfests. Im Jahr 2000 hatte die gemeinnützige Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, die Mehrheitseignerin der Augustiner-Brauerei, das Gemäuer gekauft und damit vor dem Verfall beziehungsweise der handelsüblichen Luxussanierung bewahrt, um Einheimischen und Gästen aus aller Welt in dem denkmalgeschützten Haus über vier Stockwerke einen wichtigen Teil des Münchner Lebensgefühls näherzubringen.

Nach 17 Jahren hatte der Stiftungsvorstand um Catherine Demeter und Martin Liebhäuser die Zeit für eine Modernisierung gekommen gesehen, und somit verbrachte Museumsleiter Lukas Bulka in den vergangenen neun Monaten noch mehr Zeit im Museum als eh schon. Beim Marsch entlang des neu konzipierten Museums-Rundgangs muss man sagen: Die Arbeit hat sich gelohnt.

Modernisierung abgeschlossen: Im Spektakel-Raum locken liebevoll gestaltete Miniatur-Fahrgeschäfte.

Im Spektakel-Raum locken liebevoll gestaltete Miniatur-Fahrgeschäfte.

(Foto: Florian Peljak)
Modernisierung abgeschlossen: Nur eine Replik: die bayerische Königskrone.

Nur eine Replik: die bayerische Königskrone.

(Foto: Florian Peljak)
Modernisierung abgeschlossen: Im Gebäude von 1340 gibt es eine Original Rauchkuchl mit offener Feuerstelle.

Im Gebäude von 1340 gibt es eine Original Rauchkuchl mit offener Feuerstelle.

(Foto: Florian Peljak)

Nicht nur moderner, auch besucherfreundlicher sollte es werden, so die Vorgabe. Eine Ausstellung, die man mit allen Sinnen erlebt, da Riechen, Fühlen, Hören und Schmecken besser im Gedächtnis bleibt als nur Gesehenes. "Vorher hatten wir viele Vitrinen mit vielen Krügen", sagt Lukas Bulka, "das haben wir reduziert". Stattdessen klären Medieninstallationen über alles rund ums Bier und das Oktoberfest auf - wobei auch da noch nicht alles so ist, wie es sein sollte. Bulka: "Man glaubt gar nicht, wie sehr man sich derzeit bei Lieferzeiten für Mikrochips oder Prozessoren verschätzen kann..."

Geändert wurde auch die Besucher-Führung: Es geht jetzt von oben nach unten. Zwar kann man sich wie gehabt vor dem Rundgang unten im Stüberl ein Helles, Dunkles oder wie auch immer geartetes Weg-Bier bestellen, aber los geht es nun im vierten statt wie bisher im zweiten Stock. Die Hoffnung der Museumsmacher: dass der Besucher nach dem Marsch durch die Geschosse mit ordentlich Bierdurst unten ankommt. Dann mal los!

Wer nicht mit dem Aufzug nach oben fahren will, erklimmt zunächst die "Himmelsleiter", die nicht weniger steil ist als die Streif, die gefürchtete Kitzbüheler Abfahrtspiste. Unterm Dach, wo die frisch abgeschliffenen Parkettbalken wie neu verlegt aussehen, geht es thematisch zunächst um die Rohstoffe: Hopfen und Malz, Wasser und Hefe. "Hier wollten wir was zum Anfassen haben", erklärt Lukas Bulka, "aber da hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht". Auch ein schnell verfliegendes Hopfen- und Malz-Parfum war im Gespräch, kommt womöglich mal in Post-Corona-Zeiten. Neu sind dagegen das Schaubild zur Bierbrauformel im Wand füllenden Format sowie die Leihgaben des Ägyptischen Museums - schließlich war Bier schon beim Pyramidenbau Grundnahrungsmittel. Den Toten gaben die alten Ägypter auch Bier mit ins Grab.

Schon im alten Babylon soll es schon 20 Biersorten gegeben haben

Im dritten Stock führt ein Zeitstrahl durch die Geschichte des Tranks, schätzt der Mensch den Alkohol doch schon seit der Steinzeit, fühlte sich im Rausch den Göttern nahe. Im alten Babylon soll es 1700 vor Christus schon 20 Biersorten gegeben haben. Historisch wertvoll auch die hinter Glas gesicherte Zunftfahne nebst Zunfttruhe aus dem 17. Jahrhundert. Ein paar Jahrhunderte früher waren die ersten Keferloher entstanden, von denen ein paar Dutzend der schönsten Exemplare ausgestellt sind, sogar zwei in Form der Frauenkirchentürme sind dabei. Nebenan sind auf Zimmerbreite herrliche Fotos von fröhlichen Zechern versammelt, Hashtag Bier als gemeinsamer Nenner, vom Professor bis zum Arbeiter.

Und nach der Abteilung "Revolution" - gemeint ist die Erfindung des liegenden Kompressors zur Kühlung durch Carl von Linde - geht es im zweiten Stock endlich auf die Wiesn. Empfangen wird man von einer Tonspur des Anzapf-Rituals, weiter geht's zu einer Replik der historischen Königskrone, vorbei am sogenannten Spektakel-Raum mit Zerrspiegel und den liebevoll gestalteten Miniatur-Fahrgeschäften Teufelsrad, Krinoline & Co., bis man eben mit "Sweet Caroline" im Bierzelt landet. Wem nun das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, dem wird ein Stockwerk tiefer im Museumsstüberl geholfen: Bier, frisch vom Fass. Na dann, Prost!

Geöffnet Montag bis Samstag, 11 bis 19 Uhr, Museumsstüberl bis Mitternacht, Führungen nach Voranmeldung, Eintritt vier Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

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