Sprengung Bayernkaserne muss nach Munitionsfund zeitweise geräumt werden

Für einige Wochen können die Flüchtlinge nicht in ihrer Unterkunft in der Bayernkaserne wohnen.

(Foto: Robert Haas)
  • Auf dem Gelände der Bayernkaserne haben Bauarbeiter Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
  • Die Kampfmittelbeseitigung wird wohl mehrere Wochen dauern, weshalb knapp 150 Flüchtlinge ihre Unterkunft im Haus 12 verlassen müssen.
  • Ehrenamtliche kritisieren unter anderem, dass manche Familien für mehrere Wochen in einen anderen Stadtteil ziehen sollen.
Von Anna Hoben

Vor ein paar Tagen klang alles noch ganz harmlos. Bei Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne waren Arbeiter auf Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Am Montag teilte die Feuerwehr mit, dass einige Teile schon unschädlich gemacht werden konnten. Andere müssten noch entschärft oder gesprengt werden. Es bestehe keine Gefahr, Anwohner sollte sich von einem gelegentlichen Knall nicht erschrecken lassen. Am Donnerstag dann wurde das ganze Ausmaß des Fundes deutlich: Die Kampfmittelbeseitigung wird wohl wochenlang dauern, jeweils mittwochs und sonntags wird gesprengt. Dafür wird eine Sperrzone mit einem durchschnittlichen Radius von etwa 300 Metern um die Fundstelle eingerichtet, für deren Sicherung das Kreisverwaltungsreferat zuständig ist.

Die Arbeiten würden in den nächsten Wochen stattfinden, teilt die Stadt mit, beginnend am kommenden Sonntag. Zwischen acht und 17 Uhr seien "der Kernbereich der ehemaligen Bayernkaserne und südlich angrenzend Teile des von Helene-Wessel-Bogen und Maria-Probst-Straße umschlossenen Gebiets gesperrt". Der exakte Bereich werde in der Allgemeinverfügung hausnummerngenau benannt. "Wohnbevölkerung im Umfeld ist nicht in großem Umfang betroffen", so ein Sprecher der Stadt. Betroffen sind allerdings fast 150 Flüchtlinge, vor allem Familien, die wegen der Arbeiten dauerhaft ihre Unterkunft im Haus 12 der Bayernkaserne verlassen müssen. Am Donnerstag haben sie davon erfahren; schon an diesem Freitag um neun Uhr müssen sie die Unterkunft verlassen haben.

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Christl Quaas engagiert sich seit 2015 als ehrenamtliche Helferin für die Flüchtlinge in der Bayernkaserne. "Meine Leute", sagt sie, wenn sie von ihnen spricht. Sie hat für die Räumung überhaupt kein Verständnis und ist überzeugt, dass es eine menschlichere Lösung gegeben hätte. Bei Gesprächen mit der Verwaltung habe man ihr zugesichert, dass man zumindest alle Familien in anderen Häusern auf dem Gelände der Bayernkaserne unterbringen werde. Trotzdem müssten nun fünf Familien für sieben oder acht Wochen viele Kilometer weiterziehen, von Freimann in eine Unterkunft im Tollkirschenweg in der Fasanerie. Einige Männer sollten in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Hofmannstraße in Obersendling unterkommen. Und manche Familien müssten in ein Haus auf dem Gelände der Bayernkaserne ziehen, das wegen der Umtriebe seiner Bewohner als "Problemhaus" bekannt sei. Wie die Kinder der Familien, die in einen anderen Stadtteil ziehen müssen, nun zum Beispiel zur Schule kommen sollen, interessiere in den Behörden offenbar niemanden, sagt Christl Quaas.

Am Donnerstag ist sie gleich in die Bayernkaserne gefahren, um den Familien die Situation zu erklären. Sie sei "stinksauer, wie man mit diesen Menschen umgeht". Diesen Menschen, die sie als integrationswillig kennengelernt hat, die sich in ihre Situation fügen, obwohl sie gerade nur frustriert seien und nicht wüssten, was da geschehe. Sie frage sich, warum man die Familien nicht an den Sprengungstagen in einer Halle unterbringen könne - so könnten sie zumindest abends zum Kochen und Schlafen in ihre Unterkunft zurück.

Das Sozialreferat, das für die Unterbringen zuständig ist, hält dagegen: Dies sei nicht möglich, weil zu den zwei Sprengungstagen pro Woche noch zwei Bergungstage kämen. Dass sie jede Woche vier Tage in einer Halle verbringen müssten, könne man den Menschen nicht zumuten. Einen größeren Teil der Flüchtlinge bringe man deshalb auf dem Gelände in anderen Häusern unter, ein kleinerer Teil werde in andere Unterkünfte ziehen müssen, weil auf dem Gelände selbst zu wenig Platz sei. Die Menschen bekämen jedoch beim Umzug "die Hilfe, die sie benötigen, wir lassen sie nicht im Regen stehen". Der städtische Kälteschutz, der sich ebenfalls im Haus 12 befindet, wird indes während der Arbeiten weiterbetrieben, weil die Kampfmittelbeseitigung nur tagsüber erfolgt, "zu Zeiten, in denen die kostenlosen Bettplätze ohnehin nicht genutzt werden", wie ein Sprecher mitteilt.

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