Kunst gegen den Krieg:"Musik beginnt da, wo Worte aufhören"

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Kunst gegen den Krieg: Seit vielen Jahren engagiert sich Anne-Sophie Mutter für die Kinderrechtsorganisation "Save The Children". Am 8. März spielt sie in der Isarphilharmonie.

Seit vielen Jahren engagiert sich Anne-Sophie Mutter für die Kinderrechtsorganisation "Save The Children". Am 8. März spielt sie in der Isarphilharmonie.

(Foto: Barbara Gindl/dpa)

Die drei großen Münchner Orchester und die Geigerin Anne-Sophie Mutter geben ein Benefizkonzert. Die Erlöse gehen an die Organisation "Save The Children".

Von Paul Schäufele, München

Dass der Krieg in der Ukraine auch ein Krieg der Bilder ist, wurde in den vergangenen Tagen häufig beschrieben. In Echtzeit wird die Zerstörung dokumentiert, werden Menschen gezeigt, die Panzern mit ihrem Körper den Weg versperren, Großmütter, die Molotow-Cocktails basteln. Kinder gehören nicht zu den Protagonisten des Kriegs. Die Gruppe, die am meisten des Schutzes bedarf und den größten Gefahren ausgesetzt ist, droht aus dem Bild zu fallen. Umso wichtiger sind deshalb konkrete, materielle Hilfe und Betreuung und ein Signal, das die Aufmerksamkeit auf die Kinder im Kriegsgebiet richtet wie auf die Kinder, die ihr Land als Flüchtlinge verlassen müssen. Deshalb kommen Musikerinnen und Musiker der drei großen Münchner Orchester am Dienstag, 8. März, von 20 Uhr an unter dem Dirigat von Lahav Shani in der Isarphilharmonie zusammen, um mit der Jahrhundertgeigerin Anne-Sophie Mutter zu spielen. Der Erlös des Benefizkonzerts geht vollständig an "Save the Children".

Seit vielen Jahren engagiert sich Anne-Sophie Mutter für die Kinderrechtsorganisation, die schon seit dem Beginn des Konflikts in der Ukraine 2014 Hilfe für das von Krieg und Gewalt verletzte Land bündelt. Doch mit dem Überfall des Putin-Regimes wurde die Lage für mehr als sieben Millionen Kinder im ganzen Land bedrohlich, auch in den Gebieten, die aktuell nicht von Kampfhandlungen betroffen sind. Die aktuell niedrigen Temperaturen gefährden die Familien zusätzlich, zumal jene, die sich auf die Flucht vor der Gewalt machen. "Save the Children" versorgt sie und ihre Mütter mit Nahrungsmitteln, Decken und Heizmaterial, Hygienesets, Windeln, Schutzmasken und Spielzeug. Doch der emotionale Stress, den ein Krieg und eine Flucht, die damit verbundene Trennung der Mütter von ihren Ehemännern und Partnern und der Kinder von ihren Vätern in den Seelen anrichtet, ist damit noch nicht berührt. Fachleute der Organisation versuchen daher, die traumatischen Folgen durch psychologische Betreuung abzumildern.

Die global agierende Nichtregierungsorganisation arbeitet dazu mit Partnern in der Ukraine und den Nachbarländern wie Rumänien und Polen, um eine Versorgung mit dem Nötigsten zu erreichen und den Kindern eine Atempause vom Schrecken zu ermöglichen. Ein Handeln in der Ukraine ist derzeit kritisch, wird aber aufrechterhalten. Dutzende Mitarbeiter von "Save the Children" und den Partnerorganisationen sind noch dort. Es kommt darauf an, verstärkt in den Krisengebieten helfen zu können, sobald dies wieder machbar ist. Darum geht es auch mit dem Erlös des Münchner Benefizkonzerts. "Das Geld soll so weit wie möglich vor Ort eingesetzt werden, was momentan schwierig ist. Doch wir müssen auch immer so vorbereitet sein, um uns jederzeit ausbreiten zu können", sagt Florian Westphal, Vorsitzender von "Save the Children" in Deutschland.

München ist eine Partnerstadt Kiews. Auch das soll sichtbar und hörbar werden

Doch die Mittel sind begrenzt. Umso wichtiger sind Konzerte wie das in der Isarphilharmonie. Es ist ein starkes Zeichen, die drei großen Orchester Münchens, die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und das Bayerische Staatsorchester, mit ihren so unterschiedlichen Klangcharakteren zu vereinen. München ist eine Partnerstadt Kiews, auch das soll auf diese Weise sichtbar und hörbar werden. Ob Musizierenden in diesen Zeiten eine besondere Rolle zukommt? Anne-Sophie Mutter sieht es allgemeiner: "Zuallererst sind wir Menschen. Wir haben nur zufällig das Privileg, herumreisen zu dürfen und als Botschafter tätig zu sein. Auch wenn es abgedroschen klingt: Musik hat eine völkerverbindende Wirkung, denn Musik beginnt da, wo Worte aufhören." In diesem Sinne werden alle internen und persönlichen Konflikte beiseitegeschoben. Worum es geht, ist größer.

Ein reines Beethoven-Programm scheint deshalb angemessen. Warum sich Menschen gerade diesem Komponisten zuwenden, wenn die Not am größten ist, lässt sich begründen. "Beethoven greift dem Schicksal in den Rachen. Diese Stärke Beethovens zeigt sich gerade in der fünften Symphonie und dem etwa zur selben Zeit entstandenen Violinkonzert. Beethoven, ein Kind der Aufklärung und stark beeindruckt von der Französischen Revolution, setzt hier ein Zeichen für Freiheit und Gleichheit. In diesem Sinne spielen wir gegen den Wahnsinn des Krieges - es soll eine musikalische Umarmung sein", sagt Mutter.

Für diese musikalische Umarmung mit Beethovens Violinkonzert und der Fünften sind nur noch Restkarten an der Abendkasse erhältlich (Preise zwischen 26 und 86 Euro). Doch das Konzert wird live im Radio und am nächsten Tag im Fernsehen zu erleben sein. Grund genug für eine Spende gibt es in jedem Fall. Sie erfolgt unter dem Stichwort "München für Ukraine" an das Spendenkonto "Save the Children" der Bank für Sozialwirtschaft (Iban DE92100205000003292912).

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