Berg am Laim Das könnte Ärger geben

Nur eine vage Ahnung, wie das Baugebiet an der Truderinger Straße aussehen wird, vermittelt der Sieger-Entwurf.

(Foto: 03 Architekten und realgrün Landschaftsarchitekten)

Auf der letzten großen Baufläche in Berg am Laim an der Truderinger Straße sollen 850 Wohnungen entstehen. Die Lokalpolitiker üben Kritik am städtebaulichen Wettbewerb: "Bürgerbeteiligung mit Füßen getreten"

Von Renate Winkler-Schlang, Berg am Laim

- Wenig erfreut ist der Berg am Laimer Bezirksausschuss vom Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs für den sechs Hektar großen Acker südlich der Truderinger Straße, den wie berichtet, das Münchner Büro 03 Architekten mit Realgrün Landschaftsarchitekten gewonnen hat. Dort entstehen nun bis zu 850 Wohnungen in Gebäuden, die locker um fünf Innenhöfe gruppiert werden. Eines soll 15 Stockwerke hoch werden.

Entsetzt waren die Bürgervertreter vor allem von der Zahl 850, war doch im Januar bei dem Workshop zu dem von der Büschl Unternehmensgruppe entwickelten Projekt von 750 bis "maximal" 800 Wohneinheiten die Rede gewesen - und auch da konnten sich die Bürger schon nicht vorstellen, wie der zusätzliche Verkehr zu bewältigen sein werde. Die Vertreterin des Planungsreferats hatte nur auf die Nähe zum S-, Tram- und Bushalt Berg am Laim verwiesen. Johann Kott (CSU) erklärte den Bürgerworkshop nachträglich für obsolet: "Nichts davon wurde hier umgesetzt." "Da wurde Bürgerbeteiligung mit Füßen getreten", ergänzte CSU-Sprecher Fabian Ewald: "Das wird in der Umgebung Ärger geben."

Auch der Vorsitzende Robert Kulzer (SPD), der im Preisgericht eine Stimme hatte und dort für diesen Entwurf votierte, erklärte, er habe es nicht getan, weil dies der Beste, sondern weil er unter den fünf Vorschlägen, die von den 13 eingereichten in die engere Wahl gekommen waren, eine Art "kleines Übel" gewesen sei. Andere Planer hätten auf durchgehend höhere Häuser gesetzt, was sich noch weniger in die Umgebung mit niedrigen Ein- und Zweifamilienhäusern im Osten der Roßsteinstraße eingefügt hätte. Vorgeschlagen worden seien zum Teil "Monumentalbauten und Architekturschauen".

Kulzer zeigte sich ernüchtert und resigniert: Das einzig Positive sei, dass so schnell kein weiterer Wettbewerb anstehe, denn das war die letzte große Fläche für Wohnungsbau in Berg am Laim. Er mache sich aber nach diesem Erlebnis schon Gedanken über die Zusammensetzung solcher Jurys, wo stets die Fachpreisrichter aus der Architektenschaft und dem Planungsreferat die Sachpreisrichter aus Stadtrat und Bezirksausschuss dominieren. Die Architekten kennen sich oftmals untereinander, so Kulzer, mal sei der eine der Einreichende und der andere Juror, im nächsten Fall umgekehrt. Aber auch von den Stadträten sei nicht jeder ortskundig. Kulzer sagte, er fände es besser, wenn, gefunden durch Zufallsverfahren, auch Vertreter der Nachbarschaft in solchen Jurys säßen: "Die müssen am Ende damit leben."

Kulzer glaubt aber, dass der Siegerentwurf ohnehin noch geändert werden muss, denn er habe die Freiflächen für die drei geplanten Kitas in den Innenhöfen platziert. Das werde die neuen Bewohner stören und setze die Kinder auf den Präsentierteller. Platziere man die Kita-Freiflächen aber anders, würden die für die Allgemeinheit dezimiert mit der Folge, dass vielleicht nicht mehr ganz so viele Wohnungen machbar seien. Auch Kulzer verwies auf den Verkehr, schließlich prophezeie eine Studie schon jetzt eine Verdoppelung der Autozahlen auf der Baumkirchner Straße von jetzt 10 000 am Tag auf 20 000 in einigen Jahren und eine Erhöhung auf der Berg-am-Laim-Straße von 26 000 auf 35 000 Autos. Auf ein umfassendes Verkehrskonzept warte man bis heute vergebens.

Der Bezirksausschuss fasste zudem drei das Baugebiet flankierende Beschlüsse: Prüfen soll die Stadt einen von Kulzer und Verkehrsausschuss-Sprecher Hubert Kragler (Grüne) beantragten Fußgänger- und Radlersteg über die Baumkirchner Straße auf Höhe des Rosenheimer Bahndamms, sodass man weitgehend im Grünen bis zum Leuchtenbergring gelangen könne. Kulzer und Kragler beantragten ferner den "verkehrssicheren und ordnungsgemäßen Ausbau der Truderinger Straße" entlang des Ackers und letztlich bis zum Schatzbogen mit beidseitigen Rad- und Fußwegen, Bäumen und Parkbuchten. Sollten dafür private Flächen nötig sein, müsse die Stadt sich die schnell sichern.

Einen Wunsch aus dem Kinder- und Jugendforum übernahm Thorsten Bötzow (SPD): An der Truderinger Straße/Schwanhildenweg, wo jetzt noch der ESV seinen Fußballplatz hat, solle nach dessen Umzug an die Thomas-Hauser-Straße ein Bolzplatz mit festen Toren oder notfalls eine Bolzwiese eingerichtet werden. Dieses Areal solle auch während der Bauarbeiten den Kindern zur Verfügung steht und dürfe nicht als Baumateriallager dienen.

Kulzer berichtete, es werde "noch vor der Sommerpause" eine neuerliche Infoveranstaltung für die Nachbarn geben.