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Berg am Laim:Kritik, die in die Tiefe geht

Der Bezirksausschuss Berg am Laim appelliert an die Deutsche Bahn, sich beim Bau der Daglfinger und Truderinger Kurve aus Lärmschutzgründen für eine unterirdische Variante einzusetzen. Probleme bereitet auch die Unterführung an der Thomas-Hauser-Straße

Von Renate Winkler-Schlang, Berg am Laim

Für die Bahn ist das Projekt Daglfinger und Truderinger Kurve eines zur Verbesserung der Effektivität im Güterverkehr. Ob es für Einrichtungen und Bürger Berg am Laims zu Be- oder Entlastung führt, muss der Bezirksausschuss jedoch erst noch ausloten. Das Projekt ist im Stadium der Vorplanung, die Bezirksausschüsse der angrenzenden Stadtteile Berg am Laim, Bogenhausen und Trudering-Riem sollen frühzeitig informiert werden. So früh, dass die Berg am Laimer nun hoffen, ganz grundlegend Einfluss nehmen zu können: Sie schlagen eine Tieferlegung nicht nur der auf ihrem Terrain verlaufenden Gleise vor, sondern möglichst komplett zwischen Schatzbogen und Johanneskirchen.

Noch stehen hier die Pferde auf der Weide. Die Pläne der Bahn könnten einige Veränderungen bringen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Auslöser für die kühne Idee war ein Antrag der CSU-Fraktion, die laut ihrem Sprecher Fabian Ewald eine "unterirdische Ausführung" für die Truderinger Kurve, die auf Berg am Laimer Flur verläuft, geprüft sehen wollte. Nur so könne auch der Lärmschutz gewährleistet sein. Verkehrsausschusssprecher Hubert Kragler (Grüne) hielt das für unrealistisch: Die Bahn spreche von Zügen mit bis zu 700 Metern Länge, diese könnten gerade in der Kurve nicht mehr als zwei Prozent Steigung bewältigen. "Ein schöner Antrag, aber das geht sich nicht aus", sagte Kragler.

Die Unterführung an der Thomas-Hauser-Straße bereitet Probleme.

(Foto: Stephan Rumpf)

Rudolf Breuer (ÖDP) jedoch dachte größer: Warum nicht einen ganz neuen Verlauf zugrundelegen, am Schatzbogen schon unter die Erde mit den Zügen, an der Thomas-Hauser-Straße keine neue Über-, sondern eine Unterführung bauen? "Ich habe es durchdacht, ich denke, es geht", sagte Breuer. Tempo 80 wäre für die Züge dann leicht möglich. Und oberirdisch wäre das Gleis zwischen Daglf ing und Haar entbehrlich. Keine Planung würde mehr den künftigen Fußballplatz des Eisenbahnsportvereins ESV Ost durchschneiden, die heute getrennten Stadtviertel könnten zusammenwachsen etwa durch einen Radweg auf dem heutigen Gleiskörper. Verabschiedet wurde letztlich der Appell an Bahn und Stadt, sich für eine "funktionierende unterirdische Variante" einzusetzen. Noch sei ja nichts in Stein gemeißelt, sagte Fabian Ewald: "Wenn wir den Antrag nicht verabschieden, verbauen wir uns einen Haufen Chancen."

Der Hüllgraben, so die Bahn, werde weiterhin mit Wasser aus dem Hachinger Bach versorgt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Bezirksausschuss hatte sich allerdings auch mit der oberirdischen Vorplanung auseinandergesetzt und einige Anmerkungen und Wünsche. Der Vorsitzende Robert Kulzer (SPD) nannte als ersten Punkt die bestehende schmale Unterführung an der Thomas-Hauser-Straße. Diese solle "bedarfsgerecht" ausgebaut werden. Was das bedeutet, darüber gingen im Gremium allerdings die Meinungen auseinander: SPD und Grüne wollten mehr Platz oder sogar eine Zusatz-Röhre für Radler und Fußgänger, die CSU einen zweispurigen Ausbau, denn gerade wenn der Sportplatz des ESV gebaut sei, werde der Verkehr zunehmen. SPD und Grüne aber fürchteten Schleichwegverkehr und argumentierten, dass die Eltern die Kinder nur dann mit dem Auto zum Kicken fahren würden, wenn die Straße durch einen Ausbau noch gefährlicher würde. Kragler jedoch dämpfte sämtliche Erwartungen: Für das Kurvenbauwerk werde eine zusätzliche Unterführung nötig, ob die Bahn die bestehende überhaupt antasten wolle, sei keineswegs sicher.

Stichwort ESV: Dieser dürfe nicht Leidtragender der Bahnkurve sein, da waren sich alle einig. Die Baupläne für den Fußballplatz dürften weder verzögert noch gefährdet werden, er müsse zu jeden Zeitpunkt der Bauarbeiten erreichbar sein und bleiben. Dasselbe gelte für die Pädagogische Farm. Die Verwahrstelle für abgeschleppte Autos allerdings sei an der Thomas-Hauser-Straße nicht gerade an der richtigen Stelle, finde man für sie einen verkehrsgünstigeren Standort, könne man sich eine sinnvollere Nutzung der Fläche mit weniger Verkehr überlegen. Gut fand der Bezirksausschuss, dass es eine Wegeverbindung für Radler und Fußgänger im Gleisdreieck geben solle.

Für die oberirdische Variante müsse auf jeden Fall ein ausreichendes Lärmschutzkonzept erarbeitet werden, so der Bezirksausschuss weiter. Im Rahmen des Projekts solle die Bahn ferner darüber nachdenken, den U-Bahnhof Moosfeld zu einem S-Bahnhof auszubauen. Zumindest müsse ein späterer Ausbau möglich bleiben.

Zu Diskussionen kam es dann über die Auswirkungen auf den Hachinger Bach. Die CSU hatte moniert, dass der Hachinger Bach für zwei Kilometer Länge vier Meter tief unter die Erde gepumpt werden müsse. Dabei aber würde alles, was in dessen Wasser lebe, sterben, Renaturierung sehe anders aus. Doch Kulzer und Kragler, die bei der Infoveranstaltung der Bahn für die Bezirksausschüsse anwesend waren, hatten die Projektleiter anders verstanden: Gerade weil diese Pumpen-Lösung so unökologisch wäre, wolle die Bahn dem Bach in einem offenen Bett einen ganz anderen Verlauf in Richtung Trudering und Kirchtrudering geben. Nur der Hüllgraben, der sich aus dem Wasser des Hachinger Baches speise, wäre dann wohl nicht mehr da, meinte Kulzer. Mit knapper Mehrheit beschloss das Gremium, solche Pläne für den Bach zu begrüßen.

Die Bahn erklärt dazu, der Hachinger Bach solle nicht in vier Meter Tiefe gepumpt werden, es werde gelingen, an der neuralgischen Stelle "vorbeizukommen", der Hüllgraben sei laut Wasserwirtschaftsamt wichtig und werde auch weiter mit Wasser aus dem Bach versorgt. Die von den Berg am Laimern erhoffte komplette Tieferlegung der Kurve werde nicht möglich sein, obwohl das neue Gleis etwa in Höhe Schatzbogen beginne abzutauchen: Das bestehende Gleis bleibe unangetastet. Und was die Unterführung Thomas-Hauser-Straße betreffe, so sei für sie die Stadt als Straßenbaulastträger zuständig. Dazu liefen aber derzeit Gespräche.

© SZ vom 06.03.2019

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