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"Best of Bayern":Meister im Miteinander

Martin Schmitt gastiert in der Schlossberghalle

Den Blick geweitet: Vom Blues- und Boogie-Pianisten hat es Martin Schmitt bis zum Meister der Kabarett-Bundesliga gebracht. Mit Auswirkung auf die Gästeliste seiner Philharmonie-Gala.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Martin Schmitt hat für sich die passende Mischung aus Wort und Musik gefunden. In der Philharmonie feiert der Kabarettist und Pianist eine gemeinsame Show mit Maxi Schafroth, Claudia Koreck und Willy Astor

Wenn am Samstag "Best of Bayern" am Start ist, dann wird kein Spieler des FC Bayern dabei sein. Überhaupt kein Sportler. Denn die dazugehörige Veranstaltung findet in der Philharmonie statt und nicht im Stadion, und es ist ein Konzert, kein Spiel. Trotzdem darf sich der Gastgeber sogar ganz offiziell einen amtierenden Deutschen Meister nennen: Der Pianist Martin Schmitt hat in der abgelaufenen Saison die Kabarett-Bundesliga gewonnen. Eine saftige Überraschung war das, auch wenn viele Kritiker nach Schmitts Konzerten schon immer schrieben, an ihm wäre auch ein Kabarettist verloren gegangen.

Denn im Kern ist Schmitt natürlich Musiker. In der Boogie- und Bluesszene fing er vor mehr als 30 Jahren an und erwarb sich mit seiner überdurchschnittlich ausdauernden und variablen Linken und seiner flinken Rechten bald den Ruf eines echten Tastenvirtuosen. Vom Solo-Piano ging es bald zu Bandbesetzungen, zu Blues und Jazz kam der Soul dazu (zum Beispiel mit einem exzellenten Ray-Charles-Programm); dann folgten Singer/Songwriter-Geschichten, erst gecovert etwa von Randy Newman, schließlich Selbstgeschriebenes. Eine Zeit lang versuchte er, im Sog eines Roger Cicero auf Hochdeutsch die großen Hallen zu erobern, dann besann er sich wieder auf seine Muttersprache, das Bairische. Und den dazugehörigen Humor.

Schon immer stand sein Klavierspiel in der Tradition der alten Jazz-Entertainer wie eines Fats Waller, der ja einst den Beinamen "Jester of Jazz", also Clown des Jazz, führte. Und seine Moderationen nahmen dank seines Talents für Wortspiele, Dialekte und Pointen immer mehr Raum ein. Seit er seine Bühnenjubiläen in große Galas verwandelte, schlug sich dies auch in den Gästelisten nieder, Musik-affine Kabarettisten wie Helge Schneider, Bodo Wartke oder Hannes Ringlstetter fanden sich da neben den reinen Musikerkollegen. Und auch sein erfolgreiches Programm "Aufbassn!" ging eindeutig stark in Richtung Musikkabarett.

Es war also gar nicht so abwegig, zuzusagen, als er vor zwei Jahren gefragt wurde, ob er an der Kabarett-Bundesliga teilnehmen möchte (die meisten anderen müssen sich bewerben). Diese seit zehn Jahren mit 14 jeweils in direkten Duellen gegeneinander um die Publikumsgunst antretenden Teilnehmern an ebensovielen Spielorten - darunter so renommierte wie das Stuttgarter Renitenztheater, das Mainzer Unterhaus oder das Hamburger Schmidtchen Theater - stattfindende "Kabarett-Meisterschaft" mag in München wenig wahrgenommen werden, ist aber in weiten Teilen der Republik eine große Nummer. "Mich reizt ja immer das Neue. Es war interessant, mal diese Wettbewerbssituation zu erleben und zu sehen, wie meine Sachen in der ganzen Republik bei einem reinen Kabarettpublikum ankommen. Und es hat überall funktioniert, was sicher auch daran liegt, dass die Leute goutieren, wenn Instrumentenbeherrschung vorliegt."

So hat Schmitt jetzt für sich die perfekte Mischung aus Wort und Musik gefunden, wie er meint. Was auch für den großen Aufschlag wie jetzt in der Philharmonie nützlich ist. Eigentlich müsste der Abend ja "Schmitteinander" betitelt sein. So hatte Schmitt und sein Veranstalter das aus der großen Feier zum 30-jährigen Bühnenjubiläum 2016 abgeleitete Gala-Format 2018 lanciert, das alle zwei Jahre alternierend zu den eher aufs Musikalische bezogenen Abenden im Prinzregententheater stattfinden sollen. Aber wohl, weil man diesmal niemanden von jenseits des Weißwurst-Äquators dabei hat, ist es jetzt ein "Best of Bayern" geworden.

Aus beiden musikalischen Welten von Schmitt: Dem Blues-Bereich darf man den Mundharmonika-Virtuosen Albert Koch zurechnen, und schon auch Claudia Koreck, die, ob sie nun englisch oder bairisch singt, vielleicht beste Folk-Stimme Deutschlands, die auch schon 2016 dabei war. Eher beim Musikkabarett zu verorten sind Nockherberg-Bußprediger Maxi Schafroth, der mit seinem Gitarristen Markus Schalk und entsprechenden Nummern aus seinem Programm "Faszination Allgäu" kommt, und natürlich Reim-Oberschmied, Kalauer-König und Gitarren-Fanatiker Willy Astor. Jeder präsentiert Solo-Teile und spielt dann zusammen mit Schmitt. Und alle bekommen wieder gewissermaßen den musikalischen roten Teppich ausgerollt, einen orchestralen nämlich, dank der Bayerischen Philharmonie unter Leitung von Mark Mast. Mindestens einen Überraschungsgast wird es auch noch geben. In jedem Fall wird es wieder eine große, lange Sause und eben vielleicht noch witziger als sonst.

Martin Schmitt & Friends: "Best of Bayern", Samstag, 22. Februar, 20 Uhr, Philharmonie, Gasteig, Rosenheimer Straße 5

© SZ vom 21.02.2020
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