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Beliebte Stadtviertel in München:Wo es die jungen Leute hinzieht

In keinem anderen Münchner Stadtviertel leben so viele 20- bis 25-Jährige wie in der Maxvorstadt, der Ludwigsvorstadt und Schwabing-West. Für ein WG-Zimmer dort nehmen sie Mieten von mehr als 500 Euro in Kauf - und bekommen einiges geboten.

Von Alfred Dürr

Was haben Stadtteile wie Winterhude in Hamburg, Kreuzberg in Berlin oder die Ludwigsvorstadt in München gemeinsam? Das sind alles zentral gelegene Viertel, in denen junge Leute besonders gerne wohnen. Weitere höchst attraktive Quartiere in München für die Bevölkerungsgruppe der 18- bis 28-Jährigen sind die Maxvorstadt und Schwabing-West.

Das geht aus einer umfangreichen Studie des Immobilienentwicklers GBI AG hervor. Die Untersuchung beschäftigt sich mit dem Thema, welche Lagen junge Leute in deutschen Metropolen bevorzugen und wie die Stadtplaner darauf reagieren sollten.

Innenstadt beliebt - trotz schwierigem Wohungsmarkt

Keine große Überraschung, was die Ergebnisse für München betrifft, könnte man meinen. Gerade die Innenstadtviertel mit ihren Bildungseinrichtungen und einem großen Angebot an Clubs und Kneipen sind Anziehungspunkte für junge Leute. Auf der anderen Seite ist es hier auch besonders schwer, eine erschwingliche Wohnung zu finden. Also steuert man bei der Suche nach einer Bleibe nicht doch lieber gleich Außenbezirke wie Hadern, Feldmoching, Allach, Trudering oder Aubing an?

Nein, antworten die Forscher der GBI, die Bevölkerungsstatistiken, Mietangebote und Nachfrage nach Wohnungen im Internet sowie eine ganze Reihe anderer Daten (etwa Zu- und Wegzüge) ausgewertet haben. Als attraktivste Stadtteile für junge Menschen hätten sich vor allem urban geprägte, zentrale Lagen ergeben, die nahe an kulturellen Einrichtungen, Universitäten sowie Knotenpunkten von Bussen und Bahnen lägen. Geschäfte und Orte für Freizeitbeschäftigungen seien von hier aus schnell erreichbar. Die erhebliche Einsparung von Zeit und Energie durch die Nähe würden besonders geschätzt, auf das Auto könne man gut verzichten.

Lieber Stadtwohnung als Haus und Garten

Diese Wohnpräferenzen hätten sogar eine "nachhaltige Wirkung", sagt Stefan Brauckmann von der Forschungsabteilung der GBI. Man bleibe gerne in seinem ausgewählten Stadtteil wohnen, auch wenn man eine Familie gründe und älter werde: "Statt Haus mit Garten ist für diese Gruppe eher die gut angebundene Stadtwohnung im Fokus."

Die attraktivsten Stadtviertel

In der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt mit dem Glockenbachviertel wohnen laut Studie 4667, also 3,9 Prozent, der 20- bis 25-Jährigen in München. Ihr Anteil sei mit 9,4 Prozent etwa einen Prozentpunkt höher als im Stadtdurchschnitt. Die Mieten lägen mit 14,40 Euro für den Quadratmeter oberhalb des Münchner Durchschnitts. Dies zeige sich auch in den Preisen für ein WG-Zimmer. Diese bewegten sich zwischen 520 und 560 Euro.

Die beliebtesten Lagen seien an der Theresienwiese in Richtung Klinikviertel. Die Gegend sei nicht nur für Studierende der Medizin interessant, sondern zum Beispiel auch für Auszubildende in medizinischen Berufen, sowie für junge Berufseinsteiger in den umliegenden Bürobauten.

Für die Maxvorstadt, also das Universitätsviertel, gibt die Studie 6716 Personen zwischen 20 und 25 Jahren an. Dies seien 5,6 Prozent der in dieser Altersgruppe in München Lebenden. Gegenüber der Verteilung der Gesamtbevölkerung, wonach nur 3,5 Prozent der Münchner in der Maxvorstadt wohnten, mache dies einen Unterschied von 2,1 Prozentpunkten aus. Entsprechend sei auch der Anteil der jungen Bevölkerung mit 13,2 Prozent so hoch wie in keinem anderen Stadtbezirk. Die Preise für ein WG-Zimmer werden mit 500 bis 550 Euro angegeben.

In Schwabing-West, mit den beliebtesten Lagen in der Gegend um den Josephsplatz und rund um den Hohenzollernplatz, wohnen laut Untersuchung 4,5 Prozent der Münchner Bevölkerung, davon seien 9,5 Prozent oder 6170 Personen zwischen 20 und 25 Jahren alt. Die Mieten lägen mit 15,20 Euro für den Quadratmeter deutlich über dem Durchschnitt und dürften daher für junge Leute ein Hinderungsgrund sein, hierher zu ziehen. Überraschenderweise seien die Angebote für ein WG-Zimmer mit 510 bis 530 Euro für Münchner Verhältnisse vergleichsweise günstig.

München wächst jedes Jahr um 30 000 Menschen

Der Trend in die Metropolen nehme aktuell eine besondere Dynamik an, sagt Stefan Brauckmann. München gewinne jedes Jahr mehr als 30 000 Einwohner dazu, verdanke dieses Plus aber fast vollständig - und zwar zu 84 Prozent - der jungen Bevölkerungsgruppe.

GBI-Vorstand Reiner Nittka fordert, dass die Städte durch Neubauten, Modernisierungen oder Umwidmungen von Flächen mehr passenden Wohnraum schaffen. Bisher sei in den Metropolen nur jede 20. neu gebaute Wohnung ein Ein-Zimmer-Appartement. Neue Bauprojekte auf der grünen Wiese seien außerdem wenig sinnvoll: "Die jungen Menschen wollen einfach in die angesagten Quartiere im Zentrum."

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Quelle:
SZ vom 22.07.2014
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