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Verkehr in München:Landtag beschäftigt sich mit häufigen S-Bahn-Ausfällen

Kaputte Weiche an der S-Bahn Stammstrecke zwischen Hackerbrücke und Donnersbergerbrücke, näher an der Hackerbrücke.

Repariert, weiter geht’s: Arbeiter setzen 2017 auf der gesperrten Strecke zwischen der Hacker- und der Donnersbergerbrücke eine Weiche in Stand.

(Foto: Florian Peljak)

1960 Störungen gab es zwischen 2010 und 2019 bei der Münchner S-Bahn. Häufig waren defekte Weichen schuld - helfen soll das Diagnose-System "Diana".

Von Andreas Schubert

Die Meldung kennt jeder, der regelmäßig mit der S-Bahn unterwegs ist. Wegen einer Weichenstörung kommt es da und dort zu Verspätungen, die sich zuweilen massiv auf den gesamten S-Bahn-Verkehr auswirkt. Und diese Störungen sind häufig, wie nun eine Antwort der bayerischen Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Markus Rinderspacher ergab.

So gab es von 2010 bis 2019 im Münchner S-Bahn-Netz insgesamt 1960 Weichenstörungen. Das entspricht durchschnittlich 196 Störungen pro Jahr. Auf die Woche bezogen liegt der Durchschnittswert bei 3,8. Durch diese Weichenstörungen kam es im Zeitraum 2010 bis 2019 zu einem Betriebsausfall von durchschnittlich rund 100 Stunden pro Jahr.

Spitzenreiter in diesem Zeitraum war das Jahr 2017 mit insgesamt 241 Störungen. Die wenigsten Störungen, nämlich 145, verzeichnete die Deutsche Bahn (DB) im Jahr 2014. Dabei war die DB nicht untätig: Seit 2011 erneuerte sie im Netz eigenen Angaben zufolge 122 Weichen, was rund 30 Millionen Euro kostete. Das S-Bahn-Netz ist in drei sogenannte Netzbezirke aufgegliedert: Ostbahnhof, Hauptbahnhof und Pasing. Alleine im Jahr 2018 erneuerte die DB im Netzbezirk Ostbahnhof 14 Weichen, im Bezirk Pasing neun. Dafür investierte die DB 6,1 Millionen Euro.

Auch 2018 war mit 200 Weichenausfällen relativ störanfällig, weshalb die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) damals massive Kritik am Zustand der S-Bahn-Infrastruktur in München geübt und gefordert hatte, Störungen auf ein Minimum zu reduzieren. Die BEG, ein Unternehmen des Freistaats, bestellt und finanziert die Eisenbahnleistungen der Münchner S-Bahn und des Regionalverkehrs. Sie bezeichnete damals die Zustände als unzumutbar für die Fahrgäste. Im Folgejahr 2019 wurden dann im Netzbezirk Pasing neun Weichen erneuert.

Bis zum Jahr 2025 sollen 38 Weichen von insgesamt 328 Weichen erneuert werden, kündigt die DB an. Das wird voraussichtlich rund 8,7 Millionen Euro kosten. Für die Arbeiten nutzt die DB zum Beispiel die turnusmäßig anfallenden Sperrpausen auf der Stammstrecke an mehreren Wochenenden im Jahr.

Das Durchschnittsalter der Weichen liege bei 18 Jahren

Trotz der bereits erfolgten Modernisierungen geht Rinderspacher davon aus, dass auch in diesem Winter wieder mit Störungen zu rechnen ist. Denn viele Weichen seien in die Jahre gekommen, ihr Durchschnittsalter liegt nach Auskunft der DB bei 18 Jahren. "Wir müssen intensiv in die Schieneninfrastruktur investieren", sagt Rinderspacher. Die durchschnittliche Betriebsdauer liege bei 20 bis 35 Jahren je nach Weichentyp und Belastung der Weiche, teilte Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer mit.

2020 wurden laut Schreyer lediglich zwei Weichen im S-Bahn-Netzbezirk Pasing für knapp 200 000 Euro erneuert. Um Störungen schneller zu erkennen, hat die Bahn inzwischen 296 Weichen mit dem digitalen Diagnose-System "Diana" ausgerüstet. Die Anzahl der Weichenstörungen ist wegen der neuen Technik nach Angaben der Bahn um rund zehn Prozent gesunken.

© SZ vom 20.11.2020/kafe/van
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