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Bewerbung für Olympia 2018:München - plötzlich Favorit

Kurz vor der Entscheidung über die Vergabe der Winterspiele 2018 hat München erstmals die Favoritenrolle übernommen: Ein IOC-naher Branchendienst sieht die bayerische Landeshauptstadt plötzlich vor Pyeongchang - wegen eines extrem starken Endspurts.

Peter Fahrenholz und Katja Riedel

Knapp drei Wochen vor der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) über die Vergabe der Winterspiele 2018 in Durban hat München erstmals die Favoritenrolle übernommen. So sieht es zumindest das IOC-nahe US-Branchenblatt Around the Rings, das München in seinem vierteljährlichen Bewertungsindex der drei Kandidaten erstmals mit 83 von 100 möglichen Punkten vor Pyeongchang (79) und Annecy (69) auf Platz eins führt.

Olympia 2018: Muenchen fuehlt sich auf der Ueberholspur

München hat die stärksten Auftritte bei den internationalen Präsentationen gezeigt, heißt es von dem Branchendienst.

(Foto: dapd)

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) zeigte sich über die Bewertung erfreut, versuchte aber gleichzeitig, eine möglicherweise voreilige Euphorie zu dämpfen. "Auch eine seriöse Quelle bedeutet noch keine Gewissheit", sagte Ude der Süddeutschen Zeitung . "Es bestätigt aber unseren Eindruck, dass wir laufend Punkte sammeln". Around the Rings lässt mehrere Experten die Bewerbungsprozesse der Kandidatenstädte beobachten, inspiziert diese, begleitet sie zu Präsentationen und führt Gespräche mit IOC-Mitgliedern. Das Blatt wird auch von den 110 IOC-Mitgliedern aufmerksam gelesen. Den Experten zufolge hat München in den vergangenen drei Monaten kräftig aufgeholt, um neun Punkte in acht Kategorien, während sich Pyeongchang nur in zwei der elf Kategorien leicht verbessern und Annecy nicht mehr zulegen konnte.

Damit ziehen die Experten ein Resümee aus den internationalen Auftritten in London, in Lausanne und aus einem Prüfbericht des IOC. München habe im Mai "einen signifikanten Schub" durch den positiv entschiedenen Bürgerentscheid in Garmisch-Partenkirchen erhalten. Dass die Bewerber ein wichtiges Grundstück im Zielhang der Kandahar-Abfahrt am Vorabend der Präsentation in Lausanne sichern konnten, werten die Experten als Coup. Zudem habe München die stärksten Auftritte bei den internationalen Präsentationen gezeigt, heißt es.

Ein deutlicher Schub

Wichtig ist vor allem, dass eine noch im März geäußerte Kritik jetzt nicht mehr laut wird: Wenn es einen Punkt gäbe, an dem es der Münchner Bewerbung mangele, dann seien das stärkere Argumente, warum München überhaupt die Spiele ausrichten wolle, hatten die Experten damals bemängelt. Seine Wirkung dürfte der Auftritt Ian Robertsons entfaltet haben. Der BMW-Marketingchef soll in Lausanne eindrucksvoll dargelegt haben, dass es auch in Deutschland, nicht nur in Asien, Sponsoren für den Wintersport zu erobern gelte.

Auch nach OB Udes Worten hängt der Münchner Optimismus mit den "wirklich bedeutsamen" finanziellen Argumenten zusammen, die München auf den Tisch gelegt habe und die ihre Wirkung auf das IOC "nicht verfehlt" hätten. Man habe darauf hingewiesen, dass der Wintersport 40 Prozent der Finanzierung der olympischen Bewegungen zustande bringe und dass die Hälfte dieser Mittel von deutschen Unternehmen stammten. Die "Wintersportnation Deutschland" sollte deshalb "nach 80 Jahren mal wieder zum Zuge kommen".

Der möglicherweise noch wichtigere Grund für Udes Zuversicht ist die offenbar vorgesehene Bewerbung Tokios für die Sommerspiele 2020. Weil bei der Vergabe der Spiele auch immer komplizierte geopolitische Erwägungen eine Rolle spielen, hoffen die Münchner insgeheim, Nutznießer des allgemeinen Mitgefühls für die Japaner nach Tsunami und Atomkatastrophe zu werden. Die Chancen für Japan, das in den letzten Monaten "viel durchgemacht" habe, würden "nicht gerade steigen", wenn die Winterspiele 2018 "in die kontinentale Nachbarschaft vergeben" würden, sagte Ude.

© SZ vom 08.06.2011/sonn

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