Berg am Laim Schwieriges Vermächtnis

Mal sehen: Noch immer ist nicht klar, was aus dem alten Haus wird.

(Foto: Robert Haas)

Die Zukunft des denkmalgeschützten Mahler-Hauses an der Baumkirchner Straße ist weiter ungewiss. Vererbt an die Stadt, soll dort laut Testament eine Kindertagesstätte entstehen

Von Renate Winkler-Schlang

Salvatore Viscomi ist längst weg, seine einst bei allen beliebte italienische Gaststätte namens "Trattoria San Michele" im denkmalgeschützten Mahler-Haus an der Baumkirchner Straße geschlossen. Auf der Webseite lassen sich zwar noch immer die Menüfolgen nachlesen, doch die Telefonnummer funktioniert nicht mehr. Auch an der Ecke des Gartens im Döner-Imbiss, den nicht nur die Schülerinnen der Maria-Ward-Schule schätzten, ist der Grill endgültig erloschen.

Die Vorgeschichte: Luise Mahler-Lenz hatte vor ihrem Ableben im Jahr 2007 testamentarisch festgelegt, dass ihr Haus zehn Jahre nach ihrem Tod ins Eigentum der Stadt München übergehen soll - jedoch mit der Auflage, dass es anschließend als Kindertagesstätte genutzt wird. Sollte die Stadt ihren Wunsch nicht erfüllen können, bleibt das kleine Denkmal im Besitz ihres Adoptivsohns Andreas Dittmann. Luise Mahler-Lenz verband mit diesen Verfügungen die Hoffnung, dass damit das Haus und der Name Mahler der Nachwelt erhalten bleiben. Nun sind seit ihrem Tod zehn Jahre vergangen, das Haus steht leer, aber die Stadt hat das Erbe bislang noch nicht angetreten.

Das Haus ist zwar hübsch, aber auch verwinkelt mit einer engen, steilen Treppe; zudem gibt es drinnen keine Toiletten. Der Sanitär-Anbau, einst genutzt von den Besuchern der ehemaligen Gaststätte, steht auf dem Nachbargrundstück, das Andreas Dittmann ebenfalls geerbt hat und auf dem er auch wohnt. Bereits vor einigen Monaten hatte Dittmann erklärt, dass dieser Anbau in seinem Besitz bleiben und nicht mehr öffentlich zugänglich sein werde. Nicht eben gute Voraussetzungen für eine Kindertagesstätte.

Das zeigt ebenso die Tatsache, dass die Stadt es immer noch nicht geschafft hat, die Möglichkeiten für eine Krippe, einen Kindergarten oder Schülerhort an der Baumkirchner Straße zu prüfen. Für das Sozialreferat, das für solche Erbfälle zuständig ist, stellt Sprecherin Hedwig Thomalla aber klar: "Ziel ist es, die Vorgaben der Erblasserin bestmöglich umzusetzen." Sie erklärt ferner, dass die Stadt genau genommen nicht Erbin, sondern Vermächtnisnehmerin ist. Die Erblasserin habe zur Erfüllung ihres Letzten Willens eine Testamentsvollstreckung angeordnet, nötig sei daher ein notarieller "Vermächtniserfüllungsvertrag"; die Verhandlungen über Einzelheiten liefen derzeit. Letztlich, so Thomalla, muss der Stadtrat über die Annahme des Vermächtnisses entscheiden. Was ihren Worten zufolge aber nicht eilt, da die Fristen bei einer Vermächtnisannahme nicht so eng wie bei einer Nachlassannahme sind.

So darf über die Zukunft des Hauses weiter spekuliert werden. Der Bezirksausschuss hätte dort gerne ein Vereinsheim gesehen und brachte die Idee ins Spiel, dass die Stadt den Letzten Willen von Luise Mahler-Lenz an einem anderen Ort erfüllt und quasi im Tausch das Mahler-Haus für bürgerschaftliche Nutzung öffnet. Doch es scheint mehr als fraglich, dass sich der Testamentsvollstrecker auf eine solche Lösung einlässt, selbst wenn die Stadt sich dafür stark machen würde - was sie aber bislang nicht öffentlich als Ziel formuliert hat.

So blieb dem Bezirksausschuss, der fürchtete, dass die Stadt den Garten mit Sanitäranlagen für eine Kita zubaut und damit den Blick aufs denkmalgeschützte Haus verstellt, nur ein Versuch der Schadensbegrenzung: Das Gremium beantragte, auch den Garten für sich als Denkmal anerkennen zu lassen - und scheiterte: Die Grünfläche ist kein "schützenswerter Kleinpark". Bezirksausschuss-Vorsitzender Robert Kulzer (SPD) ärgert sich, dass er nicht mehr in Erfahrung bringen kann, seine Prognose aber lautet: "Die Stadt wird sich das Erbe nicht entgehen lassen."