KlassikfestivalWas Bayreuth Baroque zu bieten hat

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Ein ziemlich schöner Arbeitsplatz: Max Emanuel Cenčić leitet das Festival Bayreuth Baroque im Markgräflichen Opernhaus.
Ein ziemlich schöner Arbeitsplatz: Max Emanuel Cenčić leitet das Festival Bayreuth Baroque im Markgräflichen Opernhaus. (Foto: Lukasz Rajchert)

Das Barockmusik-Festival führt in diesem Jahr zurück ins Venedig des 17. Jahrhunderts und präsentiert mit Greta Thunbergs Mama Malena Ernman und der Heavy-Metal-erprobten Marina Viotti zwei interessante Sängerinnen.

Von Jutta Czeguhn, Bayreuth

Geprobt wurde mal wieder in Athen. Man kann sich vorstellen, warum. Bayreuth im Sommer ist ein unruhiges Pflaster. Richard Wagner hat die Stadt und die Hotelerie fest im Griff. Max Emanuel Cenčić sucht deshalb seit Jahren mit seinem Tross erst mal das Weite. Es ist schon eine verrückte Sache: Bayreuth, sonst so beschaulich, ist mit den Festspielen auf dem Grünen Hügel und dann dem Festival Bayreuth Baroque (4. bis 14. September) Schauplatz für gleich zwei international beachtete Klassikgroßereignisse, ganz dicht aufeinanderfolgend. Da braucht es offenbar eine besondere Logistik. Doch längst ist Festivalleiter Cenčić zurück, und die finalen Proben laufen – diesmal im herrlichen, barocken Markgräflichen Opernhaus.

Countertenor Cenčić, seit Gründung von Bayreuth Baroque im Jahr 2020 dessen künstlerischer Leiter, hat auch für das diesjährige Festival wieder Opernarchäologie betrieben. Von Neapel, dessen Musiken in den vergangenen Jahren im Markgräflichen Opernhaus den Ton angaben, geht es nun ins Venedig des 17. Jahrhunderts. Zu Francesco Cavalli, einem Schüler Claudio Monteverdis, der wie dieser auch maestro di cappella von San Marco war. Als Komponist erwies sich Cavalli als enorm produktiv und populär, seine Opern, zumeist heiter und nicht nur für den venezianischen Karnevalsgeschmack bestens tauglich, wurden in ganz Europa gespielt.

So auch die Oper „Pompeo Magno“, mit der Max Emanuel Cenčić als Regisseur und in der Titelrolle am 4. September sein Festival eröffnet. 1666 wurde das Werk am venezianischen Teatro San Salvatore uraufgeführt. Auch wenn Geschichtskundige oder Fans des Hollywoodschinkens „Cleopatra“ mit dem Feldherren Pompeius eher sein abgeschlagenes Haupt assoziieren: Das Libretto dieser Oper von Nicolò Minato über Cäsars Gegenspieler liest sich wie saftiges, Netflix-würdiges Unterhaltungskino. Intrigen, Liebe und Verrat im dekadenten Rom. Sesto, Pompeos Sohn, liebt die Kriegsgefangene Issicratea, die blöderweise die Frau von Pompeos großem Feind, dem todgeglaubten Mitridate ist, der inkognito in Rom weilt.  Neben Cenčić als Pompeo singen unter anderem Mariana Flores als Issicratea und Valerio Contaldo Mitridate. Es spielt die Cappella Mediterranea, eines der führenden Ensembles für frühbarocke Musik und in diesem Jahr Residenzorchester des Bayreuth Baroque.

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Für die Opernproduktion (auch 6., 9., 12. und 14. September) sind noch einige Karten zu bekommen. Ebenso für die Galakonzerte und Arienabende. Eine hochinteressante Künstlerin ist Malena Ernman. Die schwedische Mezzosopranistin vertrat 2009 beim Eurovision Song Contest in Moskaus nicht nur stimmgewaltig ihr Land („La Voix“, Platz 21), sie ist auch die Mutter von Aktivistin Greta Thunberg, deren Agenda sie unterstützt. 2024 gehörte sie auch zu den Künstlern, die einen Ausschluss Israels vom ESC im schwedischen Mal­mö forderte. Bei Bayreuth Baroque erforscht die Opernsängerin gemeinsam mit dem Ensemble L’Arpeggiata unter Leitung der Lautistin, Dirigentin und Komponistin Christina Pluhar die Natur in der Musik. „Terra Mater“, so der Titel ihres Programms am 7. September.

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Wie Ernman und Pluhar dem musikalischen Crossover nicht abgeneigt ist auch Marina Viotti, die aus einer überaus musikalischen Familie kommt. Ihr Vater war der Schweizer Dirigent Marcello Viotti, ihre Mutter, Marie-Laurence Bret, ist Geigerin, Bruder Lorenzo ist ebenfalls ein bekannter Dirigent, Bruder Alessandro Hornist an der Oper von Lyon und Schwester Milena Hornistin an der Bayerischen Staatsoper. Über die Opern-Bubble hinaus bekannt wurde Marina Viotti, als sie gemeinsam mit der Metal-Band Gojira 2024 bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Paris auftrat. Und auf ihrem zwischen Rock und Barock changierenden Album „Melankhôlia“ ihren Kampf gegen den Krebs öffentlich machte. Bei ihrem Arienabend am 13. September im Markgräflichen Opernhaus mit dem Orchestre de l’Opéra Royal de Versailles singt Marina Viotti Werke von Purcell und Vivaldi.

Bayreuth Baroque, 4. bis 14. September, Markgräfliches Opernhaus und andere Orte, Infos unter www.bayreuthbaroque.de

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