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Berufswahl:Traditionelle Klischees

Die bundesweite Veranstaltung Girl's Day (hier ein Bild von 2014) soll Mädchen für naturwissenschaftliche oder technische Berufe begeistern.

(Foto: Marco Einfeldt)

Arzthelferin oder Mechatroniker: Frauen und Männer wählen ihre Berufe noch immer nach klassischen Mustern. Das ändert sich nur langsam

Er Zahnarzt, sie Sprechstundenhilfe - so sieht auch in vielen anderen Berufszweigen die Verteilung der Jobs zwischen Männern und Frauen immer noch aus. Der Blick auf die Zahlen verrät: So schnell wird sich daran nichts ändern, denn auch bei den Berufsanfängern tut sich nur langsam was. Die Berufs- und Studienwahl folgt auch heute noch einem eingefahrenen Muster. Besonders deutlich wird dies an den aktuell beliebtesten Ausbildungsberufen in München, eine Statistik, die von der Agentur für Arbeit herausgegeben wird. Das Ergebnis: Die Mädchen lassen sich zur Bürofachkraft oder medizinischen Fachangestellten ausbilden, die Jungen zum Verkäufer oder Kraftfahrzeugtechniker.

So begannen 2013 in München 203 Männer eine Ausbildung zum Mechatroniker, aber nur 23 Frauen. In der Informatik sieht es ähnlich aus: Nur zwölf Prozent der Azubis waren Frauen. Den Beruf der Arzt - und Praxishilfe wählten hingegen 1027 Frauen, jedoch nur 44 Männer. Auch die Gesundheits-, und Krankenpflege ist fest in weiblicher Hand: So wählten 550 Frauen und 121 Männer diesen Ausbildungsberuf.

Bei den Studenten sind Frauen und Männer inzwischen zahlenmäßig fast gleichauf. Im vergangenen Wintersemester waren an den Münchner Hochschulen 47,2 Prozent aller Studierenden weiblich - im Jahr 1985 waren es noch 38,2 Prozent. Doch auch hier gibt es die bekannte Tendenz, dass Männer eher ein technisches Studium wählen, die Frauen hingegen ein sozial oder wirtschaftlich-orientiertes Studium. Doch uneingeschränkt gilt diese Regel nicht: Immerhin 34 Prozent der Studienanfänger an der Technischen Universität München sind weiblich. Doch auch sie waren im Wintersemester 2014/2015 vermehrt in Medizin (62 Prozent Frauenanteil), Chemie (40 Prozent) und Architektur (56 Prozent) eingeschrieben. In Informatik waren es nur gut 16 Prozent, in Physik machten Frauen einen Anteil von 17 Prozent aus.

Noch schlechter sieht es im Maschinenwesen aus: Nur gut 14 Prozent der Studierenden in diesem Fach sind Frauen. Die Frauenanteil in diesen Studienfächern geht zwar meist nach oben, jedoch quälend langsam. Da ist im Fach Mathematik schon ein passabler Status Quo erreicht: 30 Prozent der Mathestudenten sind weiblich, was das Vorurteil widerlegt, dass Frauen generell mathematiklastige Fächer meiden.

Dass sich deutlich mehr Männer für technische Berufe interessieren, ist nicht überall so. Im europäischen Vergleich gibt es große Unterschiede. Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, hat in einer Erhebung 2012 Interessantes festgestellt. In Italien beispielsweise sind knapp 52 Prozent der Studenten in Mathematik und Naturwissenschaften weiblich. Polen bringt es bei den Ingenieursstudenten auf einen Frauenanteil von fast 32 Prozent. Doch eine Sache ist überall in Europa gleich: Die Wahl des Studienfachs oder des Ausbildungsberufes beeinflusst das spätere Gehalt. Die Münchner Arbeitsagentur berechnete den Mittelwert der Brutto-Gehälter von Männern und Frauen in Vollzeitbeschäftigung, den sogenannten Median. Frauen, die in einer Vollzeit-Beschäftigung arbeiten, verdienen demnach 3280 Euro brutto. Die Männer liegen mit 4295 Euro deutlich vorne.

Diese Unterschiede liegen wohl mehr in der Berufswahl begründet, als in der schulischen Bildung und dem höchsten Bildungsabschluss, den Männer und Frauen erreichen. Dem jüngsten Bildungsbericht für die Stadt aus dem Jahr 2013 zufolge besuchen Mädchen der achten Jahrgangsstufe zu einem deutlich höheren Prozentsatz ein Gymnasium als Jungen. Das spiegelt sich auch in den Abschlusszahlen wieder. 35,8 Prozent der Mädchen eines Jahrgangs machen Abitur, während nur 27,5 Prozent der Jungen die allgemeine Hochschulreife erlangen. Die Studien- und Berufswahl beeinflusst die Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten von Männern und Frauen also stark. Die schulischen Voraussetzungen für Frauen sind da, jetzt müssten sie sich eigentlich nur noch trauen.

In der nächsten Folge lesen Sie am Samstag: "Warum es in der Gastronomie nur so wenige Spitzenköchinnen gibt".