Was verbindet den Popstar David Bowie, brasilianische Lyrik, Franz Kafka und die Kinderzeitschrift Gecko? Sie alle sind auf spezielle Weise auf einer Liste des Freistaats Bayern gelandet, die „Bayerns beste Independent Bücher 2025“ empfiehlt. Zehn Werke aus unabhängigen bayerischen Verlagen mit einer großen Bandbreite hat eine Jury ausgewählt.
Mit Flucht und Fremdheit beschäftigen sich gleich mehrere der empfohlenen Bücher: „Nirgendwo ist mein Zuhause“ ist das Fazit des in München lebenden Schauspielers und Autors Delschad Numan Khorschid. Im Schillo Verlag ist das Buch erschienen, in dem der irakische Kurde in berührenden Sätzen und Bildern von seiner Flucht nach Deutschland erzählt, von Fernweh und Verlorenheit. „Einfach Mensch“ heißt wiederum ein Kinderbuch der in Iran geborenen Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani mit Illustrationen von Mehrdad Zaeri, erschienen in der edition buntehunde.
Was es bedeutet, die Entfernung zwischen München und Lima zu überbrücken, machen die Erzählungen „Nachtschichten“ von Ofelia Huamanchumo de la Cuba deutlich, erschienen im Maro Verlag. Richtung USA kann man mit Magdaléna Platzovás Roman „Leben nach Kafka“ schweifen: Dorthin emigrierte Felice Bauer, die einstige Verlobte von Franz Kafka; die Übersetzung aus dem Tschechischen von Kathrin Janka hat der Balaena Verlag gedruckt.
Wer sich einer brasilianischen Lyrikerin gedanklich annähern möchte, kann dies im zweisprachigen Band „Streich dieses Wort / Risque esta palavra“ von Ana Martins Marques tun, aus dem brasilianischen Portugiesischen übersetzt von Michael Kegler (Hagebutte Verlag). Die Gedichte der Münchner Autorin Sophia Klink haben die Jury ebenfalls überzeugt; „Ich lösche die Kirschen aus meinen Genen“ ist im hochroth Verlag erschienen.
Auch zwei Zeitschriften sind diesmal auf der Liste: zum einen die Münchner Kinderzeitschrift Gecko, die Muriel Rathje und Anke Elbel seit bald zwei Jahrzehnten herausgeben. Zum anderen wird das Engagement von Martin Brinkmann und Alexander Behrmann für die „Krachkultur“ gewürdigt, aktuell mit dem Themenheft „Familie“.
Dass Literatur auch zu gutem Essen anregen kann, zeigt ein opulenter Band im Transit Buchverlag: Beate Roth hat in „Jean Paul häppchenweise“ Rezepte zu Gerichten zusammengestellt, die im Werk des fränkischen Schriftstellers vorkommen. Und was ist nun mit David Bowie? Uwe Schüttes Buch „Sternenmenschen“ mit Fotos von Christine de Grancy dokumentiert bei Starfruit Publications eine Begegnung des Popstars 1994 mit den sogenannten „Künstlern aus Gugging“, künstlerisch begabten Psychiatriepatienten in Niederösterreich.
Wer mehr erfahren möchte, kann sich neben der Lektüre auch in Podcasts von Literaturkritikerin Christine Knödler in die Werke einführen lassen (ab Anfang Oktober auf der Homepage des Literaturportals Bayern). Geld gibt es für die Autoren und Verlage keines, doch erhöhte Sichtbarkeit, unter anderem bei der Frankfurter Buchmesse und der Münchner Bücherschau: Am 28. November wird Kunstminister Markus Blume die Auszeichnung im Haus der Kunst überreichen, Lesung folgt.


