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Belauschte Gespräche (2):"Zu 99,58 Prozent treu"

Worüber die Münchner so reden: Wenn Teenager in der U-Bahn lästern oder Nichtbayern sich im Restaurant blamieren - dann hören die O-Ton-Sammler mit. Eine Auswahl der besten Stilblüten aus München.

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Uni-Städte könnten durch Volkszählung schrumpfen

Quelle: picture alliance / dpa

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Worüber die Münchner so reden: Wenn Teenager in der U-Bahn lästern oder Nichtbayern sich im Restaurant blamieren - dann hören die O-Ton-Sammler mit. Vier junge Männer, die sich beim Studieren in Augsburg kennengelernt haben, sammeln auf der Internetseite belauscht.de lustige Sprüche und skurrile Alltagssituationen. Eine Auswahl der besten Stilblüten aus München.

In der Uni-Mensa:

Zwei Mädchen um die 20 setzen sich. Das erste Mädchen sieht aus, als hätte sie die letzten fünf Jahre geweint, die andere scheint guter Dinge zu sein.

Mädchen 1 (verheult): "…... weil mein Freund gestern mit mir Schluss gemacht hat."

Mädchen 2 (mehr sensationslüstern als verständnisvoll): "Waaas? Warum das denn?"

Mädchen 1: "Weil ich meinen Ex-Freund gegruschelt hab´."

Mädchen 2: "Kraaaaassssss! Wie hat er das denn rausgekriegt?"

Mädchen 1: "Ich bin doch immer an seinem Laptop ... Der muss das irgendwie gesehen haben!"

Mädchen 2: "Booaah! Das kannste aber auch nicht bringen…."

Mädchen 1: "Was? Gruscheln?"

Mädchen 2: "Ey, wenn meiner seine Ex gruscheln würde, dann würd´ ich der die Augen ausstechen und mit ihm sonst was machen."

Mädchen 1 (fängt an zu schluchzen und meint ganz leise): "Aber ich wollt´ doch nur mal Hallo sagen."

Arizona will Dicke und Raucher zur Kasse bitten

Quelle: picture alliance / dpa

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In der S-Bahn:

Mutter und Sohn sitzen in der S-Bahn. Gegenüber sitzt eine etwas übergewichtige Dame.

Der Sohn zur Mutter: "Gell Mami, über die dicke Frau reden wir dann erst, wenn wir zu Hause sind!"  

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Quelle: oh

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Im Deutschen Museum:

Ein Mann betrachtet mit seinem etwa vier bis fünfjährigen Sohn ein Bild von Escher, in dem die optische Täuschung eines Wasserfalls abgebildet ist, dessen Wasser von unten wieder hochfließt, um wieder nach unten zu fallen.

Vater: "Hmm, das Bild scheint aber nicht ganz zu stimmen, oder?"

Sohn: "Wieso?"

Vater: "Naja, guck doch mal das Wasser, das fällt runter und fließt dann wieder hoch ..."

Sohn: "Oh stimmt ... Da hat er sich wohl vermalt."

World Environment Day

Quelle: Getty Images

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In einer Firma:

Die Firma zieht um und alle packen ihre Sachen in Umzugskartons. Auch die Computer werden abgebaut. Eine Kollegin verfällt langsam in Panik: "Ich brauche aber unbedingt MEINEN Bildschirm wieder! Ich hab ganz viele wichtige Dateien auf dem Desktop!"  

Fotoprobe 'Götterdämmerung'

Quelle: picture alliance / dpa

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S-Bahn-Station an der Hackerbrücke:

Zwei Männer reden übers spät nach Hause kommen.

Mann: "Ich schleich mich ganz leise rein, weil wenn meine Alte merkt, dass ich erst so spät heimkomme, wird sie zur Arie!"

Themendienst Multimedia: Sensible Datentraeger

Quelle: ddp

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Am Telefon:

"... du Maus, wir haben uns so eine Virensoftware gekauft und die haben wir nun aufgespielt bekommen. Der, der das gemacht hat, hat die jetzt mitgenommen. Ist die CD jetzt leer????? Ich meine wenn wir die schon bezahlt haben, gehört die doch uns! Wenn die aber leer ist, ist es mir egal."

OSCAR-NOMINIERUNGEN - "DER HERR DER RINGE"

Quelle: DPA

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In einer Videothek:

Er "... Nein, den hab ich schon gesehen. Wie wär´s mit Herr der Ringe?"

Sie "Nä! Das ist doch nur Bumm Bumm!"

Er: "Wie Bumm Bumm?"

Sie: "Den hab ich schon mal gesehen, nur Rumgeballere die ganze Zeit!"

Er: "Geballere? Ich finde, die reden da mehr als ... Außerdem können die nicht ballern, die haben Schwerter und so."

Sie: "Ja, und was ist mit den ganzen Panzern, die da rumballern? Schatz, ich mag halt einfach keine Nazi-Filme."

Abitur nach 12 Jahren

Quelle: picture-alliance/ dpa

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In der S-Bahn:

Zwei Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren unterhalten sich in der S-Bahn über ihre Lehrerin und deren komischen Dialekt:

Mädchen 1: "Die sagte am Ende immer so "-le" zum Beispiel Mädele und Schüssele."

Mädchen 2: "Ja, das kommt daher, weil die aus dem Schwabenland kommt und da spricht man so."

Mädchen 1: "Echt? Und wo soll das sein, das Schwabenland?"

Mädchen 2: "Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen? Irgendwo im Osten halt!"

Wasserrutsche im Michaelibad, 2010

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Lautsprecherdurchsage im Michaelibad:

"Achtung, Achtung!! Eine Durchsage: Bei uns an der Information ist ein kleiner Junge von ungefähr drei Jahren; er heißt ... (Pause) ... wissen wir nicht und ist bekleidet mit ... (noch längere Pause) ... NICHTS - dieser Junge sucht seine Eltern. Sollten sie sich angesprochen fühlen, oder einfach nur ein nacktes Kind vermissen, melden Sie sich bei der Information."

Bald ist Ostern - Feldhase

Quelle: dpa

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Im Büro:

Kolleginnen unter sich, sie unterhalten sich mindestens schon zehn Minuten lang über ihre Männer.

Kollegin 1: "... ja und dann hat mein Hase gesagt ..."

Kollegin 2 unterbricht sie und schaut sie total aufgeregt an: "Du hast einen Hasen???"  

Apple

Quelle: Apple/ Portabler Mediaplayer: IPod Nano, 2008

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Leonrodplatz, in der Tram:

Eine Frau um die 25, blond, gestylt, telefoniert für alle hörbar mit dem Handy. Anscheinend geht es um die schmerzliche Trennung von ihrem Freund:

Frau: "Nee, lief ganz gut. Ich krieg den iPod, er behält den Hund."

Pause

Frau: "Schon! Ist fair, oder? Ich mein´, mal im Ernst: Was will ich denn mit dem Vieh?"

Pause

Frau: "Nee!!! ... Das is schon ein neuer iPod. 10 Gigahertz oder so."

Olching: Marktsonntag

Quelle: Johannes Simon

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Trabrennbahn Daglfing, Flohmarkt:

Ein älterer Mann interessiert sich für einen chromglänzenden Wasserkessel auf dem Flohmarkttisch.

Mann: "Was kostet denn der?"

Verkäufer: "40 Euro."

Mann: "Das ist doch viel zu teuer, wir sind hier auf dem Flohmarkt!"

Verkäufer: "Aber der ist doch von Alessi!"

Mann (nach kurzer Denkpause): "Was ist denn Alessi? Der Hund im Fernsehn?"

Zuchtchampignons: Pilze fürs Gewächshaus

Quelle: dpa-tmn

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In einer Gastwirtschaft:

Ein Nichtbayer studiert die Speisekarte. Im Angebot sind Egerlinge.

Gast (zur einheimischen Bedienung): "Was sind denn Egerlinge?"

Bedienung: "Egerlinge san Schwammerln!"

U-Bahnhof Universität in München, 2010

Quelle: Catherina Hess

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U6 Richtung Münchner Freiheit:

Zwei etwa 15-jährige Teenie-Mädchen steigen beim Odeonsplatz in die U-Bahn Richtung Münchner Freiheit ein.

Mädchen 1: "Was machst Du heut noch?"

Mädchen 2: "Ich geh zum Jusuf."

Mädchen 1: "Echt, bist Du immer noch mit dem zusammen? Der ist doch langweilig."

Mädchen 2: "Ja, hast recht. Glaub ich mach Schluss heute."

Mädchen 1: "Echt? Geil. Kann ich mitkommen, zugucken?"

Stadtbibliothek im Neuhauser Trafo, 2010

Quelle: Alessandra Schellnegger

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In einer Bibliothek:

Eine junge Mutter betritt mit ihrem Sohn (etwa zwei Jahre alt) die Bibliothek.

Mutter: "Pscht, jetzt sind wir in der Bibliothek, da muss man ganz leise sein!"

Der offenbar redselige Junge ist unleidig, aber die Mutter bleibt dabei: "Das ist die Bibliothek, da muss man flüstern, sonst stört man die Leute!"

Doch der Junge findet spontan einen Ausweg aus dem stillen Dilemma. Er kräht raumfüllend: "Mami, ich LIEBE Dich!"

Hausratte

Quelle: dpa/dpaweb

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U-Bahn-Station Odeonsplatz:

Zwei ältere Damen unterhalten sich an der U-Bahn-Haltestelle Odeonsplatz, als sie auf den Gleisen eine Ratte erspähen. Höchst echauffiert beschweren sie sich in den folgenden Minuten über die Art und Weise, wie die Menschen achtlos ihren Müll entsorgen und somit die Ratten erst ermöglichen.

Als die U-Bahn endlich einfährt, sagt eine der Damen im Brustton der Überzeugung: "Und wenn nachher die Pest ausbricht, will's wieder keiner gewesen sein!"

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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In der "Milchbar":

Einige Typen stehen an der Bar. Ein Mädchen kommt und spricht einen an.

Sie: "Du, darf ich Dich mal was fragen, meine Freundin will das wissen ... ?"

Er: "19einhalb Zentimeter, warum?"  

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Quelle: Robert Haas

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Im Bus:

Ein Mann, frisch nach München gezogen, steigt in den Bus und fragt den Fahrer, ob er eine bestimmte Haltestelle anfährt. Darauf der Fahrer: "Wenn´s Earna net auskenna, bleims halt dahoam!"  

Kuss

Quelle: iStockphoto

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In der U-Bahn am Sendlinger Tor:

Ein Mann mit langen Haaren, Bart, Mantel und Hornbrille unterhält sich mit einem Freund.

Mann: "Meine Freundin hat mich letztens beim Fremdgehen erwischt. Boah, hat die sich aufgeregt! Ich hab ihr dann erklärt, dass so etwas höchstens ein Mal im Monat vorkommt. Dann ist sie noch mehr ausgetickt. Ich hab ihr dann vorgerechnet, dass drei Stunden Fremdgehen alle 30 Tage bedeutet, dass ich zu über 99,58% treu bin. Mann, so sicher ist nicht mal die Stromversorgung in ganz Europa! Also zumindest jetzt im Winter. Menschen die so treu sind, hätten eigentlich mehr Anerkennung verdient. Naja, leider hat das alles nicht geholfen. Hat Schluss gemacht. Jetzt frag ich mich: Können Frauen nicht Prozent rechnen? Oder ist 99,58% nicht treu genug? Ey was stellt die Alte sich eigentlich vor?"

Kumpel (im tiefsten Bayrisch): "Jo mei, die hat halt an Arsch offen."

Deutsche Bahn AG

Quelle: SEYBOLDTPRESS

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Im Zug bei München:

Ein einzelner Mann versucht ein Gespräch mit seinem Gegenüber zu starten:

Mann: "Jetzt ist die schönste Zeit des Tages."

Gegenüber: "Und warum das?"

Mann (während er eine Flasche Bier öffnet): "Nicht mehr in der Arbeit und noch nicht zu Hause!"

Freie Autowerkstatt in München

Quelle: Robert Haas

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In einer Autowerkstatt:

Eine Frau, Mitte 40, diskutiert mit dem Chefmechaniker. Offenbar hat sie mehrmals beim Aussteigen aus ihrem Auto einen Stromschlag erhalten. Nun wurde an dem Auto auf ihren Wunsch hin ein Erdungskabel angebracht, welches deutlich zu sehen ist.

Frau: "Nein, so kann ich doch nicht rumfahren! Wie sieht denn das aus?!"

Mechaniker: "Ja das tut mir leid, aber das muss so sein, sonst kann der Strom ja nicht in die Erde abgeleitet werden."

Frau: "Nein, also nein! Und dann auch noch als Frau! Was sollen denn da die Leute denken? Da spricht mich ja jeder drauf an!"

Sie überlegt kurz, dann: "Und wenn man das oben festklebt, dann sieht's ja keiner ... Können Sie das festkleben?"

Mechaniker: "Nein, tut mir leid, das Kabel muss am Boden schleifen, sonst erfüllt es seinen Zweck nicht."

Frau (überlegt nochmal): "Und wenn ich's einfach in den Kofferraum lege ... ?"

belauscht.de, Felix Anschütz, Krischan Dietmaier, Thomas Neumann und Nico Degenkolb

Quelle: oh

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Und wer denkt sich so etwas aus? Hinter dem Portal belauscht.de stecken Felix Anschütz, Krischan Dietmaier, Thomas Neumann und Nico Degenkolb (von links). Die vier haben sich als Studenten in Augsburg kennengelernt. Ein Freund machte Krischan Dietmaier damals auf Overheard New York aufmerksam, eine US-Seite, auf der Alltagsszenen gesammelt werden. "In Deutschland habe ich so etwas nicht gefunden", erinnert sich Dietmaier. Also haben die vier ihre eigene Seite programmiert. Zuerst haben sie eigene Erlebnisse veröffentlicht - mittlerweile laufen jeden Tag etwa 20 Mails mit Nachschub im Postfach ein. Tausende Einträge gibt es, und jeder wird überprüft. Nur O-Töne, die authentisch scheinen, kommen auf die Seite. "Mittlerweile haben wir ein gutes Gespür und können Fakes herausfiltern", sagt Krischan Dietmaier.

Inzwischen leben die Gründer nicht mehr in Augsburg. Krischan Dietmaier arbeitet in München, Felix Anschütz und Thomas Neumann leben in Berlin, Nico Degenkolb in Budapest. Doch durch ihr gemeinsames Projekt (inzwischen sind sogar zwei Bücher erschienen) stehen sie weiter miteinander in Kontakt.

Und wo lauschen die Deutschen am liebsten? Da muss Krischan Dietmaier nicht lange nachdenken: "In der U-Bahn und an der Supermarktkasse."

© sueddeutsche.de/Tobias Dorfer/sonn

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