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Bayernkaserne:Mama Lisa und ihre Kinder

Elisabeth Ramzews

"Mama Lisa" sagen sie zu ihr: Elisabeth Ramzews, Leiterin der Asyl-Sozialberatung der Inneren Mission, im Gespräch mit Flüchtlingen.

(Foto: Innere Mission)

Seit 30 Jahren hilft die Innere Mission unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge - jetzt bekommt sie dafür auch Geld

Von Bernd Kastner

Elisabeth Ramzews, die "Mama Lisa" aus der Bayernkaserne, ist happy und voller Ironie: 30 Jahre hat es bloß gedauert, und schon hat die Innere Mission, deren Asyl-Sozialberatung Ramzews leitet, eine Behörde gefunden, die ihr Geld gibt. Geld für Flüchtlinge, die oft durchs Raster fallen: Kinder, die nicht ohne, sondern mit ihren Eltern nach München kommen. Während die Unbegleiteten eine starke und notwendige Lobby haben, lebt der Großteil der Minderjährigen unter dem Radar der Aufmerksamkeit und verbringt Monate in nicht kindgerechten Unterkünften.

Die Innere Mission, erzählt Ramzews, habe bislang mit eigenem Geld ein Spiel- und Unterrichtsangebot organisiert, in einem einzigen Raum. Fortan heißt dieses Angebot "Family House", verfügt über vier Räume in neu aufgestellten Containern in der Bayernkaserne, und es ist die Stadt, die alles finanziert: vier Stellen und die Sachkosten. "Für ganz Deutschland ist das eine Ausnahme", sagt "Mama Lisa". Diesen Mittwoch öffnet das Family House.

Bei dieser Gelegenheit feiert die Innere Mission auch den 30. Geburtstag ihrer Asyl-Sozialberatung. Sie ist an einem Eingang von München tätig, der kein prächtiges Tor ist, sondern mit zwei Straßennamen verbunden wird: der Untersbergstraße in Giesing und der Baierbrunner Straße in Obersendling. Dort befand sich seit 1990 die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, ehe sie Anfang 2014 in die Bayernkaserne zog. Diese Unterkünfte erreichen viele Flüchtlinge kraftlos und verzweifelt, sie sind froh, wenn ihnen Sozialberater zur Seite stehen. Zuständiger Abteilungsleiter der Einrichtung war von 1994 bis 2011 Klaus Feist, heute ist er im Ruhestand.

Früher war vieles anders, aber besser war es in der Erstaufnahme wahrlich nicht. man muss bloß diesem Mann zuhören. Die Untersbergstraße (in Betrieb bis 2004) war nicht gut, aber immer noch besser als später das alte Bürohaus in Obersendling (als Erstaufnahme bis 2014 in Betrieb, anschließend als Ankunftszentrum bis zu dieser Woche). "Zusammengepfercht" seien die Flüchtlinge dort gewesen, und gestunken habe es, "ganz erbärmlich", erinnert sich Feist. Die Abwasserrohre waren offenbar so marode, dass den Geruch viele als Zumutung empfanden, auch seine Mitarbeiter. Die hatten ihre Büros in einem anderen Haus, die Hürde für die Flüchtlinge, dorthin zu gehen, sei groß gewesen. Die Baierbrunner Straße sei eine Unterkunft gewesen, "die den Namen nicht verdient". Feist ist ein Mann der offenen Worte, und das war er auch früher. Immer wieder habe es Reibereien mit der zuständigen Regierung von Oberbayern gegeben, bis hin zur "großen Eskalation". Und aus der Bevölkerung habe er all die Jahre immer beides erlebt: üble Beschimpfungen und große Hilfe.

Seit eineinhalb Jahren sitzt der Sozialdienst in der Bayernkaserne. Die ist weitläufig, vor allem hat sich dort eine Infrastruktur entwickelt, die ihresgleichen sucht. Beispielhaft steht dafür das "Lighthouse", der "Leuchtturm", wo sich Flüchtlinge bei Ehrenamtlichen die grundlegendsten Informationen abholen können. Das Welcome-Center ist eine Kooperation des Sozialdienstes der Inneren Mission und der Lichterkette.

© SZ vom 22.07.2015

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