Berg am Laim Kleines Format, großes Wissen

Die neue Ausgabe der Reihe "Kulturgeschichtspfad" stellt Berg am Laim in den Mittelpunkt. Auf 120 Seiten erzählt die Autorin Karin Pohl Geschichten und Details - selbst Alteingesessene lernen noch dazu

Von Renate Winkler-Schlang, Berg am Laim

Es soll wirklich Münchner, sogar Stadträte geben, die Berg am Laim mit Laim verwechseln. Das jedenfalls kolportierte der Grünen-Stadtrat Florian Roth bei der Vorstellung einer neuen Ausgabe der Reihe "Kulturgeschichtspfad", diesmal für Berg am Laim, im großen Pfarrsaal an der Baumkirchner Straße während eines Empfangs des Bezirksausschusses. Und wer einmal das kleine, inhaltsstarke rote Heftchen zur Hand genommen habe und mit Muße und Interesse durch Berg am Laim gegangen sei, der werde für immer vor solch einem Irrtum gefeit sein, prophezeit Florian Roth. Er jedenfalls, erzählt er, verwendet diese handlichen Führer gerne für seine "Bildungsreise durch die Stadtbezirke"; die Berg-am-Laim-Ausgabe ist die Nummer 20 der insgesamt geplanten 25 Hefte. Und auch mancher der Gäste, sei es aus dem Bezirksausschuss oder von sozialen Einrichtungen oder Vereinen, wird - da ist er sich sicher -, aus dem von Karin Pohl erarbeiteten Stadtviertel-Führer noch Neues erfahren. Er zum Beispiel kennt nach eigenem Bekunden nun das schier unaussprechliche Wort "Pouminunchirihun": Unter diesem Namen ist Baumkirchen, einer der Teile Berg am Laims, im Jahr 870 zum ersten Mal erwähnt worden.

Hubert Kragler (Grüne), Stellvertreter des Bezirksausschussvorsitzenden Robert Kulzer (SPD), hatte sich für die Erarbeitung des Büchleins eingesetzt; das Kulturreferat hatte den Führer laut Kragler bis dahin nicht in Auftrag gegeben, weil man dort der Meinung war, den gebe es doch "schon längst". Nun ist auch Kragler begeistert von dem Ergebnis.

Das Besondere, das Typische, habe sie herausarbeiten und bei Einheimischen und "Auswärtigen" aus anderen Vierteln gleichermaßen die Neugier wecken wollen, erklärt die Autorin. Typisch für Berg am Laim sind die urbanen Strukturen im Westen und die teilweise noch dörflichen im Osten. Deshalb hat Karin Pohl zwei Spaziergänge erarbeitet, die man kombinieren oder abschnittsweise absolvieren kann.

Sport anno dazumal: Katholische Schülerinnen turnen im Jahr 1914 mit Stäben, rechts im Hintergrund der Turm der Loretokirche.

(Foto: Stadtarchiv München)

Der erste führt von der Baumkirchner Straße über das frisch renovierte Barockjuwel St. Michael, erbaut vom genialen Johann Michael Fischer, bis zur inzwischen fertig umgestalteten Maikäfersiedlung. Die kleine Kirche St. Stephan mit dem historischen Friedhof liegt auf dem Weg, der idyllische Behrpark mit der alten Fabrikantenvilla der Familie Behr im Hintergrund, der Grüne Markt, das Weiße Bräuhaus, das historische Mahlerhaus. Man passiert die frühere Loretokirche, heute Heimat der koptisch-orthodoxen Gemeinde und nach dem Märtyrer St. Mina benannt. Wer der jüdischen Mitbürger, die einst in Berg am Laim lebten, gedenken will, macht einen Abstecher in die Else-Rosenfeld-Straße. Im damaligen Kloster und heutigen Altenheim der barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul war das Lager, aus dem heraus viele deportiert wurden. Else Rosenfeld hat ihnen beigestanden.

Pfanni, Zündapp, die Dynamit AG, Franz Kathreiners Nachfolger: Mit diesen bekannten Namen verknüpft ist das ehemalige Industrieviertel hinter dem Ostbahnhof; dort entsteht derzeit das neue Werksviertel. Die Cognacbrennerei Macholl war Vorgängerin der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) an der Streitfeldstraße, die auch schon Geschichte ist. Es gibt viel zu sehen unterwegs, vieles ist aber verschwunden: Historische Aufnahmen in dem 120 Seiten starken Bändchen samt ausklappbarer Karte ergänzen den Rundgang. Wer noch mehr wissen will, etwa über die ehemaligen Ziegeleien, kann den Spaziergang um die Tipps im "Themengeschichtspfad Ziegel" ergänzen.

Karin Pohl empfiehlt allen, Berg am Laim nicht nur aus der 19er-Tram anzuschauen: "Aussteigen lohnt sich." Unterstützt wurde sie bei ihren Recherchen unter anderen von der Historikerin Christl Knauer-Nothaft, die sie durchs Viertel führte und mit Archivmaterial versorgte. So sei die Arbeit auch für sie ein "erkenntnisreicher, intensiver Lernprozess" gewesen.

"Kulturgeschichtspfad" Berg am Laim: Den Stadtteilführer gibt es kostenlos unter anderem im Stadtteilladen, Baumkirchner Straße 20.