Ein Adventsrätsel: Wie verwandelt man das Foyer des Herkulessaals in einen Weihnachtsmarkt? Letztlich braucht man nur ein paar prominente Leute, die sich ein Körbchen an den Arm hängen und darin gestapeltes Naschwerk verkaufen. Die ambulanten Plätzchenbuden dienen einem guten Zweck – dem Advents-Benefizkonzert von BMW, das heuer zum dreißigsten Mal stattfindet. Während sich der Raum am Dienstagabend immer mehr füllt, es immer schwieriger wird, mit Keksen oder ohne durchzukommen, hört man immer wieder diese Frage: Kommt auch sie ins Konzert?
Schließlich meint man, am Eingang eine schwedische Flagge erspäht zu haben. Aber bis sich das klärt, dauert es noch ein wenig. Unterdessen schiebt sich Johannes Berzl durch die Sekt trinkende Menge. Der Schauspieler, bekannt aus dem Eberhofer-Film „Guglhupfgeschwader“, hat heute wenig Glück, wie er meint. Da tänzelt Tiger Kirchharz vorbei: Sie könne sich nicht beklagen. Nussecken verkaufen sich besonders gut, meint die Tänzerin und Choreografin. Als Musikliebende freut sie sich besonders auf das Konzert, das vom Bayerischen Staatsorchester gespielt wird. Welche Weihnachtsmusik sie in Tanz-Laune bringt? „Eigentlich jede! Ich kann gar nicht verstehen, wie man im Konzert ruhigen bleiben kann.“ Zu Tschaikowski wird sie später im Takt nicken. Vorerst springt sie mit einem „Wollen Sie was kaufen?“ davon.

Gemessener bewegt sich Oliver Bierhoff durch die Foyer-Gesellschaft. Der heutige Fußball-Funktionär muss nicht weit gehen. Die Interessierten kommen auf ihn zu: „Herr Bierhoff, haben Sie einen Stern für mich?“, fragt eine Frau im Paillettenkleid. Leider nicht, nur noch Plätzchen mit Nuss. Er selbst gönne sich derlei Gebäck nur selten. Die alte Fußballer-Disziplin hat ihn nicht verlassen. Und der Münchner Fußball-Monarch Uli Hoeneß lässt noch schnell wissen, ehe es in den Saal geht, dass daheim an Weihnachten zwar nicht musiziert, dafür aber schon gesungen werde. Und schon ertönt die Saalglocke.
„So groß war’s noch nie!“, sagt Bernd Döpke, Leiter der BMW-Niederlassung München. Dieses Jahr wird für zwei gute Zwecke musiziert und gespendet: Für die Deutsche José-Carreras-Leukämie-Stiftung, die mit dem gespendeten Geld im Kinderklinikum Schwabing ein interaktives Forschungslabor aufbauen will. Und wie essenziell der Aufbau einer geeigneten Forschungs- und Behandlungs-Infrastruktur ist, zeigt nicht zuletzt der Fall von Tobias. Es ist bewegend, wie der Dreizehnjährige auf der Bühne des Herkulessaals von seiner Leukämie-Diagnose und der durchgestandenen Therapie erzählt.
Die andere Spendenempfängerin des Abends ist die World Childhood Foundation, die sich für den Schutz von Kinderrechten einsetzt. Auch mit einem Childhood-Haus in München, in dem Opfer sexueller, körperlicher und seelischer Gewalt einen Schutzraum finden. Die Stiftung wurde 1999 von Schwedens Königin Silvia ins Leben gerufen. Das Stichwort ist gefallen, denn ja, sie ist da. Bernd Döpke bittet, sich zu erheben und zu den Klängen der schwedischen Hymne schreitet die Monarchin zu ihrem Platz. In ihrer Begrüßung erinnert sie an die Kinder, „für die Nähe nicht Geborgenheit bedeutet, sondern Gefahr“, aber auch an ihre unzähligen inspirierenden Begegnungen mit Kindern, in denen sie die Kraft der Hoffnung gesehen habe.

So ist der Boden bereitet für das Klangfeuerwerk, mit dem das Bayerische Staatsorchester unter seinem Chef Vladimir Jurowski den Saal begeistert: Engagiert musizierter Bach, vielfarbiger Tschaikowski. Das ist große Musik, aber vereinzelt kommt Unruhe auf, Ungeduld, weil man doch vor allem die drei Weltstars sehen will. Immerhin, zu dem Potpourri aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ tritt Diana Damrau auf, mit strahlendem Lächeln und strahlendem Sopran singt sie die Sandmann-Arie.
Auch Jonas Kaufmann entzückt erwartungsgemäß. Im glühweinfarbenen Sakko singt er Weihnachtslieder mit edel verdunkeltem Tenor, ehe sich ein weiterer emotionaler Höhepunkt des Abends anbahnt. Denn nicht nur die Gründerin der World Childhood Foundation verleiht dem Event Glanz, auch José Carreras lässt es sich nicht nehmen, an diesem Abend da zu sein. Der 79-jährige Sänger, global bejubelt als einer der „Drei Tenöre“, geht über die Bühne, ein feiner, vorsichtig auftretender Mann. Und auch die Stimme trägt noch, wenn er die Arie „Rosó“ aus der Oper des Mit-Katalanen Josep Ribas in expressive Phrasen fasst.
Das Publikum springt zu Ovationen auf und erklatscht sich noch zwei Zugaben, die das Sänger-Trio gemeinsam anstimmt. Ein gelungener Schlusspunkt. Nur eine Frage ist noch offen. Aber da kommt schon ein Riesen-Scheck auf die Bühne: Es ist noch einiges dazugekommen. 231 000 Euro Spenden hat das Konzert bis zu diesem Moment erbracht, dank brillanter Musik, fleißiger Plätzchen-Verkäufer und royaler Präsenz.

