bedeckt München 17°

Berg am Laim:Andachtsstätte in desolatem Zustand

Historikerin hofft auf schnelle Sanierung von 14 Kreuzweg-Stelen

Von Julian Raff, Berg am Laim

Dass die am Tag des offenen Denkmals am 13. September geplante Führung durch den Kreuzweg zwischen St. Michael und Maria-Ward-Realschule coronabedingt ausfallen musste, schmerzt Christl Knauer-Nothaft doppelt, hätte der Termin doch nicht nur der stadtweit einmaligen Andachtsstätte mehr Aufmerksamkeit verschaffen können, sondern auch ihrem desolaten Zustand. Seit Jahren setzen sich die Historikerin und der Bürgerkreis Berg am Laim dafür ein, die 158 Jahre alten 14 Bildstelen restaurieren zu lassen und öffentlich zugänglich zu machen, etwa durch Abzäunung vom Schulgelände, das der Weg umrahmt. Es bleibt ein kompliziertes Unterfangen.

Die Bildsäulen wurden 1862 im Auftrag der Englischen Fräulein durch die Mayrsche Hofkunstanstalt errichtet, für die Klosterfrauen selbst und für ihre Schülerinnen. Die gemauerten Stelen mit ihren Kupferdächern und den Bildreliefs waren bereits nicht mehr im besten Zustand, als das Kloster 1986 wegen Nachwuchsmangels aufgegeben wurde und die Erzdiözese München und Freising das Gelände kaufte, das heute zur Maria-Ward-Realschule gehört. Die Relieftafeln wurden auf Betreiben des Bürgerkreises und des Bezirksausschusses (BA) zunächst abmontiert und in der Nähe wetterfest eingelagert. Das Bauamt des Ordinariats hat sie 2019 zwecks einer Restaurierung abgeholt, für die sich inzwischen auch der Landesdenkmalrat einsetzt. Dabei müssten sowohl die Tafeln als auch die Stelen wieder hergestellt werden.

Der BA hat signalisiert, die Erzdiözese bei der Sanierung und Restaurierung finanziell zu unterstützen, nachdem die Zulässigkeit eines solchen Zuschusses zunächst unklar schien. Voraussetzung wäre, dass eine Kirchengemeinde oder die Diözese selbst einen entsprechenden Antrag stellt. Knauer-Nothaft appelliert dringend an alle Beteiligten, die Sanierung anzugehen, bevor der kommende Winter weiter an den Stelen nagt.

© SZ vom 14.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite