Benefizkonzert in München:Musizieren für die Bildung der Zukunft

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Der Stuttgarter Saxofonist Jakob Manz unterstützt das Benefiz-Projekt seines Kollegen Konstantin Kölmel. (Foto: Moritz Hertler)

Für ein Projekt in Kenia versammelt der Schagzeuger Konstantin Kölmel Jazz-Größen wie Nils Wülker, Jakob Manz, Nils Kugelmann und Kilian Sladek im Prinzregententheater.

Von Oliver Hochkeppel

Von wegen, die Generation Z stürze sich ungern in Arbeit. Bestes Gegenbeispiel ist der 22 Jahre alte Jazz-Schlagzeuger Konstantin Kölmel aus Sinzheim bei Baden-Baden. Am 18. Mai 2024 kann man ihn als Initiator, Veranstalter und Musiker eines besonderen Abends auf der Bühne des Prinzregententheaters erleben. Diese "Leo Benefiz Jazz Gala" bündelt die angesichts seines Alters fast unglaublichen Aktivitäten Kölmels, die ihm in einem Beitrag des SWR schon den Titel "Hoffnungsträger des Jazz" eingetragen haben.

Noch als Gymnasiast nahm Kölmel in Stuttgart als Jungstudent ein Doppelstudium auf, Schlagzeug und Wirtschaftswissenschaften. Seitdem hat er auch seine eigenen Firmen, Kölmel Media (als Label, Veranstalter und Videoproduktion) und Musikschule Kölmel. Noch keine 19, war er schon erfolgreich mit dem eigenen Trio unterwegs, an seiner Seite der Pianist Justus Zitt und der gerade mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnete Trompeter Jakob Bänsch. Kurz danach erschien bereits das Debüt-Album "Hybrid", das den Modern Jazz mit Stilen wie Funk und Worldmusik, eigene Kompositionen mit denen des befreundeten Trompeters Thomas Siffling oder des amerikanischen Bassisten Thundercat, aber auch das klassische Jazz-Instrumentarium mit arabischen Darabuka und Elektronik verschmilzt.

So umtriebig wie als Musiker ist Kölmel auch als Netzwerker, Strippenzieher und Macher. Er machte als Festival-Mitveranstalter in Rastatt und Karlsruhe erste Erfahrungen, die er dann im vergangenen Sommer für das von ihm gegründete und geleitete "Baden-Baden lebt" nutzte, ein neues Open-Air-Musikfestival mitten in der Stadt mit Stars wie Max Mutzke, Nils Wülker und Thomas D. Und als ob all das nicht reichen würde, denkt Kölmel aber auch noch ans große Ganze. Also an die Zukunft der Generation Z und ihrer Welt. Dafür gründete Kölmel zusammen mit den ebenso jungen Branchen-Kollegen Matteo Scherer, Nils Rauscher, Hendrik Langenstein und Marcel Geck Leo, die Liberating Education Organization. Eine "Bewegung, die die Welt durch Bildung nachhaltig verändern und einen Beitrag zur globalen Bildungsgerechtigkeit leisten will", wie Kölmel sagt.

Ausgangspunkt war 2022 die Einladung zu einer Tagung der Vereinten Nationen in New York, weil sie gemeinsam mit einem Warschauer Verein erstaunliche drei Millionen Euro für ukrainische Kriegsflüchtlinge gesammelt hatten. Dort erkannten sie, dass für die Ukraine bereits viel institutionell passiert. Dass es aber in anderen Regionen der Welt am wichtigsten fehlt: an der Bildung als Schlüssel für alles Weitere. Nach der Gründung eines "Leoclubs" legte man im vergangenen März auch als eingetragene Organisation los und gründete die erste Hybrid-Universität in Kenia - eine "innovative Kombination von Remote-Online-Lernen, Live-Sessions und lokaler pädagogischer Unterstützung", wie es auf ihrer Homepage heißt. Als Keimzelle, aus der sich ein weltweites Netzwerk kostenloser universitärer Bildungszentren entwickeln soll.

Konstantin Kölmel gründete zusammen mit den ebenso jungen Branchen-Kollegen Matteo Scherer, Nils Rauscher, Hendrik Langenstein und Marcel Geck Leo die Liberating Education Organization. (Foto: Manolo Press/Michael Bode)

Notare und Wirtschaftsprüfer halfen ihnen kostenlos, die Hürden der deutschen Bürokratie zu überwinden, in Nairobi fand man die passenden Partner. Und so läuft in Kilgoris, im Herzen des Masai-Gebiets, nun ein komplettes Angebot universitärer Lehrveranstaltungen, bei denen dank Satelliten-Internet Lehrende aus anderen Ländern zugeschaltet werden. Weitere Hybridcenter sollen folgen, so Kölmel: "Denn ein Schlafzimmer, das man mit seinen Geschwistern teilt, ist kein Platz zum Lernen." Der Praxisbezug steht im Vordergrund. Die Kurse hat man in Partnerschaften mit den lokalen Organisationen, mit renommierten Universitäten wie der zweitältesten amerikanischen William & Mary, mit UN-Botschaftern und deutschen Unternehmen aktuell und praxisrelevant entwickelt. Führende Professoren und Experten wurden gewonnen, um die Grundlagen der Wirtschaft wie die Gründung eigener Start-ups zu vermitteln.

Die Begeisterung und der Wille der jungen Afrikaner, etwas zu lernen und zu machen, sei begeisternd und überwältigend, so Kölmel, "das ist anders als bei uns, wo viele doch eher eine Anspruchs- und Abwartehaltung einnehmen." Natürlich kostet das Ganze Geld. Abgesehen vom Sammeln beim sich immer erweiternden Freundeskreis hat man in Baden-Baden eine Oldtimer-Rallye und eine Benefiz-Gala mit Nils Landgren veranstaltet. Das reichte, um das Projekt zunächst komplett ohne externe Stiftungen zu realisieren. Inzwischen gibt es Anfragen aus anderen Regionen Kenias, aber auch aus dem Kongo und aus Nepal.

Als etwas älterer "Headliner" stellt sich der seit einigen Jahren in München lebende Trompeter und Echo-Preisträger Nils Wülker in den Dienst der guten Sache. (Foto: David Königsmann)

Damit es aber weitergehen kann, wird der Radius Zug um Zug erweitert. Es gibt neben dem ersten bereits weitere Leo-Clubs am Bodensee, in Hohenbaden - und in München. Wo unter anderem Jazzsänger Kilian Sladek mitmischt, der sich nun auch um die Benefiz-Gala im Prinzregententheater mitkümmerte. Und ebenso auf der Bühne stehen wird wie Kölmel mit seinem Konstantin Kölmel Project. Dazu stoßen aus der Generation der Gleichaltrigen der vielfach preisgekrönte Münchner Bassist Nils Kugelmann - mit eigenem Trio stark im Aufwind und im Quartett seiner Lebensgefährtin Shuteen Erdenebaatar zum "Ensemble des Jahres" mitgewählt - und der ebenso hochdekorierte, wie Kugelmann beim Act-Label unter Vertrag stehende Stuttgarter Saxofonist Jakob Manz dazu.

Als etwas älterer "Headliner" stellt sich der seit einigen Jahren in München lebende Trompeter und Echo-Preisträger Nils Wülker in den Dienst der guten Sache. Der passionierte Bergsteiger gehört mit höchst erfolgreichen Alben und Tourneen seit Jahren zu den bekanntesten deutschen Jazzmusikern, seit zwei Jahren ist er, teilweise parallel, mit drei Projekten auf Tournee: Mit seinem Elektronik-Projekt "Go", mit dem aktuell vom Saarländischen Staatsorchester begleiteten Orchesterprojekt "Continuum" und im Duo mit dem Gitarristen Arne Jansen.

Ein perfektes Package also für alle, die zupackenden mitreißenden jungen Jazz erleben und gleichzeitig bei einem wegweisenden internationalen Bildungsprojekt mithelfen wollen.

Leo Benefiz Jazz Gala, Samstag, 18. Mai, 20 Uhr, Prinzregententheater, Prinzregentenplatz 12, www.theaterakademie.de

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