Bemerkenswerte Katholiken Der Märtyrer und der Philosoph

Das Seligsprechungsverfahren für Fritz Gerlich und Romano Guardini wird eröffnet

Von Jakob Wetzel

Starb der eine als Märtyrer, und führte der andere ein Leben in "heroischer Tugend"? Seit Jahren prüft die katholische Kirche, ob der Journalist Fritz Gerlich und der Philosoph Romano Guardini die Voraussetzungen erfüllen, um selig-, später vielleicht sogar heiliggesprochen zu werden. Jetzt sind die nötigen Vorbereitungen beendet: Wie das Erzbistum München und Freising mitteilt, wird Erzbischof Reinhard Marx die beiden Seligsprechungsverfahren am Samstag, 16. Dezember, in einem Gottesdienst in der Frauenkirche eröffnen.

Mit einer Seligsprechung stellt die Kirche fest, dass ein Gestorbener als Vorbild im Glauben gelebt hat und nun als Fürsprecher vor Gott wirken kann. Konkret wird Marx für Gerlich und Guardini je einen Kirchenanwalt sowie einen Bischöflichen Beauftragten einsetzen, die fortan Zeugen befragen werden, die über die Kandidaten Aufschluss geben können. Zugleich ruft die Kirche alle Gläubigen dazu auf, für eine Seligsprechung relevante Informationen über die zwei Männer an das Erzbischöfliche Ordinariat zu übermitteln. Bereits im vergangenen Jahr hat Kardinal Marx den Pastoralreferenten Johannes Modesto für beide Verfahren als sogenannten Postulator eingesetzt. Er hat Zeugenlisten zusammengestellt und Dokumente geprüft.

Fritz Gerlich schrieb gegen den Nationalsozialismus an und wurde ermordet.

(Foto: Wikipedia / AP)

Dabei legt die Kirche an die Kandidaten verschiedene Maßstäbe an. Grundsätzlich gebe es drei Wege zur Seligsprechung, erklärt sie. Ein Kandidat müsse entweder ein Märtyrer, also wegen seines Glaubens umgebracht worden sein - diese Frage stelle sich bei Gerlich. Oder er müsse sein Leben aus religiösen Motiven für andere geopfert haben; dann müsse zusätzlich auf seine Anrufung hin ein Wunder passiert sein. Oder aber er müsse sieben Tugenden gelebt haben: die sogenannten theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie die Kardinaltugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Tapferkeit. Auch auf diesem Weg muss ein Wunder nachgewiesen werden, das nach Anrufung des Kandidaten geschehen ist. Diesen Verfahrensweg wendet die Kirche bei Guardini an.

Der in Verona geborene Romano Guardini (1885 - 1968) gilt heute als "Patron der Erzieher" und war nicht nur einer der prägendsten katholischen Denker des vergangenen Jahrhunderts, sondern auch einer der geistigen Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der Religionsphilosoph lehrte in Berlin und Tübingen sowie von 1948 bis 1962 an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er zudem Universitätsprediger war, und wo lange ein eigener Lehrstuhl seinen Namen trug. Mittlerweile gibt es noch eine nach ihm benannte Gastprofessur. In München war Guardini zudem einer der Gründer der Katholischen Akademie in Bayern.

Romano Guardini prägte das katholische Denken.

(Foto: Sueddeutsche Zeitung Photo)

Fritz Gerlich (1883 - 1934) hingegen war ein national-konservativ gesinnter Publizist, der sich nach dem Hitlerputsch 1923 gegen die "geistige Pest" des Nationalsozialismus wandte. 1931 fand er zum Katholizismus, vom selben Jahr an schrieb er mit seiner Wochenzeitung Der gerade Weg gegen die Machtübernahme der Nazis an. Kurz nach Hitlers Regierungsantritt wurde er im Münchner Polizeipräsidium inhaftiert und misshandelt. Diese sogenannte Schutzhaft ertrug er laut Mitgefangenen im Gebet und in religiöse Lektüre vertieft. In der Nacht auf den 1. Juli 1934 brachte man ihn ins Konzentrationslager Dachau, wo er erschossen wurde.

Ob Gerlich und Guardini seliggesprochen werden, entscheidet nach Vorprüfungen im Erzbistum und im Vatikan letztlich der Papst. Es wäre das erste Mal seit Kaspar Stanggassinger (1988), dass ein Angehöriger des Erzbistums München und Freising selig gesprochen wird. Bis es soweit ist, werden aber voraussichtlich noch mehrere Jahre vergehen.