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Berg am Laim:In die Jahre gekommen

Alten- und Servicezentrum in München, 2019

Die Zahl der 70- bis 74-Jährigen wird in berg am Laim binnen 20 Jahren um gut 45 Prozent steigen.

(Foto: Allessandra Schellnegger)

Politiker fordern zusätzliches Alten- und Service-Zentrum

Allseits geschätzt, auch in Coronazeiten, kommt das Berg am Laimer Alten- und Service-Zentrum (ASZ) doch langsam selbst in die Jahre, schließlich war es unter den ersten derartigen Anlaufstellen für Senioren, die vor 40 Jahren in München entstanden. Der Bezirksausschuss fordert nun ein zusätzliches, komplett barrierefreies ASZ, eingebettet in einen generellen Ausbau der sozialen Infrastruktur fürs wachsende Viertel.

Großer Redebedarf im Plenum herrschte nicht mehr, nachdem sich CSU, Grüne und SPD vorab auf ein Papier geeinigt hatten, das auf einer DIN-A-4-Seite eine regelrechte Großoffensive skizziert und begründet: Neben dem zweiten ASZ fordert der BA ein Seniorenheim mit vollstationärer Pflege, mehr Kindergarten- und Krippenplätze, sowie eine zusätzliche Grundschule. Dringend nötig werden die neuen Einrichtungen mit der im Viertel umstrittenen Bebauung des "Truderinger Ackers", wo rund 820 Wohnungen geplant sind. Auf der 6,8-Hektar-Fläche an der Truderinger Straße wäre das ASZ auch gleich am besten aufgehoben, im Bebauungsplan-Entwurf taucht es, zur Enttäuschung der Stadtteilvertreter, bislang nicht auf. Eine neue Chance hat sich unterdessen im Sommer aufgetan, als der bekannte Sportmode-Hersteller Bogner nach 70 Jahren im Viertel den Verkauf seiner Zentrale am Nordende der St.-Veit-Straße ankündigte. Die Stadt solle das Areal kaufen und dort beispielsweise neue Kapazitäten in der Kinderbetreuung schaffen, "um den schlechten Versorgungsgrad im Viertel dem städtischen Schnitt zumindest von unten anzunähern", wie es im BA-Papier heißt. "Denkbar und nötig" sei dort, einen halben Kilometer vom Truderinger Acker entfernt, nicht zuletzt auch der Bau einer weiteren Grundschule, zusätzlich zum beschlossenen Standort an der St.-Veit-Straße 46, einen Kilometer weiter südlich.

Am anderen Ende der Altersskala hapert es aus BA-Sicht ebenfalls grundsätzlich: Eine Bedarfsermittlung von 2016 bescheinigt der Sozialregion Berg am Laim Unterdeckung an vollstationären Pflegeplätzen, die durch künftige Bauvorhaben noch einmal verschärft werde. Als Reaktion hatte der BA seinerzeit 14 Grundstücke als Standort vorgeschlagen, die allesamt wieder aus der Planung ausschieden. Der Demografie-Bericht 2019 geht währenddessen davon aus, dass die Zahl der 70- bis 74-Jährigen in den nächsten 20 Jahren um gut 45 Prozent steigen wird, die der 70- bis 74-Jährigen immer noch um gut 30 Prozent. Für ein weiteres ASZ sprechen, abgesehen von der Bevölkerungsstatistik, die heutigen Standards an Barrierefreiheit. Eine entsprechende Sanierung der Räume an der Berg-am-Laim-Straße, insbesondere der dringend nötige Einbau eines Lifts, scheiterte bisher an der fehlenden Einwilligung der Eigentümergemeinschaft.

© SZ vom 13.10.2020 / raj

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