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Berg am Laim:Schwung drin

Das Bauquartier Baumkirchen Mitte wartet auf früheren Bahnflächen mit ambitionierter Architektur auf. Die Investoren CA Immo und Patrizia retten aber auch die Blauflügelige Ödlandschrecke und den ESV Ost

Von Renate Winkler-Schlang, Berg am Laim

Die ovale Badewanne im Schlafzimmer war natürlich ein Sonderwunsch. Der grandiose Blick von der geschwungenen Terrasse in die Berge und zu den Türmen des Stadtteils und der Stadt, der war jedoch so vorgesehen in der Vorzeige-Wohnung im siebten Stock des Bauquartiers mit dem Namen Baumkirchen Mitte. CA Immo und Patrizia entwickeln gemeinsam die ehemaligen Bahnflächen zwischen Baumkirchner Straße und Leuchtenbergring, und deren Vertreter Ralf Schneider und David Christmann präsentierten nun mit Investorenstolz den vollendeten ersten Bauabschnitt mit 170 Wohnungen, vor dem schon die Möbelwagen stehen: "Alles ausverkauft."

Das Wiener Büro Delugan Meissl Associated Architects hat hier einen Gegensatz geschaffen zu üblichen eckigen Wohnkisten: Diese Fassaden schwingen wie ein liegendes Reptil, die großzügigen weißen Balkone kleben daran "wie die Schuppen an einem Dinosaurier". So zitiert Schneider die Architekten-Prosa. Dinosaurier ist ein gutes Bild, denn die Häuser sind mit sieben und fünf Geschossen höher als die der Umgebung. Das Gebiet wird eng bebaut. Das ist der Blauflügeligen Ödlandschrecke geschuldet: Das aussterbende Insekt hatte sich zwischen den mit einem jungen Birkenwäldchen überwucherten Gleisen im Westen des Gebiets niedergelassen - weswegen diese Fläche von Bebauung frei zu halten war, der Rest dann um so intensiver genutzt werden sollte. Dank der geschwungenen Baukörper entsteht dennoch nicht der Eindruck, das Nachbarhaus rücke einem auf die Pelle. Die Häuser sind so angeordnet, dass jede Wohnung einen Blick auf Grün hat, in jedem Haus ist ein Teil der Dachterrasse Gemeinschaftseigentum.

Auch die Realisierung des zweiten Abschnitts mit 144 Wohnungen schreitet zügig voran. Die Pläne hierfür stammen vom Münchner Büro Robert Meyer Architekten. Den dritten mit 111 Wohnungen gestalten die Münchner Architekten Maisch Wolf. Obwohl die Quadratmeterpreise mit der Marktentwicklung Schritt hielten und in der Vermarktungsphase von 4900 auf 6300 Euro stiegen, gilt auch hier: Nichts mehr zu haben. Im Herbst beginnt der Bau des letzten Abschnitts, zu dem neben 50 Wohnungen ein Hotel und das mit 60 Metern Höhe markante Bürogebäude "Neo" gehören, das das Amsterdamer Büro UN Studio entworfen hat.

Schon fast fertig sind die beiden kleinen Gebäude im Herzen des Quartiers, das eine davon mit goldfarben schimmernden großen Platten versehen: Einstweilen dient es als Baubüro, doch bald schon soll es ein Kristallisationspunkt für die neuen Bewohner werden, sei es als Café oder Nachbarschaftstreff. Wer es ruhiger will, geht spazieren im Wäldchen. Wegen der Blauflügeligen Schrecke ist der Boden tabu, doch es werden Stege gebaut, von denen aus man die Natur genießen darf. Die Bahnrelikte in diesem Gebiet, vor allem eine immer noch funktionsfähige Lok-Drehscheibe, wollen die Investoren erhalten.

Abweisend wie eine Betontrutzburg wirkt derzeit das im Bau befindliche Einkaufscenter an der Baumkirchner Straße, in das Aldi, Edeka und DM einziehen sollen, gekrönt von Parkdecks. Doch Schneider versichert, die Lamellenfassade werde spektakulär.

Sobald der Aldi von der Neumarkter Straße her gezogen ist, kann der Eisenbahnsportverein ESV, dessen niedrige gelbe Bauten wie Fremdkörper in dieser Baustellenwelt wirken, dort drüben neu bauen. Weil der Nachfragedruck für weitere Wohnungen auf den ESV-Flächen aber hoch ist und der Aldi-Bau die Rochade verzögert hatte, bekamen die Sportler von der CA Immo eine Interimshalle hingestellt, die die beiden ESV-Präsidenten Peter Beier und Josef Koch zufrieden präsentieren: Ein guter Probelauf für den Neubau, dessen Pläne sie im Winter einreichen wollen. Bis 2021 entstehen auf den alten ESV-Flächen dann weitere Wohnungen. Am Ende werden es 525 für rund 1200 Bewohner sein und rund 350 Arbeitsplätze.

© SZ vom 14.07.2016

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