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Berlin-Pendler Georg Fahrenschon:"Ein Schwätzchen im Schreibwarenladen ist Gold wert"

Als neuer Sparkassenchef wird Georg Fahrenschon häufig in Berlin sein. Seine familiäre Basis wird jedoch das Würmtal bleiben. Am Wochenende möchte Fahrenschon seiner Frau sogar den einen oder anderen Einkaufsgang abnehmen.

Neuried ist seit seinem fünften Lebensjahr Heimat von Georg Fahrenschon. Hier lebt der ehemalige bayerische Finanzminister, der am Mittwoch offiziell zum Sparkassenpräsidenten gewählt wurde, mit seiner Frau und den fünf und acht Jahre alten Töchtern. In der Würmtalgemeinde begann die politische Laufbahn Fahrenschons, der 1990 mit 22 Jahren als jüngstes Mitglied für die CSU in den Gemeinderat einzog und dem Gremium bis 2002 angehörte. Selbst als Bundestagsabgeordneter hat der heute 43-Jährige dem Würmtal nicht den Rücken gekehrt. Ob sich das mit dem neuen Amt ändert, erzählt der oberste Sparkassenchef der SZ.

Bayerns Finanzminister wird Gebirgsschütze

Beruflich wird Georg Fahrenschon bald häufiger in Berlin zu tun haben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Werden Sie mit Ihrer Familie nach Berlin ziehen?

Ich werde pendeln. Der Dienstsitz ist in Berlin, aber viele Dinge spielen ja in Frankfurt, Brüssel und deutschlandweit. Die familiäre Basis bleibt das Würmtal.

Sie werden seltener in Neuried sein als bisher - was wird Ihnen denn außer Ihrer Familie besonders fehlen?

Natürlich war die Zeit früher geprägt von kurzen Wegen. Man konnte auch mal Semmeln holen und ins Ministerium fahren. Andererseits war das auch eher selten, da ich als Minister immer sehr früh aufgebrochen und spät heimgekommen bin. Die Vorteile des Würmtals, die Ruhe und die Nähe zur Landeshauptstadt und zum Flughafen, werde ich weiter nutzen.

Im Würmtal konnten Sie früher problemlos ohne Personenschutz in Supermärkten einkaufen. Fürchten Sie, dass Ihr neues Amt Ihnen Freiheiten nimmt?

Die privaten Freiheiten waren als Mitglied der Staatsregierung nicht so ausgeprägt, weil ich einen sehr vollen Terminkalender hatte. Die neue Aufgabe erfordert einen ähnlichen Einsatz, nur ist der Radius ein anderer, der Fokus liegt nicht mehr nur auf München und Bayern, sondern auf Berlin, Frankfurt und Brüssel. Ich werde aber auch in Zukunft versuchen, meiner Frau den einen oder anderen Einkauf am Wochenende abzunehmen, und ein Schwätzchen im Schreibwarengeschäft ist immer Gold wert.

Die Amtsgeschäfte als oberster Sparkassenchef übernehmen sie ja erst Mitte Mai, haben Sie bis dahin mehr Zeit für die Familie als früher?

Ich habe jetzt nicht sechs Monate Urlaub. Als Landtagsabgeordneter vertrete ich in der Nachfolge von Siggi Schneider den Stimmkreis Eichstätt. Andererseits werde ich sparkasseninterne Fragen vorbereiten. Es soll ja kein Kaltstart sein.

In Neuried haben Sie als Kommunalpolitiker begonnen. Schließen Sie eine Rückkehr zu den Wurzeln aus?

(lacht) Also ich bleibe auch in Zukunft ein politischer Mensch. Für den Gemeinderat zu kandidieren wäre allerdings nicht angebracht. Ich werde mit Volldampf die neue Aufgabe angehen. Mit der Klassifizierung, zu sagen, der ist damit für die Politik verbrannt, machen wir aber einen Fehler. Jeder redet immer darüber, dass wir einen stärkeren Austausch zwischen Wissenschaft und Politik und Wirtschaft und Politik brauchen, das ist keine Einbahnstraße.