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Beschluss der Staatsregierung:Was Sie über den neuen Münchner Konzertsaal wissen müssen

Der Standort des neuen Konzertsaals heute.

(Foto: Robert Haas)

Von den Kosten bis zum ersten geplanten Konzert: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Neubau im Werksviertel.

Fast 15 Jahre lange diskutierten Stadt und Land über den richtigen Standort für ein neues Münchner Konzerthaus. Wenn nach so langer Zeit mit dem Votum für das Werksviertel die Sache nun entschieden ist, greift mancher schon gern zum Superlativ. Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) etwa schwärmt schon von "klassischer Musik auf Weltniveau", BR-Intendant Ulrich Wilhelm erwartet im Werksviertel eine "einzigartige Verbindung von Lebensqualität, wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und kultureller Strahlkraft".

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) spricht von einem "guten Tag für die Stadt München", BR-Chefdirigent Mariss Jansons hofft auf einen "fantastischen Konzertsaal in vielversprechender Umgebung". Und Markus Rinderspacher, SPD-Fraktionschef im Landtag, wird mit Blick auf den Standort so richtig pathetisch: "Die Musikmetropole sprengt ihre Fesseln und entledigt sich ihrer Ketten." In der Euphorie wird freilich vergessen, dass noch jede Menge Fragen zu beantworten sind.

Wann wird im neuen Saal das erste Konzert stattfinden?

Im Jahr 2021 - wenn alles reibungslos läuft und die Gutachter von Speer und Partner recht haben. Deutlich eher - wenn es nach Horst Seehofer geht. Er drückte am Dienstag noch einmal aufs Tempo: "Ich sehe nicht ein, warum ein Bebauungsplan erst 2017 fertig sein sollte. Dafür fehlt mir jedes Verständnis. In Deutschland mag das so sein, aber nicht in Bayern", sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Ein idealer Ablauf im Sinne Seehofers wäre wohl: Bis Sommer 2016 sind alle Verhandlungen abgeschlossen und die Bebauungspläne geändert, der Architektenwettbewerb beginnt, 2018 macht er noch als Ministerpräsident den ersten Spatenstich. Die Gutachter sehen den aber eher erst im Jahr 2019. Und wie lange Planung und Bau wirklich dauern, ist kaum kalkulierbar. Der Lenkungsausschuss der Staatsregierung verweist auf vergleichbare Neubauten in Europa und warnt: All das könnte "zum Teil deutlich längere Zeitfenster" beanspruchen.

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Was wird das Projekt kosten?

Das wird erst nach einem Architektenwettbewerb genau zu sagen sein. In der CSU-Landtagsfraktion stellt man sich auf Baukosten zwischen 200 und 300 Millionen Euro ein und verweist auf andere Philharmonien in Europa. Das Konzerthaus in Katowice kostete aber nur 70 Millionen. Fest steht, was der Baugrund im Werksviertel den Steuerzahler kosten dürfte. Besitzer Werner Eckart will das Areal nicht verkaufen, sondern nur in Erbpacht dem Freistaat überlassen.

Das lässt er sich auch gut entlohnen: Der Pfanni-Erbe möchte für das gut 8000 Quadratmeter große Areal, auf dem 15 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen sollen, einen Erbpachtzins von 4,9 Prozent des Bodenwertes. Macht einen jährlichen Pachtzins von fast 600 000 Euro, über 50 Jahre gerechnet also 30 Millionen Euro. Endgültig ausverhandelt sei das aber noch nicht, heißt es von beiden Seiten.

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Wer baut das Konzerthaus?

Der Freistaat wird selbst Bauherr sein. Die Lenkungsgruppe sieht nämlich keine nennenswerten Vorteile darin, private Investoren mit ins Boot zu holen.