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Bei fingiertem Autokauf in Fulda erschossen:Lebenslang für Mord

Bei einem fingierten Autokauf wurde ein Münchner mit sieben Schüssen in Fulda getötet. Nun ist der Täter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Seine ehemalige Freundin muss wegen Beihilfe für drei Jahre hinter Gitter.

Susi Wimmer

Wegen Mordes, versuchten Mordes und Raubes ist am Dienstagnachmittag in Fulda der 39-jährige Oliver P. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im Februar einen 17-jährigen Münchner bei einem fingierten Autokauf in Fulda in eine dunkle Gasse gelockt und von hinten mit sieben Schüssen getötet hat. Die ehemalige Freundin des Täters muss wegen Beihilfe für drei Jahre hinter Gitter.

Urteil im Fuldaer Mordprozess

Oliver P. (im Bild) ist in Fulda zu lebenslanger Haft verurteilt worden, seine ehemalige Freundin muss wegen Beihilfe für drei Jahre hinter Gitter.

(Foto: dpa)

Der 17-jährige Münchner arbeitete im elternlichen Betrieb mit, kaufte und verkaufte Autos. So entdeckte er im Februar auf einer Internetplattform einen VW-Bus, den ein Mann aus Fulda anbot. Zusammen mit seinem 19-jährigen Schwager, der 14 800 Euro in der Jackentasche mitführte, fuhr der junge Familienvater am 11. Februar zur Geschäftsabwicklung nach Fulda.

Am Bahnhofsvorplatz trafen sie auf Oliver P. Er gab sich als Vermittler aus, sagte, sein Schwager wolle den Wagen verkaufen und dann lotste er die jungen Männer an den Stadtrand auf einen entlegenen Parkplatz. Dort warteten sie auf den angeblichen Schwager - bis es dunkel wurde.

Offenbar plante Oliver P., das Geld zu rauben, einen VW-Bus gab es jedenfalls gar nicht. Im Laufe des Gespräches auf dem Parkplatz bemerkte der 39-Jährige allerdings, dass sich die jungen Männer sein Autokennzeichen angesehen hatten und fragten, ob er denn aus Koblenz stamme, sagt Michaela Kilian-Bock, Vize-Präsidentin des Landgerichts Fulda der SZ. Daraufhin habe er die Münchner in eine dunkle Ecke dirigiert und seine Waffe gezogen. Er feuerte neun Schüsse ab, sieben trafen den 17-jährigen Münchner von hinten. Sein 19-jähriger Begleiter hatte Glück: Eine Kugel streifte ihn am Hosenbein, er konnte fliehen.

Aufgrund des Teilkennzeichens sowie Bildern des Täters aus der Überwachungskamera am Bahnhof Fulda konnte ein Sondereinsatzkommando Oliver P. 72 Stunden nach der Tat im Schwalm-Eder-Kreis festnehmen, ebenso seine 31-jährige Lebensgefährtin Mareen S. Sie habe von den Raubplänen gewusst und den Täter chauffiert, so Michaela Kilian-Bock, allerdings nicht geahnt, dass ihr Freund eine geladene Waffe dabei hatte.

Der Prozess hatte bereits im August begonnen, bis vergangene Woche hatte der Angeklagte geschwiegen. Er habe sich angegriffen gefühlt, sagte er am Ende aus. Diese Einschätzung konnte der Vorsitzende Richter aufgrund der Schussabgabe nicht teilen.

© SZ vom 21.12.2011/sonn
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