bedeckt München 22°

Bewerbung für Olympische Spiele 2018:Die Ringe-Show beginnt

"Wir setzen nicht auf Platz, sondern auf Sieg": Schäuble und Beckstein geben am Dienstag den Startschuss für die Bewerbergesellschaft, die die Olympischen Winterspiele nach München holen soll.

Am Anfang steht immer überschäumender Optimismus, im Fall München hat ihn der Oberbürgermeister bereits Dezember 2007 in passende Worte gekleidet. "Wir setzen nicht auf Platz, sondern auf Sieg", verkündete Christian Ude nach dem Okay des DOSB-Konvents.

Ude

Ude macht Werbung für die Kandidatur für Olympia 2018.

(Foto: Foto: dpa)

Am Dienstag nun geht in Bayerns Hauptstadt die Bewerbergesellschaft München 2018 ans Werk, hoher Besuch wohnt der Auftaktsitzung bei. Ude wird Innenminister Wolfgang Schäuble, Ministerpräsident Günther Beckstein und Thomas Bach, Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), begrüßen.

Die Basisdaten des "nationalen Projekts" (Beckstein) liegen vor: Der DOSB hält mit 51 Prozent die Mehrheit an der Bewerbergesellschaft, die Stadt München 30 und der Freistaat neun Prozent, acht Prozent fallen der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen zu, die im Konzept "München plus zwei" für die Ski-Wettbewerbe zuständig ist, die restlichen zwei Prozent gehen an den Landkreis Berchtesgadener Land mit der Bob- und Rodelbahn Königssee.

Vorsitzen wird der Gesellschaft Wilfrid Spronk, bisher Olympia-Koordinator und Chef des Münchner Olympiaparks. Die Bewerbungskosten wurden mit zunächst einmal 30 Millionen Euro veranschlagt. Das Geld für diesen vierten nach drei deprimierend erfolglosen Anläufen (Berchtesgaden für 1992, Berlin 2000, Lepzig 2012) soll diesmal allerdings nicht vom Steuerzahler, sondern von privaten Förderern kommen.

In zwei Monaten gibt es dazu Konkreteres - als Schritt in eine erfolgversprechende Richtung kann die Privatfinanzierung aber durchaus gewertet werden. Schon, weil sich solche Budgets ja im Bedarfsfall unkomplizierter aufstocken lassen; auch war die Bewerbung um die Fußball-WM 2006 auf der Privatfinanz-Schiene geglückt. Und schließlich entfallen am Ende eines solchen Bewerberreigens auch die zuweilen recht ernüchternden öffentlichen Rechenschaftsberichte.

Vor allem aber beginnt nun, neben den Pflichtaufgaben für den Städtekandidaten, der das technische Anforderungsprofil des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erfüllen muss, die Kaffeesatzleserei. Denn eine Städtebewerbung, man hat es aus den vergeblichen Bemühungen um Leipzig und Berlin noch gut in Erinnerung, ist in erster Linie eines: Ein enormes sportpolitisches Scheingefecht. Doch auch über Münchens Schicksal entscheiden am Ende, im Juli 2011 in Hongkong oder Durban/Südafrika (Sessionsort wird im August gewählt), in aller Anonymität nur die rund 110 IOC-Mitglieder.

Sie allein bestimmen, wer die Winterspiele kriegt: München, das ein grundsolider Kandidat sein dürfte, oder ein Rivale aus Südkorea (PyeongChang), Frankreich (Genf, Grenoble haben Interesse), Norwegen (Tromsö), Bulgarien (Sofia) sowie ein US-Bewerber aus Denver oder Reno. Auch China könnte mit einer Überraschung aufwarten, sollten die bisher chronisch in Hässlichkeiten eingebetteten Peking-Spiele noch glimpflich enden: Harbin, Schauplatz der Winter Universiade 2009, war ernsthaft für 2018 in der Planung, Chinas KP-Bonzen schwebte der Winter 2018 als Termin für eine zünftige Zehn-Jahres-Feier nach Peking vor. Wer am Ende alles im Ring steht, wird sich Herbst 2009 weisen, dann endet die Bewerbungsfrist.

Zur SZ-Startseite